Wie im Mittelalter – Künstler der Elfenbeinküste in der Bundeskunsthalle Bonn

Wer schon einmal das Museum Schnütgen in Köln besucht hat, dem wird aufgefallen sein, dass für viele Künstler des Mittelalters keine Namen überliefert sind. Für sie stand nicht so sehr ihr eigener Ruhm im Vordergrund, schon gar nicht ein solcher in einer Nachwelt, sondern ihre Arbeit, und daher kann man an dieser sehr genau und mit Expertenauge erkennen, welche Werke einem Künstler zugeschrieben werden. Neben solchen Altarbildern steht dann oft Meister von Wittingau oder Meister von Cesi. Bei ihren Arbeiten handelt es sich um Auftragsarbeiten, die sie als Handwerker erstellten und an reiche Bürger, Kirchen und Adelige verkauften.

Ein solches Geschäftsmodell ist nicht alleine typisch für Europa. Auch in Afrika, genauer an der Elfenbeinküste, fanden sich zahlreiche Handwerker, deren Arbeit ohne Probleme als Kunst angesehen werden kann. Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt diese in ihrer oberen Etage, daher eine Ausstellung ganz zurecht unter dem Titel „Afrikanische Meister“. Da man nur in seltensten Fällen die Namen der Künstler kannte und anders als in Europa auch keinen genauen Ort zuordnen kann, wimmelt es in der Ausstellung von Meistern. Der Meister der runden Formen, der Meister der großen Hände, der Meister der schönen Brüste. Sie alle werden einzig durch ihre Kunst repräsentiert.

Sieben Völker und Gruppen der Elfenbeinküste sind Kern der Ausstellung. Die Dan im Westen, die Senufo im Norden, die Lobi im Nordosten, die Guro und Baule aus dem Zentrum der Region und schließlich die südlich gelegenen Völker der Lagune, die eben als solche, nämlich Lagunenvölker, zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Gerade diese Gruppe ist schon deswegen interessant, weil sie intern voneinander lernten, sich aber auch abgrenzten und als Völker der Küste als erste mit Europäern zu tun hatten. So sind ihre Statuen und Helmschmuckstücke Ausdruck eines kulturellen Austausches zwischen Afrika und Europa. Der Tropenhelm und kakifarbende Uniform tragende Mensch, der für eine Statue Vorlage bot, ist klar als Europäer zu identifizieren, auch wenn das Holz ihn zu einem Schwarzen macht.

Der Besucher wird eingeführt durch eine Reihe von Masken unterschiedlicher Form und Farbe. Breite Münder wechseln sich mit kleinen Mündern ab. Schlitzaugen werden von großen aufgerissenen Augen abgelöst. Die Symbolik des Schädels ist dabei für diese westafrikanische Region nicht von der Hand zu weisen. Nahezu alle Exponate sind zum Verdecken des eigenen Kopfes benutzt worden, der als Ort der Kraft galt und gilt. Der Kopfschmuck musste also von Menschen erstellt werden, die wussten, welche Motive und Themen den Träger beschäftigten und beeinflussten. Die beiden nackten Figuren, die Mann und Frau darstellen, sich gegenseitig umarmen und so deutlich die Gleichwertigkeit beider Geschlechter aufzeigen, war vielleicht ein Symbol der Fruchtbarkeit, vielleicht Mittel, um einen Ehestreit beizulegen. Das aber erfährt der Besucher nicht. Weil die Kuratoren sich vor allem auf die Künstler selbst und ihre Formsprache konzentrierten, sind solche Interpretationen nur im Kopf des Besuchers zu finden, nicht aber in den dreisprachigen Schautafeln. Das ist Konzept und Fluch zugleich. Denn was bei europäisch-westlicher Kunst durch die Form gesagt werden kann und sich einem eben solchen Publikum erschließt, kann durch die Distanz zweier so verschiedener Kulturen furchtbar schief gehen, weil der Weg zur Deutung verschlossen ist. Da aber Kunst immer durch das Miteinander von Künstler, Objekt und Betrachter entsteht, wird der Besucher so gezwungen, in den Dialog mit einem Kunstwerk zu treten, das ihm fremd erscheint und somit nicht nur exotisch, sondern eventuell auch abstoßend und primitiv. Die bloße Behauptung, es sei nicht so, reicht da nicht aus.

Während zahlreiche Darstellungen aus der Kolonialzeit stammen, ist in einem hellen Raum die von der Tradition entfernte, durch europäische Vorstellungen beeinflusste Kunst der Elfenbeinküste bis in das 21. Jahrhundert hinein zu sehen. Auf schwarzen Holzstelen finden sich auch hier individuelle Köpfe, die im Kreis angeordnet nicht miteinander kommunizieren, sondern sich unbedingt abwenden wollen. Betritt der Betrachter den Kreis, sieht er, dass die Figuren sich von ihm abwenden. Verachtet der Künstler den Betrachter? Ein anderes Exponat zeigt Szenen eines Ehebruchs. Halbnackte Menschen stehen zueinander. Eine Strafe wird verhängt, Geld gezahlt. Ein Film erzählt, dass auch solche realistischen Szenen Auftragsarbeiten sind, die als Marketing für Produkte und Orte genutzt werden. Aber wie schon früher wurden sie auch von Menschen gekauft, um sie in ihrem Haus oder Garten aufzustellen.

Die „Afrikanischen Meister“ sind sicher keine Ausstellung für die breite Masse. Hier ist Expertenwissen gefordert – oder ein offener Geist, der sich nicht scheut, eigenständig ein Museum zu besuchen und sich Gedanken über Darstellung und Form auch fremder Kulturräume zu machen. Masken und Statuen sind ein Segment der afrikanischen Kultur, auf das man sich einlassen muss. Erscheint auch dem gemeinen Europäer vieles gleichförmig und austauschbar, sieht der Experte wesentlich mehr. Es gilt, ein solcher Experte zu werden.

Afrikanische Meister. Kunst der Elfenbeinküste in der Bundeskunst- und Ausstellungshalle Bonn. Noch bis zum 5. Oktober 2014. Eintritt: 10 €. Der farbige und schwere Katalog ist bei Scheidegger & Spiess erschienen und kostet an der Museumskasse 32 €.

Viktorianisches Picknick auf der Hardt

Foto: Katharina Tappen

Foto: Katharina Tappen

Das Viktorianische Zeitalter ist historisch in der Zeit zwischen 1837 und 1901 zu verorten. Tot ist es dennoch noch lange nicht, erlebt es doch in den letzten Jahren ein modisches Comeback. In Parks oder in Cafés wird die Lebensart vergangener Jahrhunderte gefeiert. Vorletztes Wochenende fand im kleinen Rahmen das erste viktorianische Picknick in Wuppertal statt.

Foto: Katharina Tappen

Foto: Katharina Tappen

Wer ein viktorianisch inspiriertes Picknick besucht, sollte sich grob an der Mode des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts orientieren. Viktorianisch inspirierter Gothiclook oder Steampunk-Mode sind nie ein Fehler. Alltagskleidung ist allerdings tabu, befleißigt man sich doch der gehobenen Lebensart.

Foto: Katharina Tappen

Foto: Katharina Tappen

Auf der Hardt sah man vor allen Dingen Herren in Anzügen und Damen in langen Röcken und Korsetts, was den Genuss der mitgebrachten Speisen nicht immer einfach gestaltete. Auch unser Redakteur Heiko Schnickmann war zugegen. Die Speisen, die er mitgebracht hatte, waren zum Teil von der englischen Küche inspiriert, zum Beispiel Scones mit Marmelade oder Gurken-Ingwer-Limonade. Sein Look war angelehnt an eine Landpartie zur Zeit Edwards des VII., zehn Jahre nach dem Tod Königin Victorias. „Ich hatte enormes Vergnügen. Es war der für mich persönlich passende Abschluss zu einem halben Jahr, in dem ich mich ausgiebig mit der Zeit um 1900 befasst habe“, erklärte der leidenschaftliche Historiker.

Foto: Katharina Tappen

Foto: Katharina Tappen

Mitorganisatorin Kathi liebt den Stil verschiedener historischer Epochen. „Mir gefällt an den Kleidern das sehr feminine, die klassische Eleganz. Man fühlt sich gut und sicher. Natürlich gilt dies nicht nur für diese Stil-Epoche, sondern auch für andere. Mir hat es Spaß gemacht, einen Nachmittag eine Facette auszuleben, die im Alltag etwas vergraben ist.“

Wer sich inspiriert fühlt, selbst an einem viktorianischem Picknick teilzunehmen, wird nächsten Frühling und Sommer die Gelegenheit dazu bekommen. Geplant sind mehrere Veranstaltungen in den Parkanlagen der Stadt. Wuppermond wird die Termine frühzeitig bekannt geben.

Foto: Katharina Tappen

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Foto: Katharina Tappen

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Foto: Katharina Tappen

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Foto: Katharina Tappen

Foto: Katharina Tappen

Mittelalterliches in Telgte

Foto: Carsten A. Dahlmann

Foto: Carsten A. Dahlmann

Auch dieses Jahr wurde die Planwiese in Telgte zu einem mittelalterlichen Markt, der nicht durch Authentizität, sondern durch eine optische Vielfalt auffällt. Ausgefallene Kostüme und vertraute Walking-Acts wie die Feuervögel sorgten für Atmosphäre. Was die Bands anging, so konnten die Besucher sich an den üblichen Verdächtigen erfreuen. Omnia,  Feuerschwanz, aber auch die Piratenbands Elmsfeuer sowie Mr. Hurley und die Pulveraffen waren zugegen.

Das Wetter, so unstet es sich dem Wuppermond-Team präsentierte, hatte Gnade. Ein einem sonnigen Samstagmorgen betraten eure Lieblingsredakteure das Gelände und wurden von den Klängen der fulminanten Band Feuerschwanz begrüßt. Wie diese Menschen ihr fröhliches Grinsen zu so früher Stunde bewahrten, ist sicherlich eines der großen Rätsel der Menschheit.

Foto: Carsten A. Dahlmann

Foto: Carsten A. Dahlmann

Wie Wuppermond bereits berichtete, spielten die Spielleute verstärkt Stücke des neuen Albums „Aufs Leben“. Wir sahen zu, wie sich ein Mensch im Bärenkostüm euphorisch vor der Bühne verlustierte, und beschlossen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Am Merchandising-Stand fanden wie Leon den Lustigen. Der Jüngling bot CDs, T-Shirts und Pullover feil. „Wie heißt das, wenn der Hauptmann einen ordentlichen Schiss ablegt?“, fragte er. Die Antwort: „Des Hauptmanns geiler Haufen.“ Die Leser finden Leon diese Saison am Stand und können sich dort einen Witz abholen. Wir verließen den Scherzbold und wandten uns anderen Lustbarkeiten wie dem Kinderschminken zu, bevor die Sonne in Telgte unterging.

Foto: Carsten A. Dahlmann

Wuppermond testet das Kinderschminken.
Foto: Carsten A. Dahlmann

Der Sonntag war ein wenig feuchter, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Gute Unterhaltung boten die Jungs und Mädels von Elmsfeuer, die mit Akkordeon, Geige und Songs wie „Störtebecker“ ein Nordseepiratenflair verbreiteten. Die flotten und tanzbaren Stücke animierten zu einer Polonaise, an der sich Teile der Redaktion spontan beteiligten. „Das Maritime hat für uns eine unglaubliche starke Symbolik“, verriet Kaptain Wirti im Anschluss. Leider haben sich aktuell zwei Bandmitglieder ins Private zurückgezogen, sodass die Band erst in Kürze wieder einsatzfähig ist.

„90 Minuten Hardcore und echte Gefühle“ boten Mr. Hurley und die Pulveraffen auf der Hauptbühne. Sie sangen über Alltagsprobleme von echten Seebären. „Läuse in den Haaren, Hausverbot im Puff“ sind Missstände, die sicherlich von großer Bedeutung sind. Auch diese Menschen animierten ein anachronistisch gekleidetes Publikum zum Tanz. Sicherlich sehen wir sie auch nächstes Jahr wieder.

Foto: Carsten A. Dahlmann

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