Weltenwanderer – von Bielefeld zur Fantasiewelt

Mythemia – Weltenwanderer

 

Wer würde sich nicht gerne mit auf eine fantastische Reise nehmen lassen, über Berge und Täler wandern, durch mystische Wälder schreiten und sich von elfischem Sternenlicht den Weg weisen lassen. Das und nichts weniger verspricht die Fantasyfolk-Band Mythemia. Im Dezember 2014 ist nun das erste Album des Quintetts erschienen, dessen Auftritt Wuppermond bereits auf der Role Play Convention 2014 bestaunen konnte. Wuppermond-Redakteur Carsten Ace Dahlmann hatte die Gelegenheit, in das Album mit dem vielversprechenden Namen „Weltenwanderer“ hineinzuhören und mit Sängerin Shilan Anderson aus dem nicht existenten schönen Bielefeld zu sprechen.

Wie alles begann

Erste Auftritte als Mythemia hatten die fünf Musiker bereits im Oktober 2013. Doch auch schon vorher gab es gemeinsame Projekte. Man kannte sich und wollte zusammenarbeiten. So kam es, dass Mythemia zunächst als Mittelalterrock-Projekt gedacht war. Doch dies sollte sich schließlich noch ändern.

Harmonie und Dynamik

So konnte Wuppermond eine gelungene Mischung von Harmonie und Dynamik hörerleben.

Dies gelingt nicht nur durch die vielschichtige Instrumentierung, die sich von Geige und Bouzouki über Gitarre und Sackpfeife bis hin zu Flöten, einem Didgeridoo, natürlich verschiedensten Drums sowie einiger weiterer Instrumente erstreckt, sondern auch besonders durch die Texte, die den Zuhörer in ihren Bann ziehen.

So öffnet das Album bereits mit dem ersten Lied mit Angebot, die uralten Geschichten zu hören und sich somit auf eine Reise mitnehmen zu lassen. Und tatsächlich findet man sich bald in einem fernen Königreich wieder, in dem es – im dritten Song „A Kingdom’s Tale“ – um Kampf und Rückeroberung geht; im Titelsong „Weltenwanderer“ werden die Reisen des Traums und der Vorstellungskraft besungen; und „Legenden“ wiederum thematisiert die Erzähltradition an sich und beschwört die dazugehörige Atmosphäre, die durch Geschichten am Lagerfeuer – und natürlich mit Met – entsteht.

Ohrwurmgefahr

Suchtcharakter haben die Songs jedoch nicht nur durch Melodie und Text, sondern nicht zuletzt auch durch die eingängige Stimme von Sängerin Shilan Anderson, aus deren Feder im Übrigen auch ein Großteil der Songs entsprungen ist. Ihre morissettig angehauchte Stimme dominiert das Album, doch an Abwechslung fehlt es weder klanglich noch textlich.

Im Song „Ruf der Nacht“ gelingt dies beispielsweise durch das wunderschöne Zusammenspiel von männlichem und weiblichem Gesang, untermalt von Akustikgitarre und den sphärischen Klängen des Didgeridoos – eines Instrumentes, das die Band unbedingt dabeihaben wollte.

Für textliche Abwechslung sorgt eingestreuter Humor – wie in dem Song „der Barde“, in dem das Volk den Musiker aus der Stadt wirft, weil eben jener die Akkorde in den Sand setzt – oder die „Piratenballade“, die auch die Herzen der Fans dieses Genres höher schlagen lässt.

Die Geschichten, die die Weltenwanderer aus fremden Zeiten und Welten mitgebracht haben, sind indes mal in Deutsch und mal in Englisch vertont.

Humor und Liebe zum Detail

Eine besondere Eigenheit der Band ist übrigens ihr Merch-Stand. An diesem sorgt Stella für immer neue Ideen. Die Tatsache, dass es neben den üblichen Fanartikeln auch so etwas wie Mythemia-Fliesen oder auch eigene Tee-Kreationen gibt, sorgte bereits bei anderen Bands für Aufsehen. So habe Fiddler’s Green, bei denen Mythemia als Vorband spielte, einst belustigt kommentiert: „Ihr habt noch keine CD, aber dafür eine eigene Tee-Serie?!“

Genre und Band

Die Band ordnet sich selbst in die Schublade Mythical Medieaval Folk bzw. Fantasyfolk ein. Der Stil wird dabei insbesondere durch die Vorlieben der jeweiligen Bandmitglieder geprägt. Somit sei die Musik der fünf verschiedenen Leute auch eine Mischung aus allem, was die Musiker – Shilan Anderson, VanThomas der Barde, Towky von Löwingen, Der Kobold und Captain Chris – jeweils ausmachen.

Hauptwirkungsstätte der Band ist Bielefeld. Dort und im restlichen OWL-Bereich um Bielefeld herum wohnen die Mitglieder. Sticheleien hinsichtlich der Stadt Bielefeld kontert Sängerin Shilan allerdings mit Humor und Schlagfertigkeit:
Die Stadt habe man natürlich mit Absicht ausgewählt, denn: „Was gibt’s für bessere Portale zwischen den Welten als Städte, die es angeblich nicht gibt. Da gibt’s dann ja auch immer einen gewissen Mythos und einen gewissen Reiz, und irgendwo hinter dem Nebel und den Pappaufstellern ist dann die Pforte zur anderen Seite.“

Mythemia erleben

Eine Pforte zu den mythemischen Welten kann man allerdings momentan in verschiedenen deutschen Städten finden. Denn Mythemia sind nun auf Tour – für die Bergischen Fans z.B. in der Taverne zum Alten Recken in Solingen. Wir für unseren Teil werden den Weltenwanderern dort lauschen.

Darüber hinaus findet ihr weitere Informationen über die Tour und die Band – sowie auch Videos und Hörbeispiele – auf Mythemia.com.

[Update:] Leider musste Mythemia den diesjährigen RPC-Auftritt absagen. Für Fans aus dem Bergischen Land bietet sich das Konzert in der Metalkneipe Underground, in Wuppertal, im Januar 2016 an.

Bücher zum Fest? – „Bergische Geschichte“ und „Erklär mir mal Wuppertal“

Geschichte des Bergischen LandesBücher werden ja immer gerne zu Weihnachten verschenkt. Darum als Premiere auf Wuppermond: zwei Buchrezensionen mit lokalem Bezug.

Der Bergische Geschichtsverein (BGV) hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Mitgliedern jedes Jahr Bücher zukommen zu lassen. Mal ist es eine neue Ausgabe der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, mal ein Werk, das in der Reihe „Bergische Forschungen“ erschienen ist. Zum 150. Jubiläum seines Bestehens im Jahr 2013 hatte er sich fest vorgenommen, eine Geschichte des Bergischen Landes an seine Mitglieder zu verschicken und diese zeitgleich auch allen anderen Interessierten zukommen zu lassen. Mit einem Jahr Verspätung kann er nun den ersten Band der Bergischen Geschichte vorlegen. Probleme mit den Autoren, von denen einige trotz Vertrag vor der Aufgabe zurückschreckten oder nicht rechtzeitig ihre Artikel ablieferten, sorgten für die Verzögerung.  Ganz ohne eine solche wird aber der zweite Band der Bergischen Geschichte im Jahr 2015 erscheinen.

Beide Bände umfassen jeweils knapp 800 Seiten, sind reichlich bebildert und mit Kartenmaterial versehen. Der vorliegende erste Band umfasst den Zeitraum vom Beginn der Aufzeichnungen im Bergischen, also etwa vom 8. Jahrhundert an, und reicht bis zur Auflösung des Herzogtums Berg durch Napoleon 1806.  Sicherlich wäre es auch hier ratsam gewesen, die Vor- und Frühgeschichte zumindest kurz in die Überlegungen mit einzubeziehen, zumal in Elberfeld eine 2.500 Jahre alte Siedlung gefunden wurde, die die Überlegungen zur Erstbesiedlung um 800 doch in Frage stellen. Dieser Fund, obwohl bereits 2003 gemacht, findet sich in der neuen Geschichte nicht wieder.

Die Herausgeber hatten sich vor allem zwei Aufgaben gestellt: Erstens, so der Vorsitzende Thomas Halbach, wollte man das Bergische Land wieder in Erinnerung rufen, das als Teil des Rheinlandes zu verschwinden drohe, und zweitens sollte der Begriff „Bergisches Land“ überhaupt geklärt werden. Denn auch wenn man in den Städten des Bergischen Landes beim Stadtbummel oftmals das Gefühl haben kann, hier sei man in bergigen Regionen, so sollte doch jedem klar sein, dass der Begriff keinen Naturraum bezeichnet, sondern ein Gebiet, das von den Grafen und den späteren Herzögen von Berg beherrscht wurde (das diese wiederum ihren Namen von ihrer Burg beim Altenberg ableiteten, ist eine andere Geschichte). Somit ist das Bergische Land kein Naturraum, sondern ein historisches Gebilde, das durch seine Besiedlung und seine Entwicklung zu einem Kulturraum wurde. Besiedlung und Entwicklung will der erste Band, lesbar und wissenschaftlich fundiert, aufzeigen.

Ausgehend von den Vorarbeiten des Schulmeisters Bernhard Schönnesfeld und der 1958 erschienen Bergischen Geschichte, die damals schon durch den BGV herausgegeben worden war, wurden verschiedene Arbeitsfelder abgesteckt. Neben einer chronologischen Struktur, in der Wilhelm Janssen ausführlich die mittelalterlichen Politik der Region darstellt und einordnet, während Stefan Ehrenpreis das Herzogtum im 16. Jahrhundert und Klaus Müller die Zeit von 1600 bis 1806 darstellt, sind viele große Kapitel zur Lebens- und Arbeitsweise der Menschen zusätzlich erstellt worden. So steht die politische Geschichte neben der Kulturgeschichte. Zu dieser werden im Buch die Kirchengeschichte gezählt, aber auch die Agrargeschichte und die Sozialgeschichte finden ausführlich Erwähnung. Herausgeber Stefan Gorißen nahm sich der Gewerbegeschichte des Bergischen in der Frühen Neuzeit an, in der die Anfänge für die spätere Textilstadt Wuppertal, die Klingenstadt Solingen und die Schmiedestadt Remscheid lagen. Ausgewählte Biographien Engelberts von Berg, Herzog Jan Wellems und Jung-Stillings ergänzen die Darstellungen. Zum Ende des Buches wurde mit Georg Cornelissen der Leiter der Sprachabteilung des LVR-Instituts für Landeskunde gewonnen, der das Sprechen der Menschen im Bergischen einordnet und einen nicht unbekannten Wuppertaler Linguistikstudenten ins Verzücken versetzte.

Bleibt die Frage: Was taugt’s? Der Aufsatz von Thomas Lux über die Agrargeschichte des Bergischen Landes soll hier als Beispiel dienen. Er beginnt zunächst recht unspektakulär mit einer ordentlichen Darstellung des Feudalsystems, von dem jeder wohl in der Schule gehört haben sollte. Diese Grundbedingung mittelalterlichen Lebens wirkt auf den ersten Blick wenig spannend, ist aber im Rahmen des Ziels des Buches wichtig, soll es doch vor allem als Nachschlagewerk dienen. Nachdem die sozialen Verhältnisse geklärt sind, kommt Lux schnell zu den Gütern, die im Bergischen angebaut wurden. Entscheidend dabei war vor allem der Landbau, dann erst die Viehwirtschaft. Kühe gab es, so Lux, im Bergischen übrigens herzlich wenig, dafür zahlreiche Schweine, Schafe und Geflügel. Durch die Urkunden des Klosters Werden etwa lässt sich dabei die Größe einzelner Höfe erschließen. Die Zahlen sind dabei lesefreundlich nicht im Text versteckt, sondern in einer Tabelle aufgelistet und um rekonstruierte Karten ergänzt.

Es versteht sich von selbst, dass in einem Buch, dass eine ganze Region vermessen möchte, nicht alle Städte, Orte und Stadtteile Erwähnung finden können bzw. nur in den Texten selber am Rande vorkommen. Das Werk ist als Nachschlagewerk angelegt, mit dem es möglich sein soll, eigene Forschungen zu betreiben und Fragen zur Geschichte zu beantworten. Es wäre daher schön gewesen, irgendeine Form von Register vorzufinden, das es erlaubt, schnell den eigenen Ort zu finden, wenn man diesen sucht, ohne gleich einen langen, wenn auch durchaus ergiebigen Aufsatz lesen zu müssen. Wer allerdings in Altenberg lebt, der wird seine Freude mit dem Buch haben, ist die Beschäftigung mit dem dortigen Dom doch ein klarer Höhepunkt dieses ersten Bandes.

Erklär mir mal WuppertalGanz anders geartet ist das Buch Erklär mir mal Wuppertal, das die Abteilung Wuppertal des BGV pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2014 auf den Markt gebracht hat. Dem Werk ging eine Idee, die im Beirat aufgekommen war, voraus. Die dort qua Amt mitwirkende Direktorin der Wuppertaler Stadtbibliothek kam im Jahr 2009 auf den Vorstand zu und wollte ein Schulbuch entwickeln, denn ein solches gab es für Wuppertal nicht, obwohl in den dritten und vierten Schuljahren die Geschichte der eigenen Stadt und des Stadtteils auf dem Lehrplan steht. Die Idee wurde begeistert aufgenommen, allein: Schreiben wollte keiner der Beiräte ein Kinderbuch, dazu fehlte das Talent zum kindlichen Erzählen. Zahlreiche Versuche, Menschen zu finden, die ein solches besitzen, wurden unternommen und ebenso oft wurde das Projekt begraben. Bis schließlich der Verleger Thomas Helbig die Idee aufgriff und drei Autorinnen und eine Illustratorin fand, die sich an die Arbeit machten. Der BGV Wuppertal suchte indes zahlreiche Sponsoren aus den eigenen Reihen und aus der Wuppertaler Wirtschaft, um ein Ziel zu verwirklichen: Das Buch musste umsonst an die Grundschulen Wuppertals in Klassensätzen verteilt werden. Die Spendensammlung gelang und schließlich waren die Texte fertig, die vom Beirat des BGV noch einmal gegengelesen wurden. Dann aber konnte das Buch in den Druck gehen.

Lohnt das Lesen? Das Buch ist handwerklich gut gemacht, farblich ansprechend und für Kinder schon deswegen geeignet, weil der Leser immer angesprochen und geduzt wird. Das Buch ist in erster Linie zwar historisch, aber reicht auch in die Gegenwart und Zukunft der Stadt hinein. Ein besonders Augenmerk für die Schulen sind die mehrseitigen Geschichten der einzelnen Stadtteile, die in ausgesuchten Erzählungen die Entwicklung der einzelnen Gebiete wiedergeben. Einzig der Bereich Barmen ist dabei ein wenig unglücklich geworden, steht doch über seine Geschichte recht wenig im Buch selbst. Auch die Auswahl der einzelnen Stadtteile ist dabei fragwürdig. So erhält Langerfeld ein eigenes Kapitel, obwohl es seit 1922 zu Barmen gehört, Nächstebreck jedoch, das im selben Beschluss 1922 zu Barmen kam, findet nur kurz im Kapitel über Barmen Erwähnung. Die wunderbar aufgearbeitete Geschichte um den Brand der ersten Barmer Schule, die am heutigen Alten Markt stand, entschädigt dafür nur wenig.

Nach den Stadtteilgeschichten wird die alle Gebiete umfassende politische, kulturelle und soziale Entwicklung des Wuppertals genannt. Angefangen mit der Textilbranche und darauf aufbauend mit einem Kapitel über Friedrich Engels, den Mitbegründer des Kommunismus, der aus Barmen stammte, begibt man sich schnell in die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die aus Wuppertaler Sicht wiedergegeben wird und mit dem Zweiten Weltkrieg endet. Danach folgen Abschnitte über die Religionen im Tal (inkl. Buddhismus und Hinduismus), die Wuppertaler Berühmtheiten und schließlich den Verkehr, der die Stadt prägt und natürlich die Schwebebahn mit einschließt. Grünflächen und Kultureinrichtungen sowie spezielle Angebote für Kinder schließen das Buch ab.

Obwohl für Kinder erdacht ist das Buch auch für zahlreiche Erwachsene geeignet, die etwas über die Stadt Wuppertal erfahren wollen. Die einzelnen Kapitel sind wie bei den klassischen Was ist Was-Büchern mit Fragen überschrieben und machen so Lust, sich in die kurzen und längeren Kapitel zu vertiefen, die sich auch zum Vorlesen eignen.

 

Stefan Gorißen, Horst Sassin und Kurt Wesoly (Hg.): Geschichte des Bergischen Landes. Bis zum Ende des alten Herzogtums 1806. Band 1 (= Bergische Forschungen 31). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014. 768 Seiten, ISBN 978-3-89534-971-3, 29,90 €

Bergischer Geschichtsverein Abt. Wuppertal (Hg.): Erklär mir mal Wuppertal. Geschichte und Geschichten. Texte von Susann Fiedler, Simone Jacken und Manuela Sanne. Illustrationen von Ariane Rudolph. Edition Köndgen, Wuppertal 2014. 192 S., ISBN 978-3-939843-50-4,  22 €

 

Offenlegung: Der Autor dieses Artikels ist Schriftführer des Bergischen Geschichtsvereins, Abt. Wuppertal und Mitherausgeber der vom BGV herausgegebenen Zeitschrift Romerike Berge.

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