Stadthalle: Phantastische Klänge im Mendelssohn-Saal

449px-Charles_Baudelaire_1855_NadarAm vergangenen Sonntag widmete sich die Veranstaltungsreihe Saitenspiel: Musikmetropolen einer ganz besonders schillernden Weltstadt und einer faszinierenden und kulturell ungemein produktiven Epoche. Die Harfenistin Fabiana Trani, die Streicher vom Zemlinsky-Quartett und der Schauspieler und renommierte Synchronsprecher Sascha Rotermund ließen mit Musik, Poesie und Schauergeschichte das zwischen rauschhafter Lebensfreude und morbider Dekadenz taumelnde Paris des Fin de siècle lebendig werden. Das in jeder Hinsicht passende Ambiente dazu bot der Mendelssohn-Saal der im Jahr 1900 eröffneten Historischen Stadthalle Wuppertal. Schon beim Anblick der prachtvollen Belle Epoque-Fassade konnten sich die Besucher auf gut zwei Stunden Kulturgenuss im Geiste der vorletzten Jahrhundertwende einstimmen. Die Besetzung an diesem Abend war international und namhaft: Sascha Rotermund gastiert nicht nur als Bühnenschauspieler in vielen deutschen Theatern, sondern lieh seine Stimme auch schon Benedict Cumberbatch (The Hobbit, Twelve years a slave, Star Trek), Christian Bale (Public enemies), Jon Hamm (Mad Men) und Lee Pace (The Fall, Pushing daisies). Die national und international preisgekrönte Triester Harfenistin Fabiana Trani absolvierte ein Studium am Konservatorium „Giuseppe Tartini“, unterrichtet seit 1997 selber eine Harfenklasse an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf und ist seit vielen Jahren Solo-Harfenistin bei den Düsseldorfer Symphonikern. Ebenfalls international mehrfach ausgezeichnet ist das Prager Zemlinsky Quartett, welches inzwischen über 20 CDs seiner Einspielungen veröffentlicht hat.

Im Wechsel mit den musikalischen Zwischenspielen von Harfe und Streichquartett las der charismatische Rotermund in der ersten Hälfte des Programmes mit wohlklingender Stimme Gedichte aus Charles Baudelaires (1821-1867) Sammlungen Die Blumen des Bösen und Der Spleen von Paris. Der skandalumwitterte Dichter Baudelaire starb zwar bereits 1867, aber seine Lyrik und auch seine Persönlichkeit waren vorbildhaft für die antibürgerlichen und dekadenten Poeten, Schriftsteller, Dandies und Bohemiens der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Einige der in den Fleurs de mal enthaltenen Gedichte brachten ihrem Verfasser einen Gerichtsprozess wegen „Beleidigung der öffentlichen Moral“ ein. Claude Debussys (1862-1918) Danses sacrées et profanes von 1904 und Maurice Ravels (1875-1937) Streichquartett F-Dur passten klanglich und atmosphärisch ausgezeichnet zu den rauschhaften Versen des Dandy-Poeten. Mal pittoresk und märchenhaft versponnen, mal weihevoll, mal morbide und gespenstisch entführten sie die Hörer in die fremdartige und schwüle Atmosphäre des Fin de siécle. Nach einer kurzen Pause begann die zweite Stunde des Saitenspiels mit Baudelaires Gedicht Die Uhr und Igor Strawinskys (1882-1971) Concertino für Streichquartett aus dem Jahr 1920. Edgar Allan Poes (1809-1849) Gruselklassiker Die Maske des Roten Todes, bei dem Sascha Rotermund sein Talent noch einmal voll entfalten konnte, und André Caplets (1878-1925) von ebenjener Erzählung inspiriertes  Conte Fantastique für Harfe und Streichquartett  bildeten dann noch einmal einen thematischen Block und gleichzeitig den würdigen Abschluss des Abends. Die Geschichte vom schaurigen Ende des Prinzen Prospero und seiner genusssüchtigen Gäste, welche sich während einer Epidemie des Roten Todes in einem Schloss verbarrikadieren und dort rauschende Feste feiern, während außerhalb der sicheren Mauern die Menschen in Scharen der Seuche zum Opfer fallen, gibt die Weltuntergangsstimmung des Fin de siècle außerordentlich gut wieder. Und so ist es alles andere als ein Zufall, dass sie sich, auch in den französischen Übersetzungen Baudelaires, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert besonderer Beliebtheit erfreute. Instrumentierung und Arrangement der Conte fantastique  gaben die Handlung und die fremdartig-düstere Atmosphäre von Poes Meistererzählung perfekt wieder, begannen mit sehr melodiösen, aber bizarr anmutenden Harfenklängen und steigerten sich schnell zu abrupten und extremen Wechseln und einer immer offensichtlicheren Bedrohlichkeit des Geschehens.

Die eindrucksvolle Kombination aus Musik und gelesenem Wort erntete verdientermaßen ausgiebigen Applaus, und so kann man das „Saitenspiel“ zum Thema Paris des Fin de siècle mit Sicherheit als einen für Künstler und Publikum gelungenen Abend bezeichnen. Eine Fortsetzung findet die Veranstaltungsreihe, wenn am 1. Juni Klavierwerke von Robert und Clara Schumann sowie Johannes Brahms an das Zusammentreffen der drei Komponisten im Düsseldorf des Jahres 1853 erinnern sollen.

Erstes Medieval & Folk Festival in Solingen

Folkfestival

Piraten, Tänzerinnen und mittelalterlicher Folk erwarten die Bewohner des Bergischen Landes an diesem Wochenende. Die Kneipe „Em Kotten“ in der Solinger Innenstadt öffnet seine Pforten für Mittelalterfans,  Freunde des gepflegten Musikgenusses und Schaulustige. Die Habenichtse, Feuerseele, die Plankensänger, die Galgenvögel und Elmsfeuer stellen das Line-up.  Auch Weibsvolk wird anwesend sein, zum Beispiel Tribal-Dance-Truppe MaidendanZ. Wer gewandet kommt, wird mit einem „Kottenkirsch“ belohnt. Auch Freitag ereignet sich etwas. Im Tom Bombadil  – ihr kennt es sicherlich – werden zahlreiche Barden schon vorab eine Probe Ihres Gesangs abgeben. Mit dabei sind zum Beispiel Die Pummelelfen oder hoch motivierte Mitglieder der Habenichtse.  Die tapferen Männer und Frauen von Wuppermond sind euphorisch und werden am Samstag anreisen.

 

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