„Charmant kaputt“ – Die Dokumentation „Heimatabend: Wuppertal“ des WDR in der Preview

Elberfeld 1855

Elberfeld 1855

Der Mendelssohn-Saal der Stadthalle Wuppertal war gut besucht. Gute 120 Menschen waren der Einladung des WDR gefolgt und wollten sehen, wie ihre Stadt, ihr Wuppertal, durch die Augen der Autorin Marika Liebsch verfilmt wurde. Einen fünfstündigen Film hatte sie erstellt, den sie auf eine Stunde herunterschneiden musste. Anfangs, so sagt sie, war sie gar nicht begeistert, von Wuppertal zu erzählen, doch mit der Arbeit begann die Faszination – oder wie es die ehemalige Oberbürgermeisterin Ursula Kraus im Film ausdrückt: „In Wuppertal verliebt man sich erst auf den zweiten Blick.“  Der geplante Beginn der Ausstrahlung verzögerte sich, denn um 19.40 Uhr musste das Team der Lokalzeit Bergisch Land noch eine Live-Schalte in den Saal machen, doch dann – das Kamera-Team baute unter Applaus schnell das Equipment zusammen – ging es los:

Die Stimme des leider abwesenden Christoph Maria Herbst, einem Wuppertaler, erzählt von der Stadt mit dem Image-Problem und der Schwebebahn. Ausgehend von dem ältesten Filmmaterial, das man über die Stadt finden konnte, wird die Geschichte Wuppertals von den 1920er Jahren an bis in die Gegenwart erzählt. Was für viele jüngere Wuppertaler und Zugezogene merkwürdig klingen mag, ist wohl, dass die beiden Großstädte im Tal der Wupper prosperierende Zentren der Region waren. In Elberfeld traf man sich zu Kunstveranstaltungen, in Barmen wurde produziert. Beide Städte profitierten voneinander und bauten sich so gegenseitig auf.

Im Film werden die historischen Bilder und Geschichten immer wieder durchaus gekonnt von Einschüben in die Gegenwart unterbrochen. Wuppertal ist die grünste Großstadt Deutschlands. Man muss im Prinzip keine 10 Minuten gehen, um auf eine Grünanlage zu treffen, so heißt es. Darüber hinaus aber ist der Film durchtränkt mit Pathos. Bedeutungsschwanger werden Sätze formuliert wie: „Wuppertal lebt von den Wuppertalern.“ Ein Satz, der ohne Probleme auch für Köln, Hamburg und München, aber auch für Ulm, Paderborn oder Hameln Geltung haben dürfte. Als ob Städte ohne ihre Bürger einen Charakter hätten.

Sieht man von derlei Albernheiten ab, kann man sich mit dem Film durchaus vergnügen. Schnell werden die 20er und 30er Jahre abgehandelt und man hat durchaus ein beklemmendes Gefühl, sieht man das Elberfelder oder das Barmer Rathaus mit den Hakenkreuz-Fahnen der Nationalsozialisten verhängt, denn Wuppertal war eine Hochburg der Nazis und gleichzeitig eine Arbeiterstadt. So verwundert es nicht, dass man die Sozialdemokraten und Sozialisten 1933 schnell in eines der ersten KZs Deutschlands, in das KZ Kemna, schickte, das allerdings nach sieben Monaten schon wieder geschlossen wurde, lag es doch zu nah an der Stadt. Der Krieg und die Bomben im Mai 1943, die auf Barmen abgeworfen wurden, werden im Film ebenso thematisiert, wie das Leben in der zerstörten Stadt. Die Kindheitserinnerungen Ursula Kraus’ und der Schauspielerin Lote Duwe ergänzen die Aufnahmen Wuppertals nach dem Bombenangriff. Sie erzählen von ihrer Zeit im Bunker ebenso wie von der Bettelei nach dem Ende des Krieges, in dem auch die Schwebebahn zerstört wurde. Im April 1946 aber fuhr sie wieder, wie es der Film erzählt, der daraus den Schluss zieht, dies sei ein starkes Symbol für die Wuppertaler gewesen.

Dem Film merkt man an, für welches Publikum er gemacht worden ist. Die in die Jahre gekommenen Babyboomer, die Zielgruppe des WDR, werden sich freuen, ihre Kindheit, Jugend und aktive Erwachsenenzeit im Film zu erleben. Die Geschichte von Tuffi, dem Elefanten, der aus der Schwebebahn in die Wupper sprang, wird erzählt und vor allem bebildert. Auch wenn der Sprung selber nie fotografiert wurde, so gibt es doch Filmaufnahmen, wie der Elefant aus der Wupper geholt wird. Bereichert wird die Geschichte durch ein Werbevideo der Tuffi-Milchwerke, die ihren spritzigen Kefir vorstellen, der genauso spritzig sei, wie Tuffi, die spritzig in die Wupper gesprungen sei. Bei dieser Szene lachte das Publikum und man darf hoffen, dass sie dem Fernsehschnitt nicht geopfert wird, da der Film bei seiner Ausstrahlung statt einer Stunde nur 45 Minuten laufen wird.

Auch der Fußball fehlt nicht. Der WSV stieg in den 1960er Jahren in die 2. Bundesliga auf und schaffte 1972 den Schritt in die erste Liga. Die Freude der Wuppertaler damals gipfelte in eine Fehlinvestition der Stadt – eine Wendeanlage an der Schwebebahnstation Zoo/Stadion. Sie wurde gebaut, um die Besucher des Stadions schneller zu den Spielen zu bringen, scheiterte aber nicht nur daran, dass sie zu langsam war, sondern auch am baldigen Abstieg des WSV.

Die Kultur nimmt im Film eine große Rolle ein. Die Anfang der 1970 Jahre begonnene Intendanz von Arno Wüsterhöfer, der 1973 die Tänzerin Pina Bausch zur Leiterin des Tanzensembles machte und somit für Kontroversen ganz eigener Art sorgte, findet ebenso Erwähnung wie die Eröffnung der Gesamthochschule Wuppertal 1972, aus der die Bergische Universität hervorgegangen ist. Ihr Bau ist alleine dem Entschluss des damaligen Wissenschaftsministers Johannes Rau zu verdanken, sollte doch ursprünglich keine Universität für Wuppertal geplant werden. Der politische Teil der Dokumentation beschränkt sich dann auch auf das Wesentliche: Johannes Rau, Ursula Kraus und der Besuch Erich Honneckers 1988 am Engelshaus, der zum Aufeinandertreffen von Udo Lindenberg mit dem Staatschef der DDR führte, finden Erwähnung.

Und da liegt auch das Problem der Dokumentation: Sie ist eindeutig darauf getrimmt, ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Es geht darum, die Menschen in Wuppertal zu rühren. Strukturwandel und politische Fehlentscheidungen werden nicht verschwiegen, sie werden erwähnt und umgewandelt in eine Erzählung der Eigenständigkeit der Bürger, des Engagements der Wuppertaler selbst. Wenn etwas schief läuft, kommen die Wuppertaler schon voran und wieder auf die Beine. Mit den Worten des Street-Art-Künstlers Megx alias Martin Heuwold: „Wuppertal ist charmant kaputt.“ So wird eine Erzählung geschaffen, in der es nichts Negatives gibt. Die Aussagen Michael Okroys in der anschließenden Diskussionsrunde bilden dazu ein wunderbares Korrektiv, wenn er dann doch die Reibungspunkte und Ärgernisse anführt, die ihn an der Stadt ärgern. Der Film selbst aber lässt diese Probleme unter einer Melange aus Pathos und Harmonie verschwinden und erzählt dann lieber von der Nordbahntrasse, an der sich die größte Parkouranlage Europas befinden soll, oder der Tatsache, dass Wuppertal die Stadt ist mit dem größten zusammenhängenden Altbaugebiet Deutschlands. Der Film soll eine Werbung sein für Wuppertal und er soll die Wuppertaler rühren. Schaut man auf die Reaktionen, die er im Publikum bei der Preview auslöste, hat er das gut geschafft. Es bleibt nur die Frage, ob ein Dokumentarfilm das soll.

Heimatabend Wuppertal, am 10 Oktober 2014 im WDR. Mehr Informationen unter http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/dokuamfreitag/sendungen/heimatabend-wuppertal102.html

 

 

Filmbesprechung: The World’s End – Anti-Held rettet die Welt

Zwölf Pubs wollen Gary King (Simon Pegg) und seine vier Freunden Andy (Nick Frost), Steven (Paddy Considine), Oliver (Martin Freeman) und Peter (Eddie Marsan) besuchen und in jedem von ihnen ein Bier und vielleicht noch einen Shot genießen. Nachdem sie die ersten elf besucht haben, wollen sie in berühmten Pub „The World´s End“ einkehren und das finale Bier bezwingen. Kann man seinen Schulabschluss würdiger feiern als mit dieser „Goldenen Meile“? Es soll die Nacht ihres Lebens werden. Leider schaffen sie es nur Pub Nummer acht und so vollenden sie ihr Vorhaben an diesem legendären Abend nicht.

21 Jahre später. Nach einem Selbstmordversuch ist Gary in der Psychiatrie gelandet. Er hat keine Freunde mehr, keinen Job und kein Leben. Er existiert nur noch in der Vergangenheit und hütet die Reliquien seiner Jugend. Da kommt ihm die Idee , dass er seine goldene Meile vollenden wird, um wenigstens eine Sache im Leben vollbracht zu haben. Dafür benötigt er jedoch die Hilfe seiner ehemaligen Freunde, die jedoch inzwischen verheiratet, selbstständige Unternehmer oder erfolgreiche Rechtsanwälte sind. Diese sind weder von seinem Auftauchen, noch von seiner Idee begeistert. Mit Beharrlichkeit und der einen oder anderen Notlüge, überredet er sie letztendlich. Leider verläuft alles anders als geplant. Seine Freunde stehen zu fest im Leben und haben kein Interesse mehr an Teeniestreichen und Besäufnissen und auch der Ort ist nicht mehr das was er mal war. Plötzlich ändert sich jedoch alles.  Seltsame Wesen haben den Ort überrannt und drohen die Welt zu übernehmen. Nur Gary und seine Freunde stehen zwischen Ihnen und dem Ende der Menschheit. Das Finale wird im „World´s End“ entschieden.

Der dritte Film des Duos Pegg und Frost beendet die Cornetto-Triologie, die mit Shaun of the Dead begann und mit Hot Fuzz fortgesetzt wurde. Das Thema des allein gegen eine Übermacht stehenden Mannes, der gegen eine Horde von Gegnern angehen muss, wird auch dieses Mal zentral behandelt. Waren es im ersten Teil Zombies und im zweiten ein Dorf voller Killer, sind es dieses Mal Aliens die die Menschen manipulieren und kontrollieren. Teilweise erinnert der Film an Genreklassiker wie „Die Dämonischen “ (1956) oder „Invasion vom Mars“ (1953), wo ebenfalls Außerirdische eine Stadt infiltrieren und die Menschen durch eine Art Sklave ersetzen. Auch andere Science-Fiction Klassiker wie „Der Tag an dem die Erde stillstand“ (1951) war offensichtlich Pate für einige Szenen.

Genrefans werden also hervorragend bedient, aber auch die Freunde von britischen Komödien und Actionfans kommen nicht zu kurz. Beginnt der Film als tragikomisches Drama, entwickelt er sich schnell zu einem Actionstreifen mit richtig guten Martial-Arts Einlagen. Auch dabei kommt der Humor nicht zu kurz: Es vergeht eigentlich kaum mal eine Szene, in der man nicht lachen oder schmunzeln muss. Das wird von den grandiosen Darstellern unterstützt. Simon Pegg und Nick Frost harmonieren hervorragend, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass sie schon seit 2001 regelmäßig miteinander vor der Kamera stehen. Neben ihnen agieren hochkarätige Schauspieler wie David Bradley (bekannt durch die Rolle des Walder Frey in Game of Thrones) , Pierce Brosnan (James Bond) oder Martin Freeman (Bilbo aus „Der Hobbit). Eine gute Regiearbeit und sehr gut aussehende Special Effects tun ihr Übriges. Gelungen ist auch die für Pegg und Frost typische Sozialkritik und die Persiflage auf die englische Gesellschaft.

Insgesamt ist „The World´s End“ ein mehr als gelungener Film, der eine große Anhängerschaft gewinnen dürfte. Ein würdiger Abschluss einer hervorragenden Trilogie und eine echte Empfehlung! Unbedingt anschauen!!!

Wolverine: Der Weg des Kriegers

Wolverine ist eine der beliebtesten Figuren des Marvel Universums. Er steht für Action, Dramatik, aber auch für Tragik und Verlust. Seit dem Film „X-Men“ wird dieser vielschichtige Charakter von Hugh Jackman verkörpert. In dem neuesten Streifen des Franchises „Wolverine: Weg des Kriegers“ mimt er diesen Charakter nun zum insgesamt sechsten Mal. Um die Rolle möglichst realistisch zu verkörpern, trainierte Jackman viele Monate um Wolverine ein angemessenes Aussehen zu verschaffen: „Ich empfand es als wichtig, dass Wolverine schlank ist, Venen und Muskeln sieht. Er muss einfach stark wirken. Ich wollte immer, dass den Leuten beim Anblick Wolverines ein „Wow!“ über die Lippen kommt“, sagte Jackman während eines Interviews. Um diesem Charakter auch ein neues Gesicht zu geben, trainierte Jackman über viele Monate diverse japanische Kampfkünste wie Ninjutsu oder Karate. Das Image von Wolverine sollte sich ändern, vom  einfachen und brutaler Kneipenschläger zum ausgebildeten Krieger.

Kennern der japanischen Kultur verrät schon der Filmtitel einiges. „Der Weg des Kriegers“ ist eine praktisch wortwörtliche Übersetzung des japanischen Wortes „Bushido“, dass heute allgemein für die Samurai oder auch die japanischen Kampfkünste benutzt wird.

Somit ist der Ort des Geschehens  klar: Japan. Der Film beginnt mit einer Szene aus dem zweiten Weltkrieg. Logan (Hugh Jackman) wird in einem kleinen Loch gefangen gehalten, in dem japanischen Lager herrscht Aufruhr. Der japanische Soldat Shingen (Hiroyuki Sanada) öffnet sein Verlies und schreit ihn panisch an, dass er sein Gefängnis verlassen soll. Kurze Zeit später bricht das Inferno über die kleine benachbarte Stadt Nagasaki los. Logan rettet den Soldaten, welcher ihm daraufhin ewige Dankbarkeit schwört. Über 60 Jahre später sieht man Logan als schmutzigen Streuner, der ungepflegt durch die Wälder streift. Einsam, von Alpträumen seiner ehemaligen Geliebten Jean Gray (Famke Janssen) verfolgt, fristet er ein Dasein, dass von Hass und Trauer getränkt ist. Er ist es Leid das ewige Leben, das immerwährende Verlieren seiner Lieben und die damit verbundene Bitterkeit. Nach einer Kneipenschlägerei lernt er die Japanerin Yukio (Rila Fukushima)kennen, die im Auftrag des inzwischen todkranken japanischen Soldaten unterwegs ist, den Logan einst rettete. Sie soll ihn nach Japan bringen, wo er von Shingen ein verlockendes Angebot bekommen wird. Er will ihn vom Fluch der Unsterblichkeit befreien.

 

„Wolverine: Der Weg des Kriegers“ bietet eine durchweg interessante Story mit vielen Wendungen. Sie basiert auf einem vierteiligen Comic aus den 80er Jahren, das von dem Autor Chris Claremont und dem Zeichner Frank Miller (Sin City, The dark Knight) erschaffen wurde. Gewöhnungsbedürftig ist die Entscheidung des Regisseurs James Mangold (Walk the Line, Todeszug nach Yuma), aus dem Film keinen klassischen Superheldenfilm zu machen, sondern einen handfesten Thriller. Tatsächlich spielen die üblichen Mutanten und deren Kräfte praktisch keine Rolle. Wolverines Verwundbarkeit und die primär menschlichen Gegner sorgen für ein echtes Thrillergefühl. Logan wird regelmäßig verletzt und wird somit von Szene zu Szene schwächer. Dieses ist eine Stärke des Films, denn mit der Schwäche Wolverines, wird sein Charakter böser, düsterer und gewalttätiger als jemals zuvor. Lediglich am Ende darf ein kleiner Mutanten-Showdown nicht fehlen, als „Viper“ (Svetlana Khodchenkova) gegen Logan und seine neugewonnenen Freunde antritt. Dort darf dann auch riesiger Adamantium-Samurai mitmischen. Ansonsten sehen wir eine klassische Yakuza- und Ninjastory. Japans auf uns teilweise skurril anmutende Gesellschaft wird dabei hervorragend dargestellt. Die Mischung als klassischer Tradition und modernster Technik wird exzellent eingefangen. Dabei werden auch viele Anspielungen auf klassische Samurai-Filme, wie z. B. der Serie „Shogun“ mit Richard Chamberlain gemacht.

 

Natürlich stimmt auch die Action, auch wenn es nur relativ wenige Actionszenen gibt, diese jedoch sehr ausführlich und spektakulär ausfallen. Positiv fällt dabei auf, dass auf die heutzutage inflationär gebrauchte „Wackelkamera“ fast vollständig verzichtet wurde.

Auf eine andere, moderne Filmtechnik wurde leider nicht verzichtet: 3D. Zwar ist der Film in echtem 3D gedreht und auch jede Szene ist wirklich sehr plastisch zu sehen, aber die großen Szenen die diese Technik so spektakulär macht und Filme wie „Der Hobbit“ oder „Avatar“ unterstützten, fehlen hier. Hoffen wir, dass diese Unsitte bald verschwindet.

Insgesamt ist der neueste Streifen aus der Marvelschmiede sehr sehenswert und übertrifft den ersten Spin Off des X-Men Franchises. Zwar kommt er nicht an die X-Men Triologie oder auch der Fortsetzung „X-Men – First Class“ heran, aber er ist ein sehr guter, spannender Film mit einer komplexen und gut durchdachten Story. Empfehlung! Der Dreh des nächsten Teiles hat bereits begonnen.

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