Endzeit, Orks und Elben – so vielseitig war die RPC

Rollenspieler aller Couleur tummelten sich bereits am frühen Morgen auf der jährlich stattfindenden Rollenspiel-Messe in Köln. Sie hatten die verschlafen dreinschauenden Äuglein früh geöffnet, um sich in fantasievolle Kostüme zu werfen. Auch die tapferen Redakteure eures Lieblingsmagazins waren zugegen und mussten zu Beginn erst einen Wurf auf Orientierungssinn machen. Zu viel gab es zu sehen, zu verwirrend war die große Zahl der beworbenen Rollenspiele. Wohin sollten wir unsere Schritte wenden?

Endzeit ist Trend

Eins wird uns schnell klar: Endzeit-LARP ist immer noch beliebt und die Anhänger des Genres in großer Zahl vertreten. Die Spieler agieren in einer kaputten Welt, unserer Erde nach dem großen Knall.

Fate

Foto: Carsten A. Dahlmann

Die Überlebenden bedienen sich der Relikte der alten Zivilisation und kämpfen mit allen Mitteln um das nackte Überleben. Benedikt, der das Endzeit-LARP fractal spielt, gehört zum Kult der Chronisten. Sein Kostüm hat er – wie viele andere Endzeitlarper auch – selbst aus Alltagsgegenständen gebastelt. „Endzeit ist eine Dystopie, keine heile Welt, in der hinterher alles wieder gut wird“, erklärt er. Ihn faszinieren die Abgründe, die sich im Spiel auftun können. „Menschen werden in extreme Situationen gebracht und es passieren auch Dinge, die einen erschrecken“, erklärt er.

Megabosch

Foto: Carsten A. Dahlmann

Gute Stimmung herrscht beim Endzeit-Lager von Fate, der größten europaweiten Endzeit-Con. „Endzeit ist absolut im Kommen. Die Zahl der Teilnehmer steigt jährlich um die 50 Mann. 700 Leute haben an der letzten Con teilgenommen. Vor drei Jahren waren es noch 400“, erzählt Patrick von der Orga. Und – das bemerken wir später – es herrscht eine barbarische Stimmung bei den Endzeit-Spielern. Kurz vor Ende der Messe brachten die „Rockstars der Apokalypse“ Megabosch die Menge mit Gitarren und einer Stripperin zum Kochen. Manch einem starrte der Hosenlatz, aber das gehört hier nicht hin.

Elben, Orks und Waldritter

Auf unserem Weg begegnen wir allen Kreaturen, die die Regelwerke so hergeben. Wunderschöne Elben und schmudellige Orks säumen unseren Weg, während wir die große Auswahl an Würfeln und Rüstungsteilen bewundern.

Foto: Carsten A. Dahlmann

Foto: Carsten A. Dahlmann

Mit Liebe betrachten wir kleine Häuser und Möbel, die das Rollenspiel sehr viel realistischer gestalten können. Am Stand der Waldritter erfahren wir mehr über den pädagogischen Nutzen des Liverollenspiels. Der Verein Waldritter e.V. ist deutschlandweit tätig und bietet Liverollenspiel für Kinder an. Natürlich wird dies von pädagogisch geschultem Personal durchgeführt. Das LARP für kleine Helden ist laut Broschüre „eine Mischung aus Schnitzeljagd, Waldquiz, Verstecken und Theaterspiel“. Auch klassischer Stoff wie das Nibelungenlied oder Schillers Die Räuber werden gespielt. „Kinder können sich noch mehr in die Geschichte hineinversetzen. „Das ist oft episches Rollenspiel“, sagt Waldritterin Jennifer. Am Stand gibt es auch eine Verlosung, die dem Verein zugute kommt. Wir kaufen zwei Lose, haben aber kein Glück. Es gibt aber einen Trostpreis. Bewaffnet mit einer kleinen Muschel und Glitzer verlassen wir die Szenerie.

Eine Begegnung mit dem Lord Commander James Cosmo

An einem Stand treffen wir auf den Game-of-Thrones-Star James Cosmo, der sogar bereit ist, einige Fragen zu beantworten.

James Cosmo

Foto: Carsten A. Dahlmann

Wir wollen von ihm wissen, ob er die Bücher zur Serie gelesen habe. „Nein, ich habe nur das Skript zu Serie gelesen. Ich wusste aber, was mit meinem Charakter passieren wird, weil es mir jemand erzählt hat“, berichtet der Schauspieler. (Der Lord Commander stirbt aufgrund von Verrat am Craster’s Keep). War er traurig, in der dritten Staffel aus der Serie auszusteigen? „Nein, ich mochte es sehr mitzuspielen und es hat großen Spaß gemacht, aber drei Staffeln sind genug.“ Favorisiert er ein bestimmtes Haus? „Nein, die Nachtwache ist schließlich neutral. Ich fände es aber gut, würde Jon Snow König werden“, sagt Cosmo lachend.

Musik und Mittelalter auf dem Außengelände

Auf dem Außengelände sehen wir einen riesigen Haufen Stände, wo der Freund des gelebten Mittelalters allerlei Speisen, Met und Kram erwerben kann. Auf einer Bühne spielen bekannte Musiker wie die Barden der Mittelalter-Schlagerband Schandmaul, aber auch noch unbekanntere und junge Bands.

Mythemia

Foto: Carsten A. Dahlmann

Wir lauschen der Medieval-Folk-Band Mythemia, einer Nachwuchsband aus Bielefeld, die gerade an ihrem ersten Album arbeitet. Sängerin Shilan Anderson hat nicht nur einen wohlklingenden Namen, sondern auch eine überaus ausdrucksvolle Stimme. Die Themen der Songs passen gut zur RPC. „Wir singen über Mythen, Geschichten und Märchen“, berichtet Shilan.

Wir hören eine Weile zu und pilgern dann zum Metstand, bis wir müde und zufrieden die Veranstaltung verlassen. Nächstes Jahr wollen wir wiederkommen, das steht fest.

Ahoi, schönes Mädchen – oder das MPS im Fredenbaumpark

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Foto: Carsten A. Dahlmann

Auch dieses Jahr war es wieder so weit. Die Maiden und Recken von Wuppermond schnürten ihr Ränzlein und machten sich auf den Weg zum Mittelalterlichen Spectaculum in Dortmund. Der Fredenbaumpark ist eine idyllische Kulisse für den großen Mittelaltermarkt, der „phantastisch“, aber nicht authentisch sein will. Das diesjährige MPS in Dortmund ist das bisher längste MPS in der Region. Fünf Tage und Nächte konnten sich die Freunde des gelebten Mittelalters auf dem Markt aufhalten und ihren Lieblingsbands zuhören.

Wie bereits im Artikel vom letzten Jahr erwähnt, erfreut sich das Piratentum momentan größter Beliebtheit. Das liegt unter anderem an den Piratenbands, die auch in Dortmund wieder zu finden waren. So waren Mr. Hurley und die Pulveraffen, aber auch die schwedische Piratenband Ye Banished Privateers auf den Bühnen zu sehen. Der Refrain eines Gassenhauers mit dem Wortlaut „Ahoi, schönes Mädchen“ – und fragwürdigem Inhalt – verfolgte uns noch Stunden später. Wer hatte ihn uns angedreht? Waren es die Pulveraffen? Wir wissen es leider nicht mehr, da der Met in Strömen floss und die Sonne brannte. Auf unserer Wanderung entlang des großen Gewässers hatten wir auch die Gelegenheit, ein Piratenlager zu sehen.

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Foto: Carsten A. Dahlmann

Nicht nur Piraten, sondern auch minderjährige Gänse erfreuten das Publikum. Da auch viele Menschen beschlossen hatten, sich zu vermehren, gab es spezielle Zelte für Eltern, in denen sie den Unrat ihres Nachwuchses entsorgen konnten. Hier rechts sehen wir einen modernen Vater, der kurz davor steht, das Wickelzelt zu nutzen.

Wenn die Sonne untergeht, wird es noch gemütlicher auf dem MPS. Große Feuer werden entzündet und man muss aufpassen, nicht hinein zu fallen. Das Team von Wuppermond erfreute sich an Versengold und beobachtete die Gaukler bei ihrem Spiel mit dem heißen Element.  Hier trafen wir auch Lena und Heini, die uns ihre Säbel und ihre Pistolen zeigten. Auf nicht unfreundliche Weise. Ehrlich.

Wer das MPS verpasst hat und jetzt feuchte Tränen in sein Kissen weint, kann aufatmen. Am 2. und am 3. August ist das Mittelalterfestival eures Vertrauens in Köln am Fühlinger See zu finden. Einer der schönsten Standorte, die Planwiese in Telgte, lädt am 16. und 17. August zu Met und Miezen ein. Mehr unter Spectaculum.de.

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Foto: Carsten A. Dahlmann

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Foto: Carsten A. Dahlmann

 

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Foto: Carsten A. Dahlmann

 

 

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