Knochen und Symbole – Die Ausstellung „Wildes Westfalen“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne

Was macht man eigentlich, wenn man ein Landesmuseum für Westfalen ist, über zu wenig Geld verfügt und dennoch einen verstorbenen Forscherkollegen mit einer Ausstellung ehren möchte? Antwort: Man überläßt das Eintrittsgeld für eben diese dem Ermessen der Besucher.

Wer die Ausstellung „Wildes Westfalen“ im Archäologiemuseum in Herne besucht, erlebt an der Kasse genau diese Überraschung. Die Karte wird gedruckt, bezahlen muss man nicht, aber man wird darauf aufmerksam gemacht, dass man gerne in das Schwein ein paar Euro werfen darf, wenn einem die Ausstellung gefallen hat. Die Ausstellung ist diesmal nicht in der großen Halle untergebracht, sondern in der kleinen am unteren Ende des Museums. Entsprechend wenige Exponate sind anzutreffen. Aber diese reichen auch vollkommen aus. Hier ist es nicht die Masse, die beeindruckt, sondern die Klasse – wenn auch mit kleinen Abstrichen.

Der 2014 verstorbene Münsteraner Archäologe Torsten Capelle widmete sich in seinem letzten Forschungsthema den Tieren in der Archäologie und hatte kurz vor seinem Tod seine Vorstudien zum Thema an das Museum übergeben. Schon vorher stellte Capelle immer wieder Bücher aus seiner Bibliothek der des Museums zur Verfügung, damit diese dort einen weiteren Nutzen fanden. Es überrascht also wenig, wenn die Ausstellung nicht nur Capelles letztes Thema aufgreift, sondern sein Name auch als Autor auf dem Katalog steht und die Ausstellung selber mit einer Tagung zu seinen Ehren begann.

Was aber kann man eigentlich sehen? Das Konzept der Ausstellung bedient sich einem Mittel, das seit den letzten Jahren oftmals in wissenschaftlichen Museen zu finden ist. Die Ausstellungsmacher probieren, unterschiedliche Dinge in einen Dialog zu bringen. Schon in der Ausstellung „Aberglaube“ war das LWL-Museum in Herne dieser Idee nachgegangen und hatte moderne Kunst und archäologische Fundstücke nebeneinander gezeigt. In der aktuellen Sonderausstellung sind es Bilder des NABU Herne, die den archäologischen Fundstücken einen Rahmen geben. So lachen einen wiehernde Pferde aus, beobachten einen überlebensgroße Froschaugen und ein Elefant wurde beim Entleeren seines Darmes, was ihm sichtlich Freude bereitet, festgehalten. In den Bildern wechseln sich heimische und exotische Tiere ab. Löwen, Elche, Hunde, Katzen, Schlangen und anderes Getier werden in einzelnen Vitrinen vorgestellt. Das Museum hat sein Magazin und seine Dauerausstellung durchsucht, andere Exponate angefragt und so viele Ausstellungsstücke zum Thema „Tier“ zusammengestellt. Neben Tierknochen in bearbeiteter und unbearbeiteter Form werden Schmuckstücke und Gebrauchsmaterial aus vorgeschichtlicher Zeit bis in das Mittelalter hinein gezeigt.

Das älteste von Menschen gemachte Exponat der Ausstellung ist wohl ein Faustkeil aus dem Mittelpaläolithikum, der aus dem Knochen eines Mammuts geformt und im Kreis Borken gefunden wurde. An ihm zeigt sich beispielhaft die Fertigkeit der so oft verunglimpften Steinzeitmenschen, aus nahezu jedem Material Werkzeug herzustellen. Unwesentlich jünger sind die Harpunen aus Hirschgeweih, mit denen Seetiere gejagt wurden und die aus dem Kreis Paderborn den Weg nach Herne gefunden haben. Zum Maskottchen der Ausstellung wurde hingegen ein bronzener Eber, in dessen vergrößertes Abbild der Besucher seine Spende einwerfen darf. Der Eber stammt aus dem Kreis Soest, ist keine zehn Zentimeter lang und weist vor allem im Gesicht zahlreiche Details auf, die klar machen, wie sehr dem eisenzeitlichen keltischen Gießer an diesem Tier gelegen war. Dem frühen Mittelalter entstammt ein kleiner Anhänger aus Borken. Das Tier selber ist nicht zu identifizieren und kann sowohl eine Ente als auch ein Löwe oder ein Drache sein. Ähnliches gilt für einen Tierkopf des hohen Mittelalters, der auch aus dieser Gegend stammt. Der Besucher steht davor und fragt sich mit den Forschern gemeinsam: Drache oder Löwe? Einer der jüngsten Funde stammt aus dem Höxter des 13. Jahrhunderts. In den Ruinen eines abgebrannten Fachwerkhauses fand sich eine Riemenschnalle, die einen Löwen zeigt. Nun ist der Löwe seit dem Altertum ein Zeichen für Kraft und auch Majestät. Was sagt demnach eine solche Schnalle über den Träger aus?

Das ist das Interessante an der Herner Ausstellung: Sie bietet wenig Antworten und wirft umso mehr Fragen auf. Der Besucher steht vor lauter kleinen Rätseln, die seine Fantasie ansprechen können. Dazu passt die Aufgabenecke, die für die kleinen (und großen) Besucher gemacht ist. Auf den Spuren eines Tieres übt man sich im Fährten lesen. So kann man durch Streicheln, Hören und das Untersuchen (künstlicher) Ausscheidungen von Tieren probieren, dieses zu identifizieren.

 

Wildes Westfalen – „Tierische“ Fotos und Funde im LWL-Museum für Archäologie – Westfälisches Landesmuseum in Herne in Kooperatuion mit dem NABU Herne. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten. Der Katalog enthält zahlreiche Bilder und Fundbeschreibungen. Er kostet 13,95 €. Die Bilder der Ausstellung können erstanden werden.

http://www.lwl-landesmuseum-herne.de/sonderausstellungen/wildes-westfalen

Gehweg Gefährten – Sabine Bohn im Heinrich Heine Kunstkiosk

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© Sabine Bohn

Hund und Mensch. Diese Beziehung ist so eng, dass ein Österreichischer Philosoph mal davon ausging, dass der Hund den Menschen machte und nicht anders herum. Beide sind Gefährten, die sich durch die Kulturgeschichte ziehen, und bis heute sind sie es geblieben, wenn sich auch Art und Ausrichtung der Beziehung immer gewandelt haben.

Es ist daher überhaupt verwunderlich, dass Hunde immer wieder als Motive in der Kunst auftauchen. Egal ob Kelten oder Germanen, ob Römer oder Ägypter, ob Griechen oder Babylonier: Auf Bildern, Reliefs oder als fassbare Darstellung finden sich die Tiere als Motive in der abendländischen Kunst. Mal stehen sie im Mittelpunkt, mal sind sie schmückendes Beiwerk, mal sind sie nur statistisches Element, um eine gewisse Authentizität anzuzeigen, wenn ein Bild einen öffentlichen Platz darstellt.

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© Sabine Bohn

Sabine Bohn, Wahlwuppertaler Künstlerin und Kunsterzieherin aus Münster, hat sich diesem Thema nun auch angenommen. In ihrer Ausstellung in Solingen waren neben verschiedensten Bildern auch zahlreiche Hundeportraits zu sehen. Genau diese werden nun in einer kleinen Schau im Heinrich Heine Kunstkiosk gezeigt. Der Clou dran ist, dass der Hund, der innerhalb der Kunst eben mit Mensch oder innerhalb menschlicher Situationen gezeigt wird, auf Bohns Bildern vollkommen isoliert ist. Zu sehen ist der Hund mit Halsband oder in Hundekleidung in den meisten Bildern ohne Mensch vor einem asphaltgrauen Hintergrund. Die Hunde stehen, liegen oder sitzen im grauen Irgendwo alleine und machen dabei genau die Gesten, die sie auch machen, wenn sie mit ihren Haltern zusammen sind. So stellt Bohn eine Diskrepanz her zwischen dem etablierten, vertrauten Bild vom Hund und ihrer Art der Darstellung. Auf anderen Bildern sind die Hunde zwar zusammen mit Menschen dargestellt, aber eine Interaktion zwischen beiden so vertrauten Partnern findet nicht statt. Das kann, wie Barbara Held, die Initiatorin des Kunstkiosks meint, komisch wirken, führt aber auf der anderen Seite auch klar eine gewisse Melancholie vor Augen, nämlich für denjenigen, der Hunde hat und mit ihnen umzugehen weiß. Für denjenigen sind auch die frohen Farben und das amüsierte Wesen, das Sabine Bohn attestiert wird, eher Nebensache.

Grund für die Beschäftigung mit den Hunden war ein Urlaub in Indochina, in dem Bohn einen sehr dicken Hund zu sehen bekam, der schlief. Form und Haltung amüsierten sie so sehr, dass sie begann, den schlafenden Hund von drei unterschiedlichen Punkten aus zu malen. Diese Bilder wirken noch sehr grob und unsauber. Darauf aufbauend zog sie im Laufe der Arbeit klarere Linien, tauschte den pinkfarbenden Hintergrund mit dem grauen und suchte weitere Schoßhunde aus, die ihr in Form und Gestalt wesentlich näher liegen als große, stattliche Hunde. Diese sind dann auch ausschließlich mit Menschen zu sehen, jene hingegen oftmals alleine.

Auf den ersten Blick wirken Bohns Bilder wenig ansprechend, auf den zweiten offenbaren sich durchaus Tiefe und Konstrukt hinter dem Gemalten, das zu durchaus moderaten Preisen erworben werden darf.

Gehweg Gefährten – Bilder von Sabine Bohn im Heinrich Heine Kunstkiosk in der Wichlinghauser Straße, noch bis zum 27. September 2015. Termine nach Vereinbarung.

http://www.bohnapart.de
http://heine-kunst-kiosk.de

Wenn Kulturen sich mischen – Die Ausstellung „Werdendes Ruhrgebiet“ im Ruhrmuseum Essen

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Monumentalgemälde „Liudger predigt das Evangelium an den Ufern der Ems“, Albert Baur d.Ä. (1835-1906), 1901
Copyright: Gymnasium Dionysianum, Rheine; Foto: Hermann Willers

Man weiß, dass eine Ausstellung gut ist, wenn ein Weihbischof im Laufe eines langen Abends trotz Verspätung gut gelaunt eine Eröffnung besucht und sich in hervorragender Stimmung die Exponate erklären lässt. Das Ruhrmuseum in der Zeche Zollverein hat eine solche Ausstellung geschaffen, deren Ziel es ist, das Ruhrgebiet als Kulturregion zu zeigen, die existierte, bevor Kohle und Stahl den Pott zu dem machten, was man heute mit ihm assoziiert. Dafür haben sich die Ausstellungsmacher Patrick Jung, Reinhard Stephan-Maaser und Kai Janssen in jene Zeiten begeben, in der sich erste historische Spuren von Menschen im Ruhrgebiet finden: die Spätantike und das Frühmittelalter.

Wegen dieser Epochen tauchte auch der Weihbischof auf. Das Bistum Essen ist Partner der Ausstellung, denn ohne geistliche Unterstützung wäre die Region doch nicht das, was sie heute ist. Das wusste der heilige Liudger und seine Missionsstation in Werden natürlich nicht, als das Kloster 799 gegründet wurde. Liudger war nur Eines klar: Von hier aus mussten die Sachsen missioniert werden. Damit aber endete eine Entwicklung, deren Spuren die Ausstellung aufzeigen will. So ist diese Kooperation durchaus wichtig – zumal in den Schatzkammern des Bistums nicht wenige der über 800 Exponate stehen, mit denen die Ausstellung wirbt.

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Schatzfund von Selm-Bork mit 60 Kölner und Dortmunder Pfenningen, 2. Hälfte 10. Jahrhundert
Copyright: LWL-Museum für Kunst und Kultur/Westfälisches Landes-museum Münster

Dass so eine Anzahl natürlich alle Tierknochen und Tonscherben einzeln beinhaltet, tut nichts zur Sache. 800 ist eine Zahl, die wirkt. Die Ebene 12m des Museums ist voll, nicht nur mit Menschen, auch mit Exponaten. Das ist vielleicht auch der einzige Kritikpunkt, dem man dem Gestalter machen kann. Wenn diese Landesausstellung, zusätzlich zu den einzelnen Besuchern, noch gleichzeitig von zwei Besuchergruppen besucht wird, wird es dann doch arg eng. Doch ist die Präsentation schon durchaus großartig. Das ausgefeilte Design von Bernhard Denkinger sorgt für Staunen. Von unten illuminierte Vitrinen leuchten die Objekte so an, dass sie ihnen nicht schaden und dem Besucher dennoch einen guten Blick bieten. Andere Vitrinen nutzen die Höhe des Raums voll aus. Gebückt oder auf Augenhöhe kann man den Exponaten ins Antlitz schauen. Im Mittelpunkt der Ausstellung, räumlich als auch vom Wert her, stehen die mittelalterlichen Manuskripte, die die Ausstellung zu der mit dem höchsten Versicherungswert bisher machen. Mit 100 Mio. € ist die Ausstellung versichert, 5 Mio. pro Buch, wie Grütter in seiner Führung anführte.

Die Ausstellung ist in fünf Bereiche gegliedert: Leben, Streiten, Glauben, Deuten und Werden. Der letztgenannte Bereich spielt dabei mit dem Namen des Kloster des heiligen Liudger und der Tatsache, dass im Frühmittelalter hier etwas im Werden begriffen war. Daher stellt er sowohl das Kloster Werden als auch das nicht weniger einflussreiche Essener Damenstift in den Mittelpunkt. So richtig kann man deren Rolle aber nur begreifen, wenn man die beiden Museen des Bistums Essen besucht. Die Schatzkammer der Probsteikirche in Werden bietet dabei genauso reiche Kostbarkeiten wie die des Essener Doms, in der sich die Schätze des Essener Damenstifts befinden.

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Der Bereich Deuten beschäftigt sich mit der Rezeption dieses Frühmittelalters. Dieser Abschnitt enttäuscht sehr. Es muss daran liegen, dass Fünf eine Zahl ist, die man eher als ordentlich ansieht als Vier, oder vielleicht auch daran, dass ein modernes Museum nicht ohne Video geht, aber abgesehen von einem Mamutknochen, der als Teil eines Kriegselefanten gedeutet wurde, birgt diese Sektion wenig Beachtenswertes. Da läuft ein Film, dessen Ansehen und Abspielen viel Platz wegnimmt. Hier hätte man sich mehr gewünscht – oder man hätte es gleich sein lassen, bergen doch die anderen Schmuckstücke so viel mehr.

Bevor es ans Streiten und ans Glauben geht, muss man sich erst einmal um das Leben kümmern – und das beginnt früh. Keramiken aus der Römerzeit, Überreste der Römer aus ihren Kastellen, Fibeln, Spielsteine und Bronzesiebe zeugen von der Gegenwart der Römer in der Region, doch wirkliche Spannung will nicht aufkommen. Zu oft hat man diese Gefäße schon gesehen. Erst wenn sich Kulturen mischen, wird es interessant. Ein gläsernes Trinkhorn aus der Spätantike lässt den Betrachter erstaunt zurück: Haben es die Germanen gemacht? Haben sie es bei den Römern in Auftrag gegeben? Machten es gar die Römer eigenständig, weil sie die Kultur der Barbaren gar nicht so rückständig fanden? Das sind die Fragen, die sich aufdrängen angesichts eines 1700 Jahre alten Gegenstands wie dieses Horns aus Nijmegen.

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Blick in die Ausstellung „Werdendes Ruhrgebiet“
Copyright Ruhr Museum; Foto: Michael Rasche

Solch sonderbares Zusammengehen verschiedener Kulturen wurde auch immer von Krieg und Blutvergießen überschattet. Es nimmt daher nicht Wunder, dass die Ausstellungsmacher auch diesen Bereich behandeln. Zahlreiche Waffen werden ausgestellt. Neben diversen Schwertern, Saxen und Lanzen finden sich aber auch die Schädel derer, die fielen oder verletzt überlebten, in den Vitrinen. Wie der Kontakt nach verlorener Schlacht aussah, machen die Fußfesseln deutlich, die in Castrop-Rauxel gefunden wurden und aus dem 3. oder 4. Jahrhundert stammen. Äxte und Franzisken aus fränkischem und sächsischem Besitz offenbaren die Wehrhaftigkeit der frühmittelalterlichen Germanenvölker. Ein kleiner Höhepunkt ist die Spatha aus dem späten 8. Jahrhundert, die hervorragend erhalten ist und einen Buntmetall-Griff aufweist. Dieses adelige Schmuckstück ist nahezu einzigartig in der Ausstellung.

Die Glaubensfrage gehört sicherlich an den Anfang jeder Zivilisation. Mit dem Ende der Sachsenkriege 804 kam der christliche Glaube über die Westfalen. Der alte Glaube galt nicht mehr (offiziell) und blieb doch in den Bräuchen der Menschen erhalten. Um gegen die ruhmreichen germanischen Götter anzukommen, musste man klotzen, nicht kleckern. Die Mönche aus Werden verstanden sich darauf. In Gold und Purpur erscheinen ihre Evangeliare, Elfenbein zeugt von dem Reichtum nicht nur der Kirche, sondern auch des Gottesreichs, dessen Segen man verbreiten wollte. Das Evangeliar der Essener Äbtissin Theophanu, deren Namen auf ihren byzantinischen und römisch-kaiserlichen Ursprung hinweist, zeugt von dieser Pracht. Wie sich praktisch dieser Glaube durchsetzte, zeigt das Recycling von römischen Steinen. Was einst ein Ehrenmal für einen gefallenen Römer war, wurde zu einen Altar umgestaltet. Klitzekleine Kreuze, die als Glücksbringer galten, sind dutzendfach ausgestellt. Doch auch die andere Seite ist zu sehen. Neben dem römischen Götterpantheon sind auch die Symbole der germanischen Religion präsent. Eine kleine weibliche Tonfigur aus der Zeit des 2. bis 4. Jahrhunderts, die wohl einen sakralen Hintergrund besaß, findet sich hier neben der Reiterstatue des Mithras und religiösen Tieropfern.

Viel ist zu sehen in dieser großen Ausstellung und doch bleibt der Eindruck, dass eine Harmonie der Exponate nicht gegeben ist. In einen Dialog treten sie nicht ein. Vielmehr wirken sie erstaunlich einsam. Diese ganzen Gegenstände mögen zeitgleich entstanden und genutzt worden sein, aber eine wirkliche Verbindung zeigen die Exponate nicht. Auch hat man – das mag aber mein Problem sein – als Mensch, der zahlreiche Ausstellungen besucht, vieles schon andernorts gesehen. Die Fülle der Objekte bleibt beeindruckend, auch die Auswahl kann sich sehen lassen. Die Gestaltung ist grandios und doch: Die Ausstellung folgt in ihrem Aufbau (viel zu) bekannten Pfaden, gibt kaum etwas Neues her und wirkt so seltsam unprätentiös. Für eine Landesausstellung ist das zu wenig.

Werdendes Ruhrgebiet

Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr, Ruhrmuseum Essen in der Zeche Zollverein, noch bis zum 23. August 2015. 8 € p. P. (ermäßigt 5 €).

Der Katalog ist im Klartext-Verlag erschienen und kostet 29,95 €.

Ein umfangreiches Beiprogramm mag für den passenden Kontext sorgen: Vortragsreihe zur Ausstellung.

„Wir können nichts anderes!“ – Das Vollplaybacktheater kam zurück und ging dann wieder

VollplaybacktheaterEs soll ja Menschen geben, die es ärgerlich finden, dass Filme aus dem Ausland in Deutschland, anders als in den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern, synchronisiert werden. Dabei hat dieser Vorgang wunderbare Nebeneffekte. Die Tatsache, dass der Pool der Synchronsprecher so klein ist, sorgt dafür, dass diese nicht nur in Film und Fernsehen auftauchen, sondern auch bei Hörspielen. Und so wird Buffy Opfer eines Dämons bei John Sinclair, Arnie und Sly helfen den Drei Fragezeichen und Julia Roberts kommt bei TKKG vorbei. Diese drei Hörspielserien genießen in Deutschland Kultcharakter.

So verwundert es gar nicht, dass sich eine Wuppertaler Kombo aus sechs Darstellern bereits 1997 zusammenfand, um diese Hörspiele auf die Bühne zu bringen. Dabei war den Machern vor allem eines wichtig: Die Hörspiele mussten bleiben, sie mussten nur visualisiert werden. Das raubt natürlich die eigene Fantasie der Zuschauer und daher musste noch etwas Besonderes her. Die Lösung des Problems bestand in der Ausnutzung des oben beschriebenen deutschen Phänomens: Die Hörspiele wurden geschnitten und um Tonspuren von Filmen ergänzt – sowie durch andere Folgen und Hörspielserien. So wurden immer wieder Folgen der Fragzeichen oder Sinclairs benutzt und erweitert, bis die Zuschauer Tränen vor Lachen in den Augen hatten. Endlose Aufzählungen der seltsamsten Dingen gehörten ebenso dazu wie das Zusammenspiel von abstrusen Elementen. Diese gesamte Melange wirkte immer auch dadurch, dass die Akteure auf das Wissen ihres Publikums zurückgreifen konnten. Musik, Filmschnipsel und Hörspiele mussten funktionieren, damit der Lacher saß. 2012 gab das Vollplaybacktheater dann bekannt, sich aufzulösen, 2013 war es soweit und am 25. Oktober 2014 waren sie wieder vereint. Diesmal aber nahmen sie sich nicht ein Hörspiel vor, sondern Quentin Tarantinos Pulp Fiction, ein Film der sich wegen seines Schnitts hervorragend dazu eignet, um ihn auf der kleinen Bühne des Vollplaybacktheaters zu spielen.

Geplant war, auf Tournee zu gehen, wie es sich für ein fahrendes Ensemble gehört. Zahlreiche Städte in Nord und Süd, Ost und West sollten bereist und unterhalten werden. Das Vollplaybacktheater genießt in Deutschland einen hervorragenden Ruf. Die Fans finden sich überall. Mal kann man sehen, wie das Theater eine Hochzeitsfeier beeinflusste, mal wird die Idee von der Kirche zum Weihnachtsfest umgesetzt. Doch was im Oktober mit voller Inbrunst wieder neu aufgelegt und von allen Fans herbeigesehnt wurde, fand im Januar 2015 bereits ein jähes Ende. Am 22. Januar teilten die Darsteller mit, dass ihre Tournee-Agentur aufgrund von „schwerwiegenden finanziellen Verfehlungen“ alle Termine ihrer Tour absagen musste. Dabei scheint es sich um ein groß angelegtes Missmangement gehandelt zu haben, denn „die aufgerissenen finanziellen Löcher sind nicht [zu] stopfen – da reicht nicht einmal der vollständige Verzicht auf unsere Gagen.“ „Wir sind maßlos enttäuscht und finden uns von unserem Agenten und Manager, mit dem wir 16 Jahre lang vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, komplett verarscht und betrogen zurückgelassen. Wir stehen fassungslos vor einem riesigen Scherbenhaufen, den wir noch nicht einmal selbst verursacht haben“, heißt es auf der Homepage des Ensembles. Kaum war das Schreiben veröffentlicht, bekundeten die Fans in Deutschland via Facebook ihre Solidarität und unterbreiteten Angebote, wie es weiter gehen solle. Dieser Zuspruch zeigte Wirkung , sodass das Vollplaybacktheater nun weitermachen will. So kann man die unabhängig von der Tourneeagentur organisierten Aufführungen in Wuppertal selbst wohl als erneutes Comeback der siebenköpfigen Crew ansehen. Am 13., 14. und 15. März werden sie dort stattfinden, wo auch das erste Comeback begann: im Theatersaal der Rudolf-Steiner-Schule am Kothen in Wuppertal-Unterbarmen.

Einen Eindruck vermittelt euch Wuppermond schon einmal jetzt:

VollplaybacktheaterDer Theatersaal der Rudolf-Steiner-Schule war mit seinen etwa 300 Plätzen gut gefüllt, das Durchschnittsalter lag bei 35–40 Jahren, und das Publikum wusste, was es erwartete. Nach der bekannten Eingangsszene zwischen dem verliebten Verbrecherpärchen passiert auch dann, worauf alle gewartet haben: Justus, Peter und Bob übernehmen einen Fall: Sie suchen den Koffer von Marcellus Wallace. Doch weil Skinny Norris die drei reinlegt, dauert es keine 40 Minuten, bis Vincent Vega und Jules Winnfield auf dem bekannten Schrottplatz auftauchen und die berüchtigte Burgerszene mit ihnen durchspielen, was mit dem Tod der drei Detektive endet. Ist das nun die Emanzipation des Vollplaybacktheaters von ihrem einstigen Flagschiff? Nie wieder Folgen der drei Fragzeichen auf der Bühne? Wir wollen es nicht hoffen.

Und natürlich haben auch Tim und Klößchen Gastauftritte, John Sinclair schaut vorbei und zieht das linke Bein, während er das rechte Bein vor setzt – ein Running Gag aus unzähligen älteren Vorstellungen. Es funktioniert. Das Publikum lacht Tränen – und wartet auf die Tanzszene, denn der Zuschauer weiß: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Die einzige Frau des Ensembles spielt Mia, die Kellnerinnen müssen daher von den Männern gespielt werden, sodass der Auftritt des Marilyn-Doubles zu einer prägenden Erinnerung an das einstige Sexsymbol wird. Als dann auch noch eine Anspielung auf Conchita Wurst die Bühne betritt, ist der popkulturelle Mix perfekt und der Tanz kann beginnen. Nach der bekannten Tanzszene – mit den Fingern vor den Augen – wechseln die Darsteller zum Ententanz, landen beim Macarena und dem Ketchup-Song, um schließlich mit Scooter zu enden. An dieser Stelle ist es gut, dass die Schauspieler nicht sprechen müssen, sind doch alle merklich atemlos.

Wichtig an der Vorstellung sind aber die Kleinigkeiten, die die Aufführung so famos machen. Die Taxifahrt von Butch, dem Boxer, der kurz vorher seinen Gegner im Kampf getötet hatte, wird auf der Bühne zu einer Busfahrt, in der neben Butch auch Freddy Krueger, Dexter Morgan und Hannibal Lecter mitfahren und sich im perfekten Zusammenschnitt über das Morden als solches und das erste Mal im Besonderen unterhalten. Hannibals Gespräch mit Clarice wird so zu einem mit Butch, was diesen dann doch arg verwundert. Eine Liebeserklärung an Wuppertal – „Wir sind im Valley“ – sind die Außenaufnahmen, die das Theaterspiel ergänzen. Fahren die Protagonisten im Auto, dann sieht der Eingeweihte die B7, die Gathe und andere Wuppertaler Straßen.

Diese werden nun nicht mehr in ganz Deutschland Werbung für Wuppertal machen können, aber wenn das Vollplaybacktheater schon nicht durch Deutschland touren kann, dann kommt Deutschland vielleicht nach Wuppertal: Die Verkaufszahlen für die drei Wuppertaler Termine lassen das erahnen. Wer daher  das wunderbare, ideenreiche und witzige Ensemble erleben will, sollte sich Karten für den einzigen verfügbaren Termin im März sichern; für den 15. März sind nämlich noch Plätze frei: http://www.wuppertal-live.de/?152663.

http://www.vollplaybacktheater.de

Bücher zum Fest? – „Bergische Geschichte“ und „Erklär mir mal Wuppertal“

Geschichte des Bergischen LandesBücher werden ja immer gerne zu Weihnachten verschenkt. Darum als Premiere auf Wuppermond: zwei Buchrezensionen mit lokalem Bezug.

Der Bergische Geschichtsverein (BGV) hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Mitgliedern jedes Jahr Bücher zukommen zu lassen. Mal ist es eine neue Ausgabe der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, mal ein Werk, das in der Reihe „Bergische Forschungen“ erschienen ist. Zum 150. Jubiläum seines Bestehens im Jahr 2013 hatte er sich fest vorgenommen, eine Geschichte des Bergischen Landes an seine Mitglieder zu verschicken und diese zeitgleich auch allen anderen Interessierten zukommen zu lassen. Mit einem Jahr Verspätung kann er nun den ersten Band der Bergischen Geschichte vorlegen. Probleme mit den Autoren, von denen einige trotz Vertrag vor der Aufgabe zurückschreckten oder nicht rechtzeitig ihre Artikel ablieferten, sorgten für die Verzögerung.  Ganz ohne eine solche wird aber der zweite Band der Bergischen Geschichte im Jahr 2015 erscheinen.

Beide Bände umfassen jeweils knapp 800 Seiten, sind reichlich bebildert und mit Kartenmaterial versehen. Der vorliegende erste Band umfasst den Zeitraum vom Beginn der Aufzeichnungen im Bergischen, also etwa vom 8. Jahrhundert an, und reicht bis zur Auflösung des Herzogtums Berg durch Napoleon 1806.  Sicherlich wäre es auch hier ratsam gewesen, die Vor- und Frühgeschichte zumindest kurz in die Überlegungen mit einzubeziehen, zumal in Elberfeld eine 2.500 Jahre alte Siedlung gefunden wurde, die die Überlegungen zur Erstbesiedlung um 800 doch in Frage stellen. Dieser Fund, obwohl bereits 2003 gemacht, findet sich in der neuen Geschichte nicht wieder.

Die Herausgeber hatten sich vor allem zwei Aufgaben gestellt: Erstens, so der Vorsitzende Thomas Halbach, wollte man das Bergische Land wieder in Erinnerung rufen, das als Teil des Rheinlandes zu verschwinden drohe, und zweitens sollte der Begriff „Bergisches Land“ überhaupt geklärt werden. Denn auch wenn man in den Städten des Bergischen Landes beim Stadtbummel oftmals das Gefühl haben kann, hier sei man in bergigen Regionen, so sollte doch jedem klar sein, dass der Begriff keinen Naturraum bezeichnet, sondern ein Gebiet, das von den Grafen und den späteren Herzögen von Berg beherrscht wurde (das diese wiederum ihren Namen von ihrer Burg beim Altenberg ableiteten, ist eine andere Geschichte). Somit ist das Bergische Land kein Naturraum, sondern ein historisches Gebilde, das durch seine Besiedlung und seine Entwicklung zu einem Kulturraum wurde. Besiedlung und Entwicklung will der erste Band, lesbar und wissenschaftlich fundiert, aufzeigen.

Ausgehend von den Vorarbeiten des Schulmeisters Bernhard Schönnesfeld und der 1958 erschienen Bergischen Geschichte, die damals schon durch den BGV herausgegeben worden war, wurden verschiedene Arbeitsfelder abgesteckt. Neben einer chronologischen Struktur, in der Wilhelm Janssen ausführlich die mittelalterlichen Politik der Region darstellt und einordnet, während Stefan Ehrenpreis das Herzogtum im 16. Jahrhundert und Klaus Müller die Zeit von 1600 bis 1806 darstellt, sind viele große Kapitel zur Lebens- und Arbeitsweise der Menschen zusätzlich erstellt worden. So steht die politische Geschichte neben der Kulturgeschichte. Zu dieser werden im Buch die Kirchengeschichte gezählt, aber auch die Agrargeschichte und die Sozialgeschichte finden ausführlich Erwähnung. Herausgeber Stefan Gorißen nahm sich der Gewerbegeschichte des Bergischen in der Frühen Neuzeit an, in der die Anfänge für die spätere Textilstadt Wuppertal, die Klingenstadt Solingen und die Schmiedestadt Remscheid lagen. Ausgewählte Biographien Engelberts von Berg, Herzog Jan Wellems und Jung-Stillings ergänzen die Darstellungen. Zum Ende des Buches wurde mit Georg Cornelissen der Leiter der Sprachabteilung des LVR-Instituts für Landeskunde gewonnen, der das Sprechen der Menschen im Bergischen einordnet und einen nicht unbekannten Wuppertaler Linguistikstudenten ins Verzücken versetzte.

Bleibt die Frage: Was taugt’s? Der Aufsatz von Thomas Lux über die Agrargeschichte des Bergischen Landes soll hier als Beispiel dienen. Er beginnt zunächst recht unspektakulär mit einer ordentlichen Darstellung des Feudalsystems, von dem jeder wohl in der Schule gehört haben sollte. Diese Grundbedingung mittelalterlichen Lebens wirkt auf den ersten Blick wenig spannend, ist aber im Rahmen des Ziels des Buches wichtig, soll es doch vor allem als Nachschlagewerk dienen. Nachdem die sozialen Verhältnisse geklärt sind, kommt Lux schnell zu den Gütern, die im Bergischen angebaut wurden. Entscheidend dabei war vor allem der Landbau, dann erst die Viehwirtschaft. Kühe gab es, so Lux, im Bergischen übrigens herzlich wenig, dafür zahlreiche Schweine, Schafe und Geflügel. Durch die Urkunden des Klosters Werden etwa lässt sich dabei die Größe einzelner Höfe erschließen. Die Zahlen sind dabei lesefreundlich nicht im Text versteckt, sondern in einer Tabelle aufgelistet und um rekonstruierte Karten ergänzt.

Es versteht sich von selbst, dass in einem Buch, dass eine ganze Region vermessen möchte, nicht alle Städte, Orte und Stadtteile Erwähnung finden können bzw. nur in den Texten selber am Rande vorkommen. Das Werk ist als Nachschlagewerk angelegt, mit dem es möglich sein soll, eigene Forschungen zu betreiben und Fragen zur Geschichte zu beantworten. Es wäre daher schön gewesen, irgendeine Form von Register vorzufinden, das es erlaubt, schnell den eigenen Ort zu finden, wenn man diesen sucht, ohne gleich einen langen, wenn auch durchaus ergiebigen Aufsatz lesen zu müssen. Wer allerdings in Altenberg lebt, der wird seine Freude mit dem Buch haben, ist die Beschäftigung mit dem dortigen Dom doch ein klarer Höhepunkt dieses ersten Bandes.

Erklär mir mal WuppertalGanz anders geartet ist das Buch Erklär mir mal Wuppertal, das die Abteilung Wuppertal des BGV pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2014 auf den Markt gebracht hat. Dem Werk ging eine Idee, die im Beirat aufgekommen war, voraus. Die dort qua Amt mitwirkende Direktorin der Wuppertaler Stadtbibliothek kam im Jahr 2009 auf den Vorstand zu und wollte ein Schulbuch entwickeln, denn ein solches gab es für Wuppertal nicht, obwohl in den dritten und vierten Schuljahren die Geschichte der eigenen Stadt und des Stadtteils auf dem Lehrplan steht. Die Idee wurde begeistert aufgenommen, allein: Schreiben wollte keiner der Beiräte ein Kinderbuch, dazu fehlte das Talent zum kindlichen Erzählen. Zahlreiche Versuche, Menschen zu finden, die ein solches besitzen, wurden unternommen und ebenso oft wurde das Projekt begraben. Bis schließlich der Verleger Thomas Helbig die Idee aufgriff und drei Autorinnen und eine Illustratorin fand, die sich an die Arbeit machten. Der BGV Wuppertal suchte indes zahlreiche Sponsoren aus den eigenen Reihen und aus der Wuppertaler Wirtschaft, um ein Ziel zu verwirklichen: Das Buch musste umsonst an die Grundschulen Wuppertals in Klassensätzen verteilt werden. Die Spendensammlung gelang und schließlich waren die Texte fertig, die vom Beirat des BGV noch einmal gegengelesen wurden. Dann aber konnte das Buch in den Druck gehen.

Lohnt das Lesen? Das Buch ist handwerklich gut gemacht, farblich ansprechend und für Kinder schon deswegen geeignet, weil der Leser immer angesprochen und geduzt wird. Das Buch ist in erster Linie zwar historisch, aber reicht auch in die Gegenwart und Zukunft der Stadt hinein. Ein besonders Augenmerk für die Schulen sind die mehrseitigen Geschichten der einzelnen Stadtteile, die in ausgesuchten Erzählungen die Entwicklung der einzelnen Gebiete wiedergeben. Einzig der Bereich Barmen ist dabei ein wenig unglücklich geworden, steht doch über seine Geschichte recht wenig im Buch selbst. Auch die Auswahl der einzelnen Stadtteile ist dabei fragwürdig. So erhält Langerfeld ein eigenes Kapitel, obwohl es seit 1922 zu Barmen gehört, Nächstebreck jedoch, das im selben Beschluss 1922 zu Barmen kam, findet nur kurz im Kapitel über Barmen Erwähnung. Die wunderbar aufgearbeitete Geschichte um den Brand der ersten Barmer Schule, die am heutigen Alten Markt stand, entschädigt dafür nur wenig.

Nach den Stadtteilgeschichten wird die alle Gebiete umfassende politische, kulturelle und soziale Entwicklung des Wuppertals genannt. Angefangen mit der Textilbranche und darauf aufbauend mit einem Kapitel über Friedrich Engels, den Mitbegründer des Kommunismus, der aus Barmen stammte, begibt man sich schnell in die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die aus Wuppertaler Sicht wiedergegeben wird und mit dem Zweiten Weltkrieg endet. Danach folgen Abschnitte über die Religionen im Tal (inkl. Buddhismus und Hinduismus), die Wuppertaler Berühmtheiten und schließlich den Verkehr, der die Stadt prägt und natürlich die Schwebebahn mit einschließt. Grünflächen und Kultureinrichtungen sowie spezielle Angebote für Kinder schließen das Buch ab.

Obwohl für Kinder erdacht ist das Buch auch für zahlreiche Erwachsene geeignet, die etwas über die Stadt Wuppertal erfahren wollen. Die einzelnen Kapitel sind wie bei den klassischen Was ist Was-Büchern mit Fragen überschrieben und machen so Lust, sich in die kurzen und längeren Kapitel zu vertiefen, die sich auch zum Vorlesen eignen.

 

Stefan Gorißen, Horst Sassin und Kurt Wesoly (Hg.): Geschichte des Bergischen Landes. Bis zum Ende des alten Herzogtums 1806. Band 1 (= Bergische Forschungen 31). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014. 768 Seiten, ISBN 978-3-89534-971-3, 29,90 €

Bergischer Geschichtsverein Abt. Wuppertal (Hg.): Erklär mir mal Wuppertal. Geschichte und Geschichten. Texte von Susann Fiedler, Simone Jacken und Manuela Sanne. Illustrationen von Ariane Rudolph. Edition Köndgen, Wuppertal 2014. 192 S., ISBN 978-3-939843-50-4,  22 €

 

Offenlegung: Der Autor dieses Artikels ist Schriftführer des Bergischen Geschichtsvereins, Abt. Wuppertal und Mitherausgeber der vom BGV herausgegebenen Zeitschrift Romerike Berge.

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