4000 Jahre Tierdarstellungen aus der Sammlung Preuß im Ägyptischen Museum Bonn

Die Bundesstadt Bonn bietet für den begeisterten Museumsbesucher zahlreiche groß(artig)e Museen. Kunst, Geschichte und sogar Mathematik können hier im musealen Zusammenhang betrachtet werden. Bei all diesen großen Museen fallen die kleinen oft nicht auf – doch es gibt sie. Die Studiensammlung der Bonner Ägyptologie hat ein eigenes kleines Museum, das ständig erweitert wird. Wie es sich für ein solches gehört, konzipiert und zeigt es in seinem etwa 100 Quadratmeter großen Raum auch eine Sonderausstellung. Seit Mai werden dort Exponate aus der Sammlung des Ehepaares Preuß gezeigt. Das Ehepaar, sie pensionierte Lehrerin, er ehemaliger Chefredakteur des Deutschen Forschungsdienstes und Herausgeber zahlreicher Bücher, behaupten von sich selber „die Antike nicht nur zu sammeln, sondern auch mit ihr zu leben“. Ihre Sammlung nimmt, so informiert eine Schautafel, große Bereiche ihrer Räumlichkeiten ein, sodass sich dieser Satz in seiner ganzen Spatialität erschließt. Die Museen von Köln und Bonn profitieren dabei oftmals von den einzelnen kleinen Exponaten, die das Ehepaar für Ausstellungen oder als Dauerleihgaben zur Verfügung stellt.

Im Ägyptischen Museum der Universität Bonn wird dem Ehepaar nun erstmals eine ganze Sammlungsschau gewidmet, deren Thema eher beiläufig entstand. Den Augen des Kurators des Museums, Martin Fitzenreiter, einem ausgewiesenen Experten für die Tierkulte des Alten Ägyptens, entgingen die teilweise winzigen Objekte im Hause Preuß nicht, die Enten, Eidechsen, Schweine und Insekten darstellten, sodass man sich schnell darauf verständigte, daraus eine Ausstellung zu schaffen.

Sie nimmt für sich in Anspruch, 4000 Jahre Tiergeschichte zu präsentieren. Leider fällt dem Betrachter sofort ins Auge, dass dies nicht stimmt. Die Zeit des Mittelalters und der Frühen Neuzeit werden nicht behandelt. Was aber erfreut, ist der Weggang von der Eurozentristik, die oftmals in solchen Ausstellungen vorkommt. So zeigt die Ausstellung auch Objekte aus den Kulturen Altamerikas. Eine Schautafel arbeitet die Stellung des Jaguars in Mittelamerika heraus und benennt auch die dort hervorgebrachten Haustiere, freilich ohne das Meerschweinchen zu erwähnen, das neben Lama und Alpaka zu den wenigen Tieren gehört, die in Amerika domestiziert wurden. Wenn man zudem Kunstobjekte des 20. Jahrhunderts aus Zimbawe ausstellt, zeigen die Aussteller ein sehr breites und postmodernes Verständnis des Begriffs der Moderne.

Der Fokus der Ausstellung liegt klar auf Ägypten. Das zeigt sich nicht nur an der Fülle an Exponaten zu diesem Zeitraum, sondern auch an der Auswahl der Bilder der Moderne, die immer einen Bezug zu Erkundung und Vorstellung des Alten Ägyptens haben. Ein Bild Max Ernsts bildet dabei sicher ein Highlight der Ausstellung, bei dessen Vogeldarstellungen auch immer der Ba-Vogel eine besondere Rolle spielt, jenes seltsame Mischwesen der ägyptischer Religion, das einen Menschenkopf auf einem Vogelkörper trägt und einen Teil der Seele repräsentiert.

Ohne Zweifel waren die Tierkulte des Alten Ägyptens für die antike Welt äußerst exotisch – und damit durchaus befremdlich. Wie anders lässt sich die Abneigung Kaiser Augustus’ verstehen, auf keinen Fall mit diesen Riten, die er in Ägypten als neuer Pharao akzeptierte, in Rom in Verbindung gebracht zu werden. Diese Kulte aber, und das zeigt die Ausstellung, sind eine direkte Folge der Umwelt Ägyptens. Der Nil mit seiner Artenvielfalt spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Tatsache des Ackerbaus, der Ägypten zur Kornkammer der Antike werden ließ, und der Handel mit den anderen Völkern des Mittelmeeres. Die dargebotenen Inschriften informieren den Besucher über die Bedeutung der Tiere für die ägyptische Schrift und das Spiel, das sich aus der Doppeldeutigkeit der Semantik von Buchstabe und Tier ergab.

Weniger kenntnis- und detailreich sind die Ausführungen zu Mesopotamien oder der Klassischen Antike Griechenlands und Roms. Einen Verweis auf die Schweine des Odysseus oder gar seinen treuen Hund Argos sucht man vergebens. Eine Erwähnung der in Rom betriebenen Agrarkultur, die im Kaiserreich zu einer wahren Blüte geführt wurde, findet man leider nicht. Dafür entschädigen die Exponate. Besonders ins Auge fällt das Wildschwein aus Anatolien und sein domestizierter Verwandter aus dem römischen Reich. Der Nahe Osten ist durch einen großen Löwenkopf vertreten, der als Beispiel für die Verbreitung der Tiere im Mittelmeerraum und die mit dem Tier einhergehende Stärkesymbolik Verwendung findet.

Die Ausstellung ist klein und auf Wesentliches konzentriert. Die Beschränkung auf die Sammlung Preuß hätte, wenn man 4000 Jahre Tiergeschichte darstellen will, dazu führen müssen, die Schautafeln zu erweitern. Dennoch ist die Ausstellung bei einem Ausflug nach Bonn einen Besuch wert, denn die Auswahl und teilweise auch das Arrangement der Objekte zeigen die Mühe und Arbeit, die sich das Museumsteam und der Förderverein gemacht haben, um eine Studiensammlung zu einem Museum zu machen.

Von der Antike bis zur Moderne – Tierdarstellungen aus vier Jahrtausenden in der Sammlung Preuß im ägyptischen Museum der Universität Bonn. Noch bis zum 28. September 2014. Eintritt in Sonderausstellung und Studiensammlung: 2,50 €. Der 150 Seiten starke Katalog ist bei ebv erschienen und kostet 16,80 €.

Heavy Metal meets Uni Wuppertal

Slayers’ Raining Blood hallte durch den Hörsaal 16 der Uni Wuppertal. Der Musikethnologe Dr. Dietmar Elflein hielt einen Vortrag über seine „Schwermetallanalysen: Untersuchungen zur musikalischen Sprache des Heavy Metal“. Initiiert wurde dieser Vortrag von Prof. Dr. Erika Lang , die dieses Semester auch ein Seminar mit dem Titel „Informelles Lernen in Szenen: Soziosemiotik des Heavy Metal“ anbietet. Metalheads werden sich an die Ausstellung in der Uni-Bibliothek „Wo die Wilden Kerle wohnen – Heavy Metal im Bergischen Land“ erinnern. Diese war ebenfalls Teil der Metalforschung an der Wuppertaler Uni.

Die Uni Wuppertal am Abend

Die Uni Wuppertal am Abend. Foto: Carsten A. Dahlmann

Aber Metal an der Uni Wuppertal? Professor Lang möchte anhand der Metalszene das informelle Lernen erforschen. Die Zielgruppe sind zukünftige Lehrer. Informelles Lernen heißt so viel wie: Wissen selber und außerschulisch erarbeiten. Diese Art von Wissen sitzt tiefer, da die Schüler sich mit Neugier und Elan an die Sache begeben, statt es mühsam auf der Schulbank zu erlernen. Anschaulich und natürlich auch mit Hörproben stellt Elflein „the worst of the counterculture“ vor. Er meint damit Black Sabbath, welche fälschlicherweise immer als okkulte Band gesehen werden, obwohl ihre Texte gesellschaftskritisch, aber auch christlich geprägt sind. Er erklärt musikwissenschaftliche Begriffe wie Riffs, Breakdowns, Reihenfolgen. Damit gibt er Lemmy Recht, wenn er sagt Motörhead spielten Rock’n Roll. Die Band nutzt nämlich eine Abwechslung von binären und tertiären Tonketten. Im Metal wird nur die eine oder die andere Tonkette gespielt. Leicht verständlich erklärte der Wissenschaftler anhand von Folien, wie man den Unterschied zwischen kommerziellen und Underground-Metal erkennt. Komplexe Inhalte machte Elflein auch für Laien verständlich. Mein Fazit: Metal meets Wissenschaft funktioniert.„ Je mehr ich mich mit Metal beschäftige, desto lieber mag ich ihn“, sagte Lang im Anschluss begeistert.

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