„Wir können nichts anderes!“ – Das Vollplaybacktheater kam zurück und ging dann wieder

VollplaybacktheaterEs soll ja Menschen geben, die es ärgerlich finden, dass Filme aus dem Ausland in Deutschland, anders als in den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern, synchronisiert werden. Dabei hat dieser Vorgang wunderbare Nebeneffekte. Die Tatsache, dass der Pool der Synchronsprecher so klein ist, sorgt dafür, dass diese nicht nur in Film und Fernsehen auftauchen, sondern auch bei Hörspielen. Und so wird Buffy Opfer eines Dämons bei John Sinclair, Arnie und Sly helfen den Drei Fragezeichen und Julia Roberts kommt bei TKKG vorbei. Diese drei Hörspielserien genießen in Deutschland Kultcharakter.

So verwundert es gar nicht, dass sich eine Wuppertaler Kombo aus sechs Darstellern bereits 1997 zusammenfand, um diese Hörspiele auf die Bühne zu bringen. Dabei war den Machern vor allem eines wichtig: Die Hörspiele mussten bleiben, sie mussten nur visualisiert werden. Das raubt natürlich die eigene Fantasie der Zuschauer und daher musste noch etwas Besonderes her. Die Lösung des Problems bestand in der Ausnutzung des oben beschriebenen deutschen Phänomens: Die Hörspiele wurden geschnitten und um Tonspuren von Filmen ergänzt – sowie durch andere Folgen und Hörspielserien. So wurden immer wieder Folgen der Fragzeichen oder Sinclairs benutzt und erweitert, bis die Zuschauer Tränen vor Lachen in den Augen hatten. Endlose Aufzählungen der seltsamsten Dingen gehörten ebenso dazu wie das Zusammenspiel von abstrusen Elementen. Diese gesamte Melange wirkte immer auch dadurch, dass die Akteure auf das Wissen ihres Publikums zurückgreifen konnten. Musik, Filmschnipsel und Hörspiele mussten funktionieren, damit der Lacher saß. 2012 gab das Vollplaybacktheater dann bekannt, sich aufzulösen, 2013 war es soweit und am 25. Oktober 2014 waren sie wieder vereint. Diesmal aber nahmen sie sich nicht ein Hörspiel vor, sondern Quentin Tarantinos Pulp Fiction, ein Film der sich wegen seines Schnitts hervorragend dazu eignet, um ihn auf der kleinen Bühne des Vollplaybacktheaters zu spielen.

Geplant war, auf Tournee zu gehen, wie es sich für ein fahrendes Ensemble gehört. Zahlreiche Städte in Nord und Süd, Ost und West sollten bereist und unterhalten werden. Das Vollplaybacktheater genießt in Deutschland einen hervorragenden Ruf. Die Fans finden sich überall. Mal kann man sehen, wie das Theater eine Hochzeitsfeier beeinflusste, mal wird die Idee von der Kirche zum Weihnachtsfest umgesetzt. Doch was im Oktober mit voller Inbrunst wieder neu aufgelegt und von allen Fans herbeigesehnt wurde, fand im Januar 2015 bereits ein jähes Ende. Am 22. Januar teilten die Darsteller mit, dass ihre Tournee-Agentur aufgrund von „schwerwiegenden finanziellen Verfehlungen“ alle Termine ihrer Tour absagen musste. Dabei scheint es sich um ein groß angelegtes Missmangement gehandelt zu haben, denn „die aufgerissenen finanziellen Löcher sind nicht [zu] stopfen – da reicht nicht einmal der vollständige Verzicht auf unsere Gagen.“ „Wir sind maßlos enttäuscht und finden uns von unserem Agenten und Manager, mit dem wir 16 Jahre lang vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, komplett verarscht und betrogen zurückgelassen. Wir stehen fassungslos vor einem riesigen Scherbenhaufen, den wir noch nicht einmal selbst verursacht haben“, heißt es auf der Homepage des Ensembles. Kaum war das Schreiben veröffentlicht, bekundeten die Fans in Deutschland via Facebook ihre Solidarität und unterbreiteten Angebote, wie es weiter gehen solle. Dieser Zuspruch zeigte Wirkung , sodass das Vollplaybacktheater nun weitermachen will. So kann man die unabhängig von der Tourneeagentur organisierten Aufführungen in Wuppertal selbst wohl als erneutes Comeback der siebenköpfigen Crew ansehen. Am 13., 14. und 15. März werden sie dort stattfinden, wo auch das erste Comeback begann: im Theatersaal der Rudolf-Steiner-Schule am Kothen in Wuppertal-Unterbarmen.

Einen Eindruck vermittelt euch Wuppermond schon einmal jetzt:

VollplaybacktheaterDer Theatersaal der Rudolf-Steiner-Schule war mit seinen etwa 300 Plätzen gut gefüllt, das Durchschnittsalter lag bei 35–40 Jahren, und das Publikum wusste, was es erwartete. Nach der bekannten Eingangsszene zwischen dem verliebten Verbrecherpärchen passiert auch dann, worauf alle gewartet haben: Justus, Peter und Bob übernehmen einen Fall: Sie suchen den Koffer von Marcellus Wallace. Doch weil Skinny Norris die drei reinlegt, dauert es keine 40 Minuten, bis Vincent Vega und Jules Winnfield auf dem bekannten Schrottplatz auftauchen und die berüchtigte Burgerszene mit ihnen durchspielen, was mit dem Tod der drei Detektive endet. Ist das nun die Emanzipation des Vollplaybacktheaters von ihrem einstigen Flagschiff? Nie wieder Folgen der drei Fragzeichen auf der Bühne? Wir wollen es nicht hoffen.

Und natürlich haben auch Tim und Klößchen Gastauftritte, John Sinclair schaut vorbei und zieht das linke Bein, während er das rechte Bein vor setzt – ein Running Gag aus unzähligen älteren Vorstellungen. Es funktioniert. Das Publikum lacht Tränen – und wartet auf die Tanzszene, denn der Zuschauer weiß: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Die einzige Frau des Ensembles spielt Mia, die Kellnerinnen müssen daher von den Männern gespielt werden, sodass der Auftritt des Marilyn-Doubles zu einer prägenden Erinnerung an das einstige Sexsymbol wird. Als dann auch noch eine Anspielung auf Conchita Wurst die Bühne betritt, ist der popkulturelle Mix perfekt und der Tanz kann beginnen. Nach der bekannten Tanzszene – mit den Fingern vor den Augen – wechseln die Darsteller zum Ententanz, landen beim Macarena und dem Ketchup-Song, um schließlich mit Scooter zu enden. An dieser Stelle ist es gut, dass die Schauspieler nicht sprechen müssen, sind doch alle merklich atemlos.

Wichtig an der Vorstellung sind aber die Kleinigkeiten, die die Aufführung so famos machen. Die Taxifahrt von Butch, dem Boxer, der kurz vorher seinen Gegner im Kampf getötet hatte, wird auf der Bühne zu einer Busfahrt, in der neben Butch auch Freddy Krueger, Dexter Morgan und Hannibal Lecter mitfahren und sich im perfekten Zusammenschnitt über das Morden als solches und das erste Mal im Besonderen unterhalten. Hannibals Gespräch mit Clarice wird so zu einem mit Butch, was diesen dann doch arg verwundert. Eine Liebeserklärung an Wuppertal – „Wir sind im Valley“ – sind die Außenaufnahmen, die das Theaterspiel ergänzen. Fahren die Protagonisten im Auto, dann sieht der Eingeweihte die B7, die Gathe und andere Wuppertaler Straßen.

Diese werden nun nicht mehr in ganz Deutschland Werbung für Wuppertal machen können, aber wenn das Vollplaybacktheater schon nicht durch Deutschland touren kann, dann kommt Deutschland vielleicht nach Wuppertal: Die Verkaufszahlen für die drei Wuppertaler Termine lassen das erahnen. Wer daher  das wunderbare, ideenreiche und witzige Ensemble erleben will, sollte sich Karten für den einzigen verfügbaren Termin im März sichern; für den 15. März sind nämlich noch Plätze frei: http://www.wuppertal-live.de/?152663.

http://www.vollplaybacktheater.de

InterEGO – ein satirisches Drama nach Sartre

1216_interegoWie sieht die Hölle aus? Traditionell erwartet man, von Teufeln und Dämonen auf schrecklichste Art und Weise gefoltert zu werden. Peitschen, glühende Haken und Ähnliches sind da wohl das Mindeste. Dass Folter auch subtiler und perfider möglich ist, zeigt das von Sartre inspirierte Theaterstück InterEGO des Theaterkollektivs Kreative Randgruppe der Bergischen Universität Wuppertal.

In diesem Stück werden zwölf Sünder, Mörder, Vergewaltiger und Lügner, nach ihrem Ableben auf einem verranzten Bahngleis abgestellt. Weiter geht es nicht, denn ein dämonischer Schaffner verkündet immer wieder den Ausfall des nächsten Zugs. Während die verkrachten Existenzen auf ihre Weiterfahrt und die unweigerlich folgende Bestrafung warten, wird eins klar: „Die Hölle, das sind die anderen“. Zynisch und bitterböse werden die Abgründe der menschlichen Seele präsentiert. 

Die Premiere des Stücks findet diesen Abend, am 16. Januar um 19 Uhr im Hörsaal 14 statt. Dieser befindet sich auf dem Campus Grifflenberg, Gebäude M, Ebene 10, Gaußstraße 20. Der Kulturgenuss kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro. Außerdem gibt es am Samstag, 17. Januar, Freitag, 23. Januar und Samstag, 24. Januar weitere Vorstellungen. Die Karten sind bei der Bücherei Köndgen im Mensagebäude und auch an der Abendkasse erhältlich. Empfohlen ist das Stück für jungen Menschen, die das 14. Lebensjahr vollendet haben.

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