Die Wupperworte der Nerdpiraten

David Grashoff und André Wiesler (c) 2012 Reiner Szesny

David Grashoff und André Wiesler
(c) 2012 Reiner Szesny

Der Wuppertaler Poetry Slam Wortex ist eine Kulturinstitution. Seit 2009 laden die Wortpiraten David Grashoff und André Wiesler jeden Monat Slammer und Slammerinnen aus der weiten Welt in die börse ein, auf dass sie sich in ihrer Dichtkunst messen.

Am 7. April 2016 steht der nächste Wortex an, ganz im Zeichen des Nerdtums. Denn beide Wortpiraten sind eingefleischte Nerds – zu Hause in der Welt der Games, der Rollenspiele, der Comics und was es sonst noch an bunten Parallelwelten gibt. Für Wuppermond hat Fabian Mauruschat von Fischpott mit André Wiesler über das Slammen, das Nerdiversum und den ganzen Rest gesprochen.

Ich habe lange versucht es herauszufinden, aber eure Homepage verbirgt dieses Geheimnis sehr effektiv: Seit wann macht ihr den Nerdslam jetzt?
Das ist eine gute Frage. Wenn mich nicht alles täuscht seit 2013. Aber mit Grasi und mir als Moderatoren ist jeder Wortex ein bisschen nerdig.

Kam euch das damals wirklich vor wie eine gute Idee?
Das war eine großartige Idee – wir Nerds sind auf dem Weg zur Weltherrschaft und dieser Slam ist eine großartige Weise, das zu feiern. Und der Erfolg gibt uns Recht!

Und, seid ihr nicht nur berühmt, sondern auch reich dabei geworden?
(Da lacht der Wiesler erst einmal ausgiebig.) Oh, du meinst das ernst? Weder noch. Aber es macht trotzdem unfassbar viel Spaß.

Was machen die Preisträger heute? Haben die alle Bücher auf Elbisch geschrieben oder sind sie schon zum Mars geflogen?
Am besten loggst du dich bei World of Warcraft ein und fragst sie selbst.

Was bedeutet für dich Nerd-Sein? Du bezeichnest dich ja selber so, oder?
Aber sichi! Nerd-Sein bedeutet für mich, mit kindlicher Begeisterungsfähigkeit in spannende Geschichten fernab des Vin-Diesel/Rosamunde-Pilcher/Tatort-Mainstreams einzutauchen, emotional und erhitzt über Fragen des Fandoms zu diskutieren, die global gesehen unwichtig sind, für mich aber die Welt bedeuten. Mich mit Gleichgesinnten darüber austauschen, ob Aquaman wirklich so eine Flachpfeife ist oder wer den hübscheren Hintern hat, Spiderman oder Batman.
Na, hast du gesehen, wie geschickt ich hier dem Sexismusvorwurf ausgewichen bin? Alles in Internetforen gelernt!
Kurzum: Zu wissen, da draußen ist eine große Familie anderer Spinner, mit denen man trefflich streiten kann, die man aber einfach lieben muss. Denn schon die alten Klingonen wussten: „nlteb Qob qaD jup ‚e‘ chaw’be‘ Suvwl’“

War Nerd-Sein früher schlimm? So als Außenseiter, als alle Star Wars und Fantasy kindisch fanden?
Ich war als Kind dick, hatte keine Markenklamotten und war sozial ein bisschen schwierig – Nerd zu sein war in der Arena, die man Schule nennt, also das geringste meiner Probleme. Im Gegenteil – erst durch das Nerd-Sein, konkret durch die Rollenspiele wie Das schwarze Auge, habe ich so etwas wie Selbstbewusstsein aufgebaut und Freunde gefunden. Vielleicht war es mein Glück, dass wir nicht sonderlich viel Geld hatten und ich mir so den ganzen geilen Nerdscheiß nicht leisten konnte. Das hole ich jetzt alles mit meinem Sohn zusammen nach.

Ist Nerd das neue Mainstream? Superheldenfilme im Kino, Drachen im Fernsehen und alle spielen Computerspiele – das Ende des Außenseiterstatus?
Nicht alles, was sich Nerd nennt, ist auch ein Nerd. Hornbrille aufsetzen und Game of Thrones cool finden macht dich nicht zu einem Nerd. Skurrile Motto-T-Shirts, die Finger zum Gruß spreizen und IT-Crowd zitieren ist die Einstiegshürde, die man zum echten Nerd überspringen muss, und ab da wird es harte Arbeit. Aber ja, vieles von dem, was früher Außenseiterkram war, ist heute Mainstream. Ich finde das aber prinzipiell gut – je mehr Bandbreite allgemein akzeptiert wird (egal ob medial, kulturell oder in Genderfragen), umso netter lebt es sich zusammen.

Dein absolutes Nerd-Spezialgebiet?
Ich habe ein sehr löchriges Gedächtnis, darum fallen Dinge wie Schauspielernamen, Pokémon oder Faktenlisten raus. Ich denke, beim Großen Preis hätte ich „Fernsehserien, Computerspiele und Fantasyfilme der achtziger Jahre“ als Spezialgebiet genommen, aber auch bei Rollenspielen kenne ich mich von der praktischen Seite (also was ich alles gespielt habe) recht gut aus.

Gibt es manchmal Konkurrenz zwischen dir und David Grashoff, wer der nerdiger ist?
Tatsächlich schlägt mich David da wegen seines guten Namensgedächtnisses häufiger. Aber ich habe meine Momente – wenn ich ihm zum Beispiel erklären muss, dass das da auf seinem T-Shirt kein X-Wing, sondern eine Lambda-Klasse ist.

Ob per X-Wing, Lambda-Shuttle oder Nimbus 2000 – am 7. April 2016 kommen zum Nerdslam in der Wuppertaler börse: Rahel aus Bochum, das selbsternannte Arbeiterkind mit Bildungshintergrund Christofer mit F, der Mann mit dem durchschnittlichsten Namen Deutschlands Jan Schmidt und der bilinguale Oscar Malinowski.

Kunstvolle Kostüme und reizende Riesen – die RPC 2015

Riesen, Faune und putzige Anime-Figuren: Auch dieses Jahr bot die RPC viele Anregungen für Rollenspieler aller Art. Das Team von Wuppermond sah die Wermelskirchener Steampunkband Aeronautica, gefährliche Greifvögel und exzellent ausstaffierte Rollenspieler aus allen Bereichen. Unsere Galerie seht ihr unten. Diese zeigt viele schöne Menschen und Kostüme. <3

P.S.: Spiderman ist Linksträger.

Cosplay, Workshops und das Mittelalter – die RPC in Köln

rpc_logoJedes Jahr im Mai pilgern Rollenspieler und andere Nerds zur Role Play Convention in Köln. Dieses Wochenende ist es endlich wieder soweit. Auf der um zehn Uhr beginnenden Messe werden jährlich Klassiker und Neuheiten diverser Spieleverlage vorstellt. Darüber hinaus haben Fans von Video- und Konsolenspielen die Möglichkeit, diese unter großem Geschepper auf überdimensionierten Leinwänden auszuprobieren. Auf dem Außengelände befindet sich ein stimmungsvoller Mittelaltermarkt, wo Freunde vergangener Zeiten an zahlreichen Ständen ihre Geldbörse erleichtern und diversen Bands lauschen können.

Charmante Orks bei der Arbeit (RPC 2014)

Charmante Orks bei der Arbeit (RPC 2014)

Wer die RPC besucht, sollte schon ein wenig Zeit mitbringen. Die Auswahl an Workshops, Spielen oder Ständen ist groß und vielfältig. Auf dem Programm stehen Kurzlehrgänge wie „Schminken im Larp“ oder „Kochen mit Met“. Schmerzresistente Besucher können sich im Schwertkampf oder der Sportart Jugger üben und sich während einer Greifvogelschau von einem Uhu oder Adler entgräten lassen. Game of Thrones-Fans dürfen sich besonders freuen, denn dieses Jahr sind gleich zwei bekannte Gesichter auf der RPC zu sehen. Der wortgewandte Hodor und die Schwester von Theon Greyjoy sind auch zugegen. Die freundlichen Frauen und Männer von Wuppermond werden, wie beim Besuch im letzten Jahr, natürlich versuchen, mit diesen Prominenten zu sprechen.

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Aeronautica

Musikalisch wird an beiden Tagen viel geboten. Am Samstag spielen die Wermelskirchener Steampunktruppe Aeronautica und der allseits bekannte Jan Hegenberg. Am Sonntag treten immer wieder die schwedischen Piraten von Ye Banished Privateers auf. Den krönenden Abschluss bildet die Symphonic-Metal-Band Xandria.

Das gesamte Programm könnt Ihr, liebe Leser, unter www.rpc-germany.de finden.

Gut besucht – Die Eröffnungsparty der Bonner Taverne Voyager

Voyager-Logo_transparentEs sollte ein umtriebiger Tag für das Wuppermond-Team werden: Für den Nachmittag stand ein schon länger geplanter Besuch der Ausstellung „Abenteuer Orient“ in der Bundeskunsthalle auf dem Plan und für die Abendstunden die offizielle Eröffnungsparty des Bonner Fantasy- und Rollenspiel-Pubs Voyager. Vor unserem Museumsbesuch wollten wir uns erstmal einen kleinen Imbiss gönnen. Da wir wussten, dass das Voyager auch schon am Nachmittag geöffnet sein würde, schauten wir dort einfach schon mal vorbei. Die Vorbereitungen für den Abend liefen offenkundig bereits auf vollen Touren, und auch einige Gäste tummelten sich schon zwischen Spieleregal, Bar und Kuchenbuffet, während im Hintergrund die epischen Klänge der Star Wars-Filmmusik zu hören waren (Gerüchten zufolge erklingt in der Taverne auch öfters mal Basil Poledouris’ erhabener Conan der Barbar-Soundtrack, gegen den ich wahrlich auch nichts einzuwenden gehabt hätte). Als Wandschmuck versetzten gotischen Kirchenfenstern ähnelnde Spiegel und romantische Mittelalterdarstellungen den Besucher in eine fantastische Welt der Ritter und Minnesänger. Am Buffet warteten einem Film- und Science Fiction-Fans nicht ganz unbekannten kleinen Roboter nachempfundene R2-D2-Zitronenkuchen auf den hungrigen Reisenden. Daneben gab es noch diverse andere originelle und kreative Leckerbissen wie beispielsweise „Han in Carbonit“, einen Darth Vader- und einen Stormtrooper-Kopf aus Schokoladenkuchen, einen Voyager-Schiff-Gewürzkuchen in 3D, Supermario-Pilz-Muffins und Guinness-Muffins mit Whisky-Frosting. Das optische Highlight in Form einer Tardis-Torte war zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgefahren worden und harrte noch seiner feierlichen Präsentation. Nach einem kleinen Imbiss und einer Tasse leckerem Earl Grey-Tee ging es dann für uns aber erst mal ins Museum.

Dort verging die Zeit angesichts der Sammlung des Archäologen Max Oppenheim – hierzu mehr in einem anderen Artikel – und seiner beeindruckenden Grabungsfunde recht schnell, und so begaben wir uns nach einem äußerst interessanten und kurzweiligen Museumsbesuch einige Stunden später wieder gen Voyager. Doch was mussten wir da erblicken? Ungefähr zwei Dutzend Leute tummelten sich bereits mit dem Bier in der Hand vor der offenen Türe des Pubs, was uns gar Schröckliches ahnen ließ. Und tatsächlich: Unsere Befürchtung, keinen Sitzplatz mehr zu bekommen, schien sich zu erfüllen. Sowohl an Bar und Buffet als auch im geräumigen Souterrain waren bereits alle Sitzplätze belegt, und an einigen Tischen hatten sich schon kleine Spielrunden gebildet. Als wir nach mehreren Rundgängen für die Platzsuche schon fast resigniert hatten, wurde, den Göttern sei Dank, in unserer nächsten Nähe ein Tisch mit gemütlicher Couch-Ecke frei, und wir konnten endlich Platz nehmen. Während die Gruppe am Nebentisch sich in eine Runde Cthulhu Munchkin vertiefte, machten wir uns mit der recht umfangreichen Getränkekarte vertraut. Hier konnte ohne Übertreibung von der sprichwörtlichen „Qual der Wahl“ die Rede sein. Das äußerst breite Angebot hatte sowohl für den Spirituosenkenner als auch für den neugierigen Laien einiges zu bieten und erstreckte sich von diversen Whiskys über gewürzten Honigwein bis hin zu einer beachtlichen Fülle weniger bekannter und ungewöhnlicher Biersorten (India Pale Ale, Kirschbier, Ingwerbier, Trappistenbier und das hochgradig kultige Rauchbier von Schlenkerla, um nur einige zu nennen). Der stilbewußte Steampunker konnte sich an einer Victorian Lemonade von Fentimans erfrischen oder sich auch ein Glas Absinth gönnen. Und sicher werden nicht nur rollenspielerprobte Waldläufer, Kriegerinnen und Barden, die gerade ein paar Orks den Garaus gemacht haben, ihre Freude an Gebräuen mit so klangvollen Namen wie Wychwood King Goblin und Wychwood Brewery Hobgoblin haben.

Tardiskuchen

Foto: Sarah Caspari

Bald gesellte sich gelb-blau gewandet mit breitkrempigen Hut, Umhang und Stulpenstiefeln Ozzimandias der Schelm mit seiner Wandervogellaute „Loreley“ zu uns und erfreute uns mit Spottliedern und Balladen, darunter dem ja eigentlich nur scheinbar obszönen (Ein Schelm, wer Arges dabei denkt!) „Adele“, der unter anderem durch die Gruppe Liederjan bekannten Ballade von den fünf Söhnen und einem sehr unterhaltsamen alten Volkslied, welches die Mordgelüste gegenüber einer bösen Schwiegermutter zum Ausdruck bringt. Der passionierte DSA-Spieler und LARPer würde gerne noch öfter im Voyager sein mal lustiges, mal nachdenkliches Liedgut zum Besten geben und das Publikum mit wohlklingender Stimme und Gitarrenlaute erfreuen, kann sich aber auch gut vorstellen, einen Tisch im Voyager mit seinen Freunden für Rollenspiel-Runden zu nutzen.

Im Laufe des Abends konnte man auch den einen oder anderen weiteren Gewandeten erblicken, wie zum Beispiel einen Piraten und einen Endzeit-LARPer, und mehrere Male gab es eine exotische Bauchtanz-Darbietung der Tribal-Tänzerinnen vom Akasha-Tribe. So erfreuten sich die Gäste bis in die späte Nacht an Spielen, Speisen und Spirituosen, an Tanz und Gesang. Auch zwei Biologiestudenten aus Bonn, Julian und sein Kommilitone Konstantin, dessen T-Shirt der „Black Knight“ aus Ritter der Kokosnuss zierte, zeigten sich begeistert von der neuen Lokalität. Konstantin, der sowohl dem LARP als auch Pen & Paper-Rollenspielen zugetan ist, fand „den Laden super“, und auch Julian, der eher im Bereich der Online-Rollenspiele zuhause ist, bezeichnete das Voyager als „sehr gemütlich“. So gingen auch beide davon aus, dass dieses nicht ihr letzer Besuch im Rollenspiel-Pub gewesen sein wird. Tierärztin Dagmar und Fotografin Isa waren ebenfalls angetan, ihnen gefiel unter anderem die Tatsache, dass man hier gut spielen könne, sowie die umfangreiche Getränkekarte. Und auch Wirtin Astrid zieht ein positives Fazit des Abends: „Ich denke, die Sachen, die wir als „Specials“ da hatten, sind sehr gut angekommen. Also vom Kuchen über das frischgebraute Craft Beer (Chocolate Ale), der Barde, der sich einen Tag vorher noch ankündigte, die Bauchtanzmädels – alles toll!“ Auch für die Mitarbeiter gibt es ganz klar lobende Worte: „Unsere Mitarbeiter waren super!“ Astrid kündigt an, das, was organisatorisch noch nicht so gut gelaufen sein sollte, nach und nach zu optimieren, und schmiedet schon eifrig Pläne, wie es mit dem Voyager weitergehen soll.

Für die Zukunft sind nämlich bereits diverse Events und besondere Thementage für Nerds, Fantasy-, Science Fiction- und Rollenspiel-Fans in Planung: Ein oder mehrere Male wöchentlich sollen offene Spielerunden stattfinden, bei denen jeder einsteigen kann. Sonntags wird es einen Spielebrunch geben. Der dritte Samstag im Monat ist für weitere Spezialevents reserviert. Außerdem sind geplant: im Juli eine Feen-Con-Aftershowparty, am 16.08. eine Piratenparty, am 20.09. eine Eis-und Feuer-Mottoparty und am 18.10 eine Tolkien-Party.

Unser Fazit: Das Voyager ist ein Rollenspiellokal mit Herz und Potential, ein gemütlicher Anlaufpunkt für Nerds und Fantasyfans, aber auch für Freunde des elaborierten bis unkonventionellen Biergenusses, mit angenehmem Ambiente, nettem Personal und einer gut ausgestatteten Spieleregalwand. Wuppermond wünscht Astrid, Kay und ihrem Team viel Erfolg und weiterhin viel Kreativität für die Gestaltung ihrer Taverne.

Mehr Infos zum Voyager unter: http://www.voyager-bonn.de/

Endzeit, Orks und Elben – so vielseitig war die RPC

Rollenspieler aller Couleur tummelten sich bereits am frühen Morgen auf der jährlich stattfindenden Rollenspiel-Messe in Köln. Sie hatten die verschlafen dreinschauenden Äuglein früh geöffnet, um sich in fantasievolle Kostüme zu werfen. Auch die tapferen Redakteure eures Lieblingsmagazins waren zugegen und mussten zu Beginn erst einen Wurf auf Orientierungssinn machen. Zu viel gab es zu sehen, zu verwirrend war die große Zahl der beworbenen Rollenspiele. Wohin sollten wir unsere Schritte wenden?

Endzeit ist Trend

Eins wird uns schnell klar: Endzeit-LARP ist immer noch beliebt und die Anhänger des Genres in großer Zahl vertreten. Die Spieler agieren in einer kaputten Welt, unserer Erde nach dem großen Knall.

Fate

Foto: Carsten A. Dahlmann

Die Überlebenden bedienen sich der Relikte der alten Zivilisation und kämpfen mit allen Mitteln um das nackte Überleben. Benedikt, der das Endzeit-LARP fractal spielt, gehört zum Kult der Chronisten. Sein Kostüm hat er – wie viele andere Endzeitlarper auch – selbst aus Alltagsgegenständen gebastelt. „Endzeit ist eine Dystopie, keine heile Welt, in der hinterher alles wieder gut wird“, erklärt er. Ihn faszinieren die Abgründe, die sich im Spiel auftun können. „Menschen werden in extreme Situationen gebracht und es passieren auch Dinge, die einen erschrecken“, erklärt er.

Megabosch

Foto: Carsten A. Dahlmann

Gute Stimmung herrscht beim Endzeit-Lager von Fate, der größten europaweiten Endzeit-Con. „Endzeit ist absolut im Kommen. Die Zahl der Teilnehmer steigt jährlich um die 50 Mann. 700 Leute haben an der letzten Con teilgenommen. Vor drei Jahren waren es noch 400“, erzählt Patrick von der Orga. Und – das bemerken wir später – es herrscht eine barbarische Stimmung bei den Endzeit-Spielern. Kurz vor Ende der Messe brachten die „Rockstars der Apokalypse“ Megabosch die Menge mit Gitarren und einer Stripperin zum Kochen. Manch einem starrte der Hosenlatz, aber das gehört hier nicht hin.

Elben, Orks und Waldritter

Auf unserem Weg begegnen wir allen Kreaturen, die die Regelwerke so hergeben. Wunderschöne Elben und schmudellige Orks säumen unseren Weg, während wir die große Auswahl an Würfeln und Rüstungsteilen bewundern.

Foto: Carsten A. Dahlmann

Foto: Carsten A. Dahlmann

Mit Liebe betrachten wir kleine Häuser und Möbel, die das Rollenspiel sehr viel realistischer gestalten können. Am Stand der Waldritter erfahren wir mehr über den pädagogischen Nutzen des Liverollenspiels. Der Verein Waldritter e.V. ist deutschlandweit tätig und bietet Liverollenspiel für Kinder an. Natürlich wird dies von pädagogisch geschultem Personal durchgeführt. Das LARP für kleine Helden ist laut Broschüre „eine Mischung aus Schnitzeljagd, Waldquiz, Verstecken und Theaterspiel“. Auch klassischer Stoff wie das Nibelungenlied oder Schillers Die Räuber werden gespielt. „Kinder können sich noch mehr in die Geschichte hineinversetzen. „Das ist oft episches Rollenspiel“, sagt Waldritterin Jennifer. Am Stand gibt es auch eine Verlosung, die dem Verein zugute kommt. Wir kaufen zwei Lose, haben aber kein Glück. Es gibt aber einen Trostpreis. Bewaffnet mit einer kleinen Muschel und Glitzer verlassen wir die Szenerie.

Eine Begegnung mit dem Lord Commander James Cosmo

An einem Stand treffen wir auf den Game-of-Thrones-Star James Cosmo, der sogar bereit ist, einige Fragen zu beantworten.

James Cosmo

Foto: Carsten A. Dahlmann

Wir wollen von ihm wissen, ob er die Bücher zur Serie gelesen habe. „Nein, ich habe nur das Skript zu Serie gelesen. Ich wusste aber, was mit meinem Charakter passieren wird, weil es mir jemand erzählt hat“, berichtet der Schauspieler. (Der Lord Commander stirbt aufgrund von Verrat am Craster’s Keep). War er traurig, in der dritten Staffel aus der Serie auszusteigen? „Nein, ich mochte es sehr mitzuspielen und es hat großen Spaß gemacht, aber drei Staffeln sind genug.“ Favorisiert er ein bestimmtes Haus? „Nein, die Nachtwache ist schließlich neutral. Ich fände es aber gut, würde Jon Snow König werden“, sagt Cosmo lachend.

Musik und Mittelalter auf dem Außengelände

Auf dem Außengelände sehen wir einen riesigen Haufen Stände, wo der Freund des gelebten Mittelalters allerlei Speisen, Met und Kram erwerben kann. Auf einer Bühne spielen bekannte Musiker wie die Barden der Mittelalter-Schlagerband Schandmaul, aber auch noch unbekanntere und junge Bands.

Mythemia

Foto: Carsten A. Dahlmann

Wir lauschen der Medieval-Folk-Band Mythemia, einer Nachwuchsband aus Bielefeld, die gerade an ihrem ersten Album arbeitet. Sängerin Shilan Anderson hat nicht nur einen wohlklingenden Namen, sondern auch eine überaus ausdrucksvolle Stimme. Die Themen der Songs passen gut zur RPC. „Wir singen über Mythen, Geschichten und Märchen“, berichtet Shilan.

Wir hören eine Weile zu und pilgern dann zum Metstand, bis wir müde und zufrieden die Veranstaltung verlassen. Nächstes Jahr wollen wir wiederkommen, das steht fest.

Fantasy-Pub Voyager – Reise in ferne Welten und Zeiten

Ein Pub für Rollenspieler, Larper und Freunde des Mittelalters soll in der pittoresken Bonner Altstadt eröffnet werden. Eine gute Nachricht, denn die Auswahl an Kneipen, die dieses Angebot bieten, ist leider immer noch – trotz gestiegener Nachfrage – nicht sehr groß. Wuppermond hat mit der Archäologin Astrid Schröder gesprochen, die zusammen mit ihrem Geschäftspartner Kay Schildknecht diese heroische und längst fällige Unternehmung angeht.

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Grafik: Astrid Schröder

Die geplante Lokalität ist offen für Rollenspieler und Gamer aller Couleur. Erscheinen darf der Gast entweder im Magierkostüm oder in Jeans und Turnschuhen. „Wir planen keine Gewandungspflicht“, versichert Astrid. „Leute, die einfach nur Brettspiele spielen wollen, sind genauso willkommen wie Larper oder Cosplayer“, erklärt sie. Für das leibliche Wohl der Gäste sollen kleine Gerichte und Snacks sorgen. Interessant ist, dass auch – ganz unmittelalterlich – vegane Speisen zum Programm gehören werden. Für Freunde des gepflegten Alkoholgenusses jenseits des Mainstreams werden laut Astrid „untypische Biersorten sowie Met und Cider“ im künftigen Pub ausgeschenkt. „Aber kein Alt-Bier“, da sei ihr Partner Lokalpatriot und stelle sich quer. Aber wen kümmert das schnöde Bier, wenn es verschiedene Gewürzweine und Metsorten an der Theke gibt? Regelmäßige Wein- und Met-Proben sollen den alkoholischen Horizont des Publikums erweitern.

Bevor der Pub der Herzen eröffnet werden kann, stellt sich allerdings noch die Frage der Finanzierung. Diese wird zum Teil mit Eigenkapital sowie mit privaten Investoren gestemmt. Da dies aber noch nicht ganz ausreicht, haben Astrid und Kay eine Aktion auf der Crowd-Fundraising-Plattform www.indiegogo.com gestartet. 50. 000 Euro sollen dort bis Ende November zusammenkommen, damit die Lokalität im Frühjahr 2014 ihre  Pforten öffnen kann. Die Redaktion von Wuppermond wünscht viel Erfolg!

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