Dinohippus trifft Donnerhall – Die Pferde-Geschichten im Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch

Seit das Fuhlrott-Museum in Wuppertal geschlossen und seine Sammlung auf viele Museen verteilt wurde, fehlt für die Bildung in Wuppertal eine wichtige Säule – zumal wenn man bedenkt, dass in Zukunft immer mehr Menschen gebraucht werden, die sich den MINT-Fächer widmen. Natürlich hat man als Wuppertaler nun die Möglichkeit in das hervorragende Museum König in Bonn zu fahren oder die nicht minder schönen Naturkundemussen in Dortmund oder Münster zu besuchen.

In Zeiten, in denen aber die Disziplingrenzen wieder verschwinden und Natur und Kultur als zwei Seiten einer Medaille angesehen werden, hat es durchaus seinen Reiz, auch Museen aufzusuchen, die sich einer solchen Verbindung verschrieben haben. Da man seit Mitte des Jahres 2013 bequem und günstig via Fernbus nach Oldenburg fahren kann, besteht nun die Möglichkeit, für seine Bestrebungen auch das Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg in Betracht zu ziehen, das seit 12. Oktober 2013 eine Ausstellung zeigt, die Naturwissenschaft und Kulturgeschichte miteinander zu verbinden weiß. Am Beispiel des Pferdes wird gezeigt, wie fruchtbar eine Kooperation dieser beiden Welten sein kann.

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Oldenburg selber bietet sich für eine Ausstellung dieser Art schon deshalb an, weil es die Heimat der berühmten Oldenburger Pferde ist – was man in der Ausstellung sichtlich spürt. Folgt man dem vorgegeben Pfad und biegt am Anfang rechts ab, so wird man mit Oldenburger Lokalkolorit überzogen. Das ist insofern aber gar kein wesentliches Problem, weil anhand dieser Einordnung, die klar auf das einheimische Publikum abzielt, ein Parcoursritt durch die Welt des Pferdesports für den Besucher beginnt. Neben der Geschichte der Zucht, die sich stark auf das britische Pferd Dark Roland, dessen Skelett und Herz ausgestellt ist, stützt, werden auch die Erfolge der Reiter und Züchter gezeigt. Sehr anschaulich anhand von Bildern, Utensilien und eines Filmes bespricht man die künstliche Besamung und kommt schließlich zum Zugpferd. Letztendlich verabschiedet man sich dann allmählich von Oldenburg und und geht gleich am Beispiel des Sattels zu den unterschiedliche Reiterkulturen in aller Welt über. Die Sattel der Mongolen sind ebenso dabei wie die der bolivanischen Gauchos.

Hier freilich unterlief den Planern ein kleiner Fehler, wenn man den Erstimport von Pferden und Rindern nach Amerika vom 16. Jahrhundert ins 18. verlegte. Über solche historischen Ungenauigkeiten aber tröstet der wunderbar arrangierte naturhistorische Bereich über die Evolution des Pferdes hinweg. Da die Evolutionsgeschichte des Pferdes zu den am besten erforschten Bereichen der Wirbeltiertevolution gehört, kann man auch nicht anderes erwarten. Die etwa auf ein Modell der Urpferde verwendete Liebe zum Detail sticht dabei besonders hervor und ein Abguss des bekannten Messeler-Urpferdes fehlt auch nicht. Begibt man sich dann in die Galerie, wird die gemeinsame Geschichte von Pferd und Mensch in einem Zeitrahmen von etwa 300.000 Jahren beleuchtet. Dass dabei große Sprünge gemacht werden müssen, versteht sich von selber. Umso erfreulicher ist es dann, wenn neben der griechisch-römischen nicht nur die germanische Beziehung zum Pferd dargestellt wird, sondern auch das Mittelalter nicht vergessen wird – selbst dann wenn dazu gar keine Exponate zu besehen sind, sondern anhand von Abbildungen etwa zu Odins Pferd oder des Oldenburger Sachsenspiegels besprochen werden. Leider fehlt, wie so oft, die biblische Dimension.

Der Teil über die nordamerikanischen Ureinwohner ist sehr enttäuschend. Die durchaus spannende Frage nach der Herkunft der Tiere bzw. der indianischen Reitkunst wird nicht angegangen, stattdessen wird man mit der im 19. Jahrhundert entstandenen Indianer-Romantik konfrontiert. Da hat man gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Naturkundemuseen immer sehr stark auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind, eine Chance auf Aufklärung vertan.

Auf der anderen Seite der Galerie schließlich wird das Pferd in der Kunst betrachtet. Die Auswahl der Objekte ist eher dürftig, große bekannte Gemälde, etwa Napoleons Zug über die Alpen, fehlen völlig. Dennoch sind die ausgewählten Bilder, die allesamt aus dem Oldenburger Land zur Verfügung gestellt wurden, durchaus repräsentativ. Dennoch hätte man sich hier eine bessere kulturhistorische Einordnung gewünscht.

Man merkt der Ausstellung an, dass sie nicht viel Geld zur Verfügung hatte. Monitore sind teilweise lieblos in die Ausstellung drapiert, der ein oder andere Druck wellt sich, der Film ist durch einen Museumsmitarbeiter entstanden, der zwar inhaltlich gut ist, aber handwerklich nicht überzeugt, etwa im Gebrauch der Zoomfunktion. Muss man den alten Züchter wirklich so nah an das Bild heran holen, dass selbst seine Poren zu sehen sind?

Dennoch – einen Besuch ist die Ausstellung allemal wert. Nicht nur, weil man ohne Probleme eineinhalb Stunden in ihr kurzweilig verbringen kann, sondern auch, um sich der Dauerausstellung inklusive Aquarium und Moorleichen zu widmen, was man sich bei einem regulären Preis von 4 € pro Person nicht entgehen lassen sollte.

„PferdeGeschichten. Vom Urpferd zum Sportpferd“ im Landesmuseum für Natur und Mensch, Oldenurg bis zum 9. März 2014. Der kleine Katalog, der leider nur einen Teil der Ausstellung vertiefend darstellt, kostet 17,90 €.

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