Fantasy-Pub Voyager – Reise in ferne Welten und Zeiten

Ein Pub für Rollenspieler, Larper und Freunde des Mittelalters soll in der pittoresken Bonner Altstadt eröffnet werden. Eine gute Nachricht, denn die Auswahl an Kneipen, die dieses Angebot bieten, ist leider immer noch – trotz gestiegener Nachfrage – nicht sehr groß. Wuppermond hat mit der Archäologin Astrid Schröder gesprochen, die zusammen mit ihrem Geschäftspartner Kay Schildknecht diese heroische und längst fällige Unternehmung angeht.

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Grafik: Astrid Schröder

Die geplante Lokalität ist offen für Rollenspieler und Gamer aller Couleur. Erscheinen darf der Gast entweder im Magierkostüm oder in Jeans und Turnschuhen. „Wir planen keine Gewandungspflicht“, versichert Astrid. „Leute, die einfach nur Brettspiele spielen wollen, sind genauso willkommen wie Larper oder Cosplayer“, erklärt sie. Für das leibliche Wohl der Gäste sollen kleine Gerichte und Snacks sorgen. Interessant ist, dass auch – ganz unmittelalterlich – vegane Speisen zum Programm gehören werden. Für Freunde des gepflegten Alkoholgenusses jenseits des Mainstreams werden laut Astrid „untypische Biersorten sowie Met und Cider“ im künftigen Pub ausgeschenkt. „Aber kein Alt-Bier“, da sei ihr Partner Lokalpatriot und stelle sich quer. Aber wen kümmert das schnöde Bier, wenn es verschiedene Gewürzweine und Metsorten an der Theke gibt? Regelmäßige Wein- und Met-Proben sollen den alkoholischen Horizont des Publikums erweitern.

Bevor der Pub der Herzen eröffnet werden kann, stellt sich allerdings noch die Frage der Finanzierung. Diese wird zum Teil mit Eigenkapital sowie mit privaten Investoren gestemmt. Da dies aber noch nicht ganz ausreicht, haben Astrid und Kay eine Aktion auf der Crowd-Fundraising-Plattform www.indiegogo.com gestartet. 50. 000 Euro sollen dort bis Ende November zusammenkommen, damit die Lokalität im Frühjahr 2014 ihre  Pforten öffnen kann. Die Redaktion von Wuppermond wünscht viel Erfolg!

Uruk – 5000 Jahre Megacity

Die Ausstellung „Uruk – 5000 Jahre Megacity“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

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Fotograf: TangLung

50.000 Menschen reichten vor 5.000 Jahren aus, damit eine Stadt als Großstadt bezeichnet werden konnte. Was aus heutiger Sicht eher wenig klingt, war in Mesopotamien eine Ungeheuerlichkeit, die Gesellschaft, Religion und Wirtschaft beeinflusste. Was in Dörfern per Handschlag und mündlich erledigt werden konnte, war für eine Stadt dieser Größe nicht mehr möglich. Man wusste sich zu helfen und entwickelte kurzerhand ein Schriftsystem.

Wie es dazu kam, kann der europäische Besucher seit dem 3. November 2013 im LWL-Museum für Archäologie in Herne besichtigen. Dort nämlich läuft noch bis Mitte April die neue Sonderausstellung „Uruk – 5000 Jahre Megacity“. Nach ihrem großen Erfolg im Vorderasiatischen Museum von Berlin, das 400.000 Besucher verzeichnen konnte, sollte die Ausstellung ursprünglich an die Reiß-Engelhorn-Museen in Mannheim gehen, die sich für die Idee der Ausstellung verantwortlich zeigten. Da dort aber zurzeit und noch in naher Zukunft den Wittelsbachern gehuldigt wird, war schlicht kein Raum und kaum Zeit da, um sich den Erfindern der Schrift, der Verwaltung und der Literatur zu widmen.

So griff Herne zu. In nur drei Monaten hat das Team um Museumsdirektor Josef Mühlenbrock nahezu Unmögliches geschafft – freilich mit Einbußen in die eigene schöpferische Freiheit. Die kurze Zeit ließ keine Möglichkeit, der Ausstellung einen eigenen gestalteten Stempel aufzudrücken. Weder im Ausstellungsdesign noch bei den Vitrinen konnte man auf eigene Ideen setzen und übernahm daher Vitrinen und Gestaltung, wenn auch für die große Ausstellungshalle in Herne leicht modifiziert, der Berliner Ausstellung. Gerade auf die gebrauchten Vitrinen zurückgreifen zu müssen, ist ein deutlicher Minuspunkt. So wackeln Schubladengriffe, automatische Funktionen sind unbrauchbar und einige Vitrinen haben einen Sprung.

Das aber ist auch schon das einzige Manko der Ausstellung. Betritt man diese, so ist der Kulturwissenschaftler gleich in seinem Element. Golden glänzend erscheinen Verse des Gilgamesch-Epos vor seinen Augen, flankiert von Tontafeln, die die Helden Gilgamesch und Enkidu zeigen. Heimlicher Held der beiden Ausstellungskoordinatorinnen Susanne Jülich und Constanze Döhrer aber ist der Gegner der beiden – der Dämon Humbaba, dessen Maske aus Gedärmen eine starke morbide Faszination ausübt. Diese wird aber sofort gebrochen, indem man dessen Abbild im museumspädagogischen Begleitprogramm Kindern zum Ausmalen reicht.

Dann schließlich betritt man die große Halle. Im Schatten eines Panoramabildes von Shanghai, der Megacity von heute, sieht man auf die Reste der Megacity von einst. 50.000 Menschen lebten hier, in einer Stadt, die politisch wohl keine besondere Rolle spielte, in der aber der Handel blühte und die Verwaltung wuchs – und das über einen Zeitraum, der länger andauerte als die bisherige Existenz der ewigen Stadt Rom. Erst die Wüste machte dem Ort ein Ende und sorgte für eine einzigartige Konservierung des fünf Quadratkilometer großen Areals, das nicht überbaut wurde.

So kann der Besucher der Ausstellung heute nachvollziehen, wie sich vor 5.000 Jahren die Schrift entwickelte. Der Grund dafür wird so manchen eitlen Bildungsbürger und überheblichen Geistesmenschen verzweifeln lassen. Nicht die Huldigung eines Gottes oder das plötzlich erwachte Interesse an schöner Literatur brachte die Menschen in Uruk dazu, mit einem Keil in Tontafeln zu ritzen. Einzig der pragmatische Grund der Verwaltung und des Handels war es, der erst dafür sorgte, Bilder zu zeichnen und diese langsam zu Schriftzeichen einer Silbensprache abstrahierte. Unzählige Listen, unter anderem eine Tontafel, in der 54 Begriffe rund um das Schwein aufgezählt werden, nicht nur Arten, sondern auch Zubereitungen, Metzgereiwerkzeug und Ähnliches sind darauf wohl zu Schreibübungen verzeichnet. Rollsiegel, die ein Produkt kennzeichneten, sind vorhanden und kleine Schiffs- und Pferdemodelle, die zeigen, mit welchen Mitteln die Stadt beliefert wurde.

Aber auch das Göttliche kam in Uruk nicht zu kurz. Zwar mussten erst Händler und Beamte die Schrift erfinden, aber die Priester erkannten ihren Nutzen schnell und rühmten Ischtar, die Stadtgöttin, nutzten die Buchstaben zur Abschirmung böser Götter. Andere Nutznießer waren die Könige, die sich und ihre Vorfahren in Epen rühmen ließen – wie eben dem Gilgamesch-Epos.

Zwar bleibt nur, wer schreibt, aber auch die darstellende Kunst florierte in Uruk. In Herne gibt es mannigfaltige Vasen, Schalen und Statuen zu bewundern, die Tiere darstellen. Vor allem Rinder und Schafe finden sich in zahlreicher Form. Die Verehrung dieser Tiere scheint ein Phänomen zu sein, das sich von Indien über das Zweistromland und Ägypten bis nach Ostafrika hingezogen hat und zieht.

So lernt der Besucher der Ausstellung Unzähliges über einen nicht vergessenen, aber doch unbekannten Aspekt seiner Kultur. Ex oriente lux. Diese Phrase des Lateinunterrichts wird nirgendwo so deutlich wie in Uruk. Die Wurzeln des Abendlandes liegen im Morgenland. Das zeigt die Ausstellung in Herne ganz deutlich.

Uruk – 5000 Jahre Megacity. Vom 3. November 2013 bis zum 21. April 2014 im LWL-Museum für Archäologie – Westfälisches Landesmuseum in Herne. Der Eintritt liegt bei 5,00 € pro Person. Der Katalog ist im Imhoff Verlag erschienen und kostet im Museum 24,95 €.

Disclaimer: Der Autor hat in der Abschlussphase bei den Vorbereitungen zur Ausstellung ehrenamtlich als Vitrinenputzer, Beleuchter, Caterer und Rechercheur mit gewirkt. Seine Eindrücke schildert er hier: Inside Uruk – wie eine Ausstellung entsteht.

Das Gauklerpack spielt auf im Tack

Gauklerpack (Foto: Lux Homini)

Gauklerpack (Foto: Lux Homini)

„Firlefanz und Narretey“ sind die Leitsterne der kunterbunten Musiker-Gaukler-Tänzer-Gruppe „Das Gauklerpack“, die am 16. November ihr erstes offizielles Konzert in der mittelalterlichen Taverne „Hotel Tack – zum alten Recken“ in Solingen gab. Entsprechend aufgeregt waren die Künstler und auch das Publikum, viele davon Freunde und Verwandte der siebenköpfigen Besetzung. Der Einlass war bereits um 17.00 Uhr, so blieb reichlich Zeit, die bürgerliche Küche des Hotel Tacks zu verköstigen und sich zu unterhalten. Die leicht nervösen Künstler mischten sich ebenfalls unter das größtenteils gewandete Volk. Unter dem in der Mittelalterszene allseits bekannten und beliebten Gaukler Jeremias bildete sich im Jahr 2012 eine außergewöhnliche Gruppe mit gänzlich unterschiedlichen Talenten und Typen, welche eine gemeinsame Leidenschaft haben: Tanz, Musik und Unterhaltung! Als es dann um 20 Uhr endlich losging, war die zuvor noch fast greifbare Nervosität auf der Bühne wie hinfort geblasen.

Und die Freude an ihrer Leidenschaft sah und hörte man, als das Gauklerpack „Klabautermänner“, oder die „Göttin der Gerste und Gastfreundschaft“ besang und bei seichten Liebesliedern wie der „Narrenminne“ oder dem „Liebesbrief“ die Herzen der Frauen – und sicher auch die mancher Männer – zum Schmelzen brachten. Ihre Lieder gaben die Musiker auf Dudelsack, Geige, Lauten und Gitarren sowie vielen lauten Trommeln zum Besten. Doch begeisterte das Gauklerpack bei seinem Auftritt auch mit Gaukeley, Tanzweibern, Zaubertricks und einer spannenden Feuershow. Das Publikum ließ sich mitreißen und so wurde bald ausgelassen getanzt, getrunken und gelacht. Als die befreundete Band „Frendskopp“ noch mit zwei weiteren Dudelsäcken einstieg entlud sich die Stimmung vollends sowohl auf als auch vor der Bühne.

Das Außergewöhnliche am Gauklerpack ist die wahrlich bunte Besetzung. Gerade diese macht ihre Auftritte – welche normalerweise auf offenem Gelände, auf Mittelaltermärkten und vor allem ohne Mikrofone stattfinden – jedes Mal aufregend, außergewöhnlich und immer wieder ein kleines bisschen anders. Sicher kann man sich aber sein, dass es immer bunt und lustig zugeht.

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