Kyoll – Apokalyptische Endzeitmusikanten

Kyoll

Foto: Nicole Paul

Ich bekam eine Einladung der besonderen Art. Kyoll, die Endzeitmusiker aus dem Kölner Wasteland empfingen mich für ein Interview. Da mich die Band bereits in der Vergangenheit sehr beeindruckt hat, möchte ich sie nun vorstellen.

Kyoll, das sind der apokalyptische Teufelsgeiger Tybalt Bischoff, der Dudelsack- und Drehleierspieler und Wörterschmied Gordon Stahl sowie das neue Bandmitglied General Rabbit, der Düstersänger. Abgefahren sehen sie aus. Die Bühnenoutfits der dreiköpfigen Band sind ein Stilmix, der sich auch in ihrer Musik widerspiegelt. Ein bisschen Punk, ein wenig Gothic, gepaart mit dreckigem Grün und fratzenhaft geschminkten Gesichtern.

Tybalt der Teufelsgeiger erklärt mir bei einem Bier, was für ihn Endzeit bedeutet. Für ihn ist Endzeit eine Fiktion, ein Gedankenspiel, was von unserer Zivilisation nach dem Supergau übrig bleibt. Es bleibt ein verwüstetes anarchistisches Land, wo jeder auf sich selbst gestellt ist oder sich in kleinen Gruppen zusammenfinden muss. Dieses Szenario stellt Tybalt optisch und musikalisch auf eine morbide Art dar, mit der Geige als Interpretationsmittel.
„Die Endzeit ist ein maßgeblicher Einfluss sowohl in textlicher als auch musikalischer Hinsicht. Düstere Anekdoten, harte Sprache – Tales from the wasteland sozusagen.“ Die Musik passt sich diesem Szenario an. „Im musikalischen Bereich ist der Sound natürlich nicht so glattgebügelt wie bei herkömmlichen Produktionen. Wir haben Spaß am Verranzen der Synthies und Samplen von schrottig klingenden Drumsets. Auch die Instrumentalparts erzeugen häufig durch ungewöhnlich klingende, teilweise atonal anmutende Mehrstimmigkeit eine mal erdrückende, mal aggressive Stimmung“, erzählt Tybald. In Gordons Texten finden sich alltägliche Situationen und Skandale des 21.Jahrhunderts wieder, die in der fiktiven Endzeitwelt in ein neues und manchmal auch positives Licht gerückt werden.

Kyoll

Foto: Nicole Paul

Gordon und Tybald kommen aus der Mittelalterszene, was erklärt, dass sie Instrumente wie Leier und Dudelsack nutzen. Elektronische Beats untermalen den mittelalterlichen Sound der Instrumente, denn auch dieses scheint in einer Endzeitwelt möglich zu sein. Der aus der Gothicszene kommende General Rabbit ist der Sänger der Apokalyptiker. Düster prophezeiend und in gebeugter Haltung singt er die vorwiegend deutschen Songs wie Mären aus einer alten Zeit der Fülle, der Kriege und des Kapitalismus.

Alles in allem ist Kyoll eine geniale, stimmungsvolle und beatstarke Band mit Gothic- und Mittelaltereinflüssen. Man merkt den Bandmitgliedern an, dass sie keine Neulinge als Musiker sind. Alle drei haben noch weitere Musikprojekte. Der General singt bei Rabbit at War, während Tybalt die Geige bei Man and the Mirror spielt und die musikalische Leitung des Ensembles Trobadors inne hat. Gordon ist außerdem in diversen Mittelalter-Projekten, die gerade gegründet werden, involviert. Tybalt und Gordon arbeiten darüber hinaus zur Zeit an einem neuen Trio mit dem Namen Nordmani. „Stilistisch wird es eine Symbiose aus nordisch beeinflusstem Folk und Mittelalter“, erzählt der Teufelsgeiger.

Noch etwas bleibt zu berichten: Die Band Kyoll hat auch zusammen mit dem Atelier Vladi ein eigenes Bier entwickelt: Ein grünes Gerstengebräu namens Beryllium-Bier. Eine große Foto-Werbekamagne mit bizarren Bildern läuft weiter an. Gerne könnten sich dafür noch Leute bewerben. Kontakt über die Homepage www.kyoll.de.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und mehr Visuelles und Akustisches über Kyoll erfahren möchte, der kann sich auf ihrer Homepage umschauen.

Eine Wuppertalerin auf Reisen – die Dutch-Steampunk-Convention in Meppel

Eine Expedition zur Dutch-Steampunk-Convention in Meppel (NL) vom 26.07.-28.07.2013

Zum dritten Mal mache ich mich mit meinem Partner, VW Bulli und viel Gepäck auf dem Weg zum gemeinsamen Steampunk-Expeditonslagern. Diesmal geht es in die Niederlande zur Dutch Steampunk Convention in Meppel.

Ein kleiner Exkurs für den Nichtsteampunker:

Dargestellter Steampunk orientiert sich an den literarischen Zukunftsvisionen des Jules Verne (*1828-1905) gepaart mit den Stilen des viktorianischen Zeitalters. Die Steampunker nutzen eine Menge Möglichkeiten sich kreativ auszuleben, Kleidung zu gestalten, Gerätschaften umzubauen und sich so kleiden, sodass sie in die dargestellte Zeit passen. Dampfmaschinen stehen im besonderen Fokus der Beliebtheit. Im Word-Wide-Web findet man eine Menge Bilder und Informationen über das Genre Steampunk. Sehr informativ sind die deutschen Seite www.clockworker.de oder www.steampunk-expeditionen.de.

 

Lola+Dick

Am frühen Freitagnachmittag treffen wir in Meppel ein. Es ist heiß und wir bauen unser Lager im Schweiße unseres Angesichts auf. Sieben weitere Personen unseres Steampunk-Expeditionslagers sind ebenfalls dabei. Es dauert ein paar Stunden, bis endlich alle Saharazelte und Pavillons aufgebaut sind und alle Dekorationen an ihrem Platz hängen, stehen und liegen. Das Ambiente ist sehr stimmungsvoll.  Neben einzelner Lagerdekoration ist unser Teezelt im Stil der damaligen „Opium-Höhlen“ gehalten: Orientalisch-mystisch anheimelnd mit Samowar, hübschen Teegläsern und Shi-Sha, vielen Kissen, Teppichen, Tüchern und hängenden Kerzenhaltern. Genau das Richtige, um hier lange zu verweilen. Hier kann man sich zurücklehnen, Tee trinken und Shi-Sha rauchen und so in eine neo-viktorianische Welt der Phantasie eintauchen.

Unser Bulli wurde derweilen ebenfalls so umgestaltet, dass er als neuzeitliches Fahrgerät nicht mehr erkennbar ist. Mein Partner und ich stellen Luftschiffpiraten dar, die im vorderen Teil des Bullis  die Schreibstube des Navigators eingerichtet haben. Hier gibt es neben Zirkel, Kompass und Kartenmaterial des sagenumwobenen Landes „Schlaraffia“ auch einen Sextanten zu bewundern. Ich selbst ziehe mich nun um und schlüpfe in die Rolle der mittellosen Schauspielerin und Tänzerin Lola Wellington aus Whitechapel des viktorianischen Londons, die sich Dick Dynamit, seines Zeichens Luftschiffpirat und Gentleman-Ganove, angeschlossen hat. Gemeinsam wollen wir die Welt entdecken, Gold und Silberschätze finden und berühmt und berüchtigt werden. Das Expeditionsteam ist daher für solche Aktivitäten eine optimale Gemeinschaft. Hier finden sich Archäologen, Schatzsucher, Abenteuer und Entdecker, die den Besuchern den Geist der Pioniere der viktorianischen Zeit näher bringen möchten. Nachdem wir gemeinschaftlich gegrillt haben, lassen wir den Sommerabend mit einem Konzert der Wuppertaler Steampunk-Newcomer-Band „Argonautica“ ausklingen.

 

KaptainsSchreibstube

 

Am Samstag beginnt der Tag mit gefühlten 38 Grad. Das Festival ist für die Besucher ab 11 Uhr geöffnet. Geschwind frühstücken und einen Kaffee trinken, schnell in die Gewandung schlüpfen, alles wieder an den rechten Platz zurück räumen und schon sind wir bereit für einen langen Tag.

Wir verbringen die Zeit damit, die Besucher zu animieren und ihnen unser Lager und das Genre Steampunk näher zu bringen. Später nehmen wir uns die Zeit, ein wenig das weitere Festivalgeschehen zu erkunden. Schließlich muss die Expedition erfolgreich sein.

Wir entdecken viele weitere Aussteller und Darsteller, die sich nicht nur dem Steampunk verschrieben haben. Es gibt ein Mittelalterlager mit Tunierplane, Pferden und beeindruckenden Waffenlager. Auch die Live-Rollenspieler haben ihren eigenen Bereich, wo sie mit Latexwaffen den Kampf üben und sich um die Kinder der Besucher und Aussteller kümmern. Natürlich gibt es viel für das leibliche Wohl. Speis und Trank sind zu genüge anzutreffen, wobei Eis und Waffeln hoch im Kurs stehen. Ein großer Bereich mit Verkaufsständen lädt zum Bummeln ein. Dort gibt es eine Menge hübscher Dinge von selbst designten Kleidungsstück bis hin zum Blick in die Zukunft durch eine Kartenlegerin zu erwerben. Hinter einem alten rietgedeckten Haus befindet sich eine kleine Bühne unter schattenspendenden großen Bäumen. Aus Strohballen sind halbkreisförmige Sitzreihen für die Besucher vor der Bühne angelegt. Musiker und Künstler unterschiedlicher Bereiche präsentieren dort einen Ohrenschmaus aus verschiedenen Bereichen wie Pagan-Folk, Rock, Singing-Song-Writer und Klassik.

 

Lagebericht

 

Am Nachmittag ereilt uns eine kleine Katastrophe. Ein nahendes Unwetter lässt den Wind auffrischen und die Tücher unseres orientalischen Pavillons auffliegen. Leider wird der Samowar, der mit Petroleum und Feuer Teewasser und Tee warm hält, umgestoßen. FEUER!! Plötzlich steht der Teppich in Flammen! Aus dem Augenwinkel sehe ich die Flammen lodern. Doch schon sind unsere netten Nachbarn und Mitglieder unseres Lagers Vorort und ziehen das brennende Desaster aus dem Pavillon heraus. Schnell wird eine Decke hinüber geworfen und der Brand gelöscht. Gleichzeitig beginnt es in Strömen zu regnen. Ich rette, was noch zu retten ist. Doch die Zerstörung ist nicht so schlimm wie befürchtet. Bis auf drei zerbrochene Teegläser und das Innenleben des Samowars ist nichts weiter kaputt gegangen. Das hätte böse enden können. Es wurde niemand verletzt, das ist die Hauptsache. Wir lernen: Wir werden vorsichtiger sein!

Nach Feuer kommt Wasser. Das Unwetter ergießt sich förmlich über das Festival. Schnell packen wir alle Dinge, die nicht nass werden dürfen in Bulli und Zelte und suchen uns ebenfalls ein trockenes Plätzchen. Nachdem sich der Wettergott über uns ausgelassen hat, wird wieder hinaus geräumt und dekoriert. Das Leid eines Expeditionsteams. Wir öffnen eine Flasche Met und stoßen auf den Schock an und freuen uns, dass alles so glimpflich abgelaufen ist. Daraufhin wird gemeinsam gekocht. Wir nennen es Ambiente-Kochen, da alles an einer Feuerstelle geschieht. Doch diesmal haben wir gemogelt: Es ist ein Gaskocher dabei. Doch das aufwendige Menu benötigt eine solche Modernität. Es gibt Rollbraten mit Wokgemüse und Reis. Lecker! Queen Viktoria und der alte Kaiser Wilhelm hätten uns beneidet.

Wieder beruhigt vom Schock der Geschehnisse essen wir gemütlich alle zusammen und stehen den Besuchern noch bis 23 Uhr zur Verfügung. Danach klingt der Abend aus und wir sind total K.O..

Am Sonntag hat es sich abgekühlt und die Temperaturen klettern nur noch auf 25 Grad. Wir freuen uns, nicht wieder so sehr in unserer Gewandung zu schwitzen. Heute stehen wir den Besuchern noch bis 19 Uhr zur Verfügung, werden dann abbauen und Richtung Heimat verschwinden.

Die Besucher sind sehr interessiert an unserer Auslage. Mein Partner Dick Dynamit und ich haben einige Sache selbst gebastelt und sie zum Verkauf ausgestellt. Sonntags ist immer ein guter Tag für den Verkauf. Wir hoffen, somit unser Spritgeld wieder herein zu bekommen. Dick Dynamit hat Deko-Steinschuß-Pistolen mit Zahnrädern, kleinen Rohren usw. umgestaltet und lässt somit Männer und Jungenherzen höher schlagen. Die Deko-Waffen sind sehr begehrt. Doch der Verkauf läuft schleppend, aber die Leute sind lustig und lassen sich auf unser Charakterspiel ein. Auf holprigen mit Händen und Füßen unterstützen Englisch bringen wir auch unsere niederländischen Nachbarn zum Lachen.

 

Am Abend sind wir trotz eines wundervollen Wochenendes glücklich, die Segel zu streichen, das Lager abzubauen und die Expedition als erfolgreich im Logbuch einzutragen! Ich kann jedem nur empfehlen, ein Festival dieser Art zu besuchen. Besonders die Niederländer sind herrlich verrückt und lassen sich auf jeden Spaß ein. Diese kann man nicht nur an ihren ausgefallen Kostümen bewundern!

Wir fahren nun nach Hause, tauschen die Sachen aus, schlafen den Schlaf der Gerechten im eigenen Bett. Und – eine weitere Reise steht an. In Kürze reisen wir nach Brokeoloh in Niedersachsen ins ferne Mythodea!

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