Das Mittelalterliche Phantasie Spectaculum in Telgte

„Nicht authentisch, sondern phantastisch“ ist das Motto des Mittelalterlichen Phantasie Spectaculums (MPS). Das durch viele Städte tourende Riesenevent als Mittelaltermarkt zu bezeichnen, wäre sicherlich untertrieben. Im Laufe der Jahre hat sich die Veranstaltung mehr und mehr zu einem Festival entwickelt, auf dem sich ein buntes Publikum unterschiedlichster Subkulturen, aber auch Familien von nebenan wohlfühlen. Das MPS wird in Telgte jährlich auf der riesigen Planwiese gefeiert.

Der malerische Ort Telgte liegt in der Nähe von Münster und ist als berühmter Wallfahrtsort bekannt. Die Planwiese, in dessen Nähe viele Besucher zelten, liegt direkt an der Ems. Dies ist eine ausgesprochen idyllische  Kulisse, aber sehr gefährlich für Betrunkene. Diese müssen auf dem abendlichen Weg zum Zelt von ihren Erziehungsberechtigten beaufsichtigt werden.

Wie das Redaktionsteam den Samstag verbrachte

Wie auf allen MPS ist der Samstag der Festivaltag, an dem verschiedene Bands auf fünf Bühnen zu sehen sind. Die obligatorischen Saltatio Mortis, das Niveau, Feuerschwanz, Versengold und noch viele weitere Bands spielen mehrmals pro Tag. Die Pagan-Folk-Bands Omnia und Faun sind in den Abendstunden zu sehen. Darüber hinaus können die Besucher die Reitkünste der Rittertruppe Ars Equitandi und etliche Gaukler bestaunen. Kleine und große Kinder kann man in einen Heuhaufen werfen oder an der Kinderbühne abgeben.

Es ist aber auch möglich, ein Monatsgehalt für dekorative Steine, Waffen und andere Mordinstrumente auszugeben. Wie man sieht, das Programm ist einfach ziemlich umfangreich. Eins ist auf dem sommerlichen MPS aber ziemlich sicher: die Wespen und der Met (man bekommt das eine nicht ohne das andere) sowie die Spielleute von Saltatio Mortis. Diese stellen in aller Frühe ihr neues Album „Das schwarze Einmaleins“ vor. Auch ein Stück des Albums, die „Galgenballade“ ist zu hören. Wir haben Ihnen einige Zeit zugehört, bis die Reckinnen und Recken von Feuerschwanz auftraten.

„Bück Dich, Fee“ oder wie Feuerschwanz von Fee Holger belästigt wurden

Wer Feuerschwanz noch nicht kennt, sollte wissen, dass das Credo der Band „Met und Miezen“ sehr ernst genommen wird. Der Alkohol und auch die Sexualität sind zentrale Motive in den lebenslustigen Texten der Erlanger Band. Die Fans lieben und schätzen die immer wiederkehrenden Rituale wie das, eine (männliche) Fee auf die Bühne zu holen und die Texte so auch anschaulich darzustellen. Die auf die Bühne geholte Fee Holger zeigt sich hochmotiviert, wollte aber aktiver ins Geschehen eingreifen, was vor allen für Prinz Hodenherz schmerzlich wurde.

Die Fee ist später auf einem Ritter davon geritten. Warum, das ist allen unklar. Später wird Fee Holger dabei beobachtet, wie er ein paar Jugendliche mit dem gleichen rosa Schlaginstrument traktiert. Wir haben die Gelegenheit, mit den Holger-Opfern zu sprechen. „Überfallen, vergewaltigt und gedemütigt, aber immerhin Autogramme von Feuerschwanz auf den Unterhosen“, ist das Fazit der Gruppe. „Es war eine Riesenblamage, aber wir hatten richtig Spaß und Schmerzen“, sagt Holger-Opfer Otto. Später sah das Redaktionsteam Fee Holger noch durch glühende Kohlen stapfen. Zufall? Ganz sicher nicht.

Die Besucher – oder was man so zu sehen bekommt 

Es gibt viel zu sehen, denn auch die Besucher des Marktes sind mehr als nur einen Blick wert. Wir können Besucher im Steampunk- und Gothicstil entdecken, die sich das MPS zum Anlass genommen haben, sich mit viel Phantasie herauszuputzen. Darüber hinaus entdecken wir mehrere lebendige Animefiguren und auch den mittelalterlichen Sommerlook des Jahres 2013. Piraten sind definitiv in Mode.

Wir versuchen erfolgreich, die Menschen mit den schönsten Klamotten anzusprechen. Wir sehen Bruder Bommek, der gut gelaunt über den Markt flaniert. Er ist in eine schlichte Kutte gehüllt und trägt ein großes Kreuz um den Hals. „Auf das Kreuz bin ich besonders stolz. Es ist 150 Jahre alt und stammt aus einer Kirche. Man kann sogar noch den Weihrauch riechen“, erklärt er. 

Besucherin Miriam, mit täuschend echten Vampirzähnen ausgestattet,  ist ein großer Fan des MPS und verbringt ihre Zeit dort größtenteils tanzend. „Ich liebe das MPS einfach“, sagt sie.

Chillige Gesänge und Klänge – wie die Spielleute von Omnia und Faun auftraten

Wer nicht auf zotige Texte über Alkohol und den physischen Teil der Liebe steht, kann seiner Liebe zur Natur und zum paganen Gedankengut auf dem Konzert der holländischen Band Omnia vertiefen. Die Texte der lustigen Niederländer drehen sich um die Liebe zur Natur oder zu den alten Göttern. Die Band nutzt Instrumente aus verschiedenen Kulturkreisen wie Harfe, Didgeridoo oder die keltische Bodhrán-Trommel. So hat die Musik der Truppe einen deutlichen Wiedererkennungswert.

Mit Gesang, musikalischer Vielfalt und politischen Statements von Sänger Sid bringt die Band ein putzig gekleidetes Publikum zum Tanzen.

Zur eher entspannten Stimmung passen auch Faun, die später auf der gleichen Bühne zu sehen sind. Die Band, die bekannt für einen sphärischen Gesang ist, bei dem männliche und weibliche Stimmen eine perfekte Harmonie bilden,  haben in der Vergangenheit historische und romantische Texte interpretiert. Besonders bekannt ist eine Version der isländischen „Egil saga“. Gerade in den Abendstunden ist das MPS ideal, da viele Lichter und Kerzen eine besinnliche Stimmung schaffen. Viele kleine Feuer sorgen zudem für  eine zauberhafte Atmosphäre, in die sich Faun ideal einfügen. Stimmungsvoll ist die Musik von Faun immer noch, aber das Label „Pagan-Folk“ mag seit dem neuesten Album „Von den Elben“ nicht mehr passen. Das auch kommerziell erfolgreiche Lied „Diese kalte Nacht“ ist recht hübsch,  kommt aber an frühere Werke nicht heran. 

Zu einem typischen Samstag-Abend auf dem MPS gehört natürlich auch der Auftritt diverser Feuerkünstler. Zu sehen sind der Feuerkünstler Henry Hot, die Feuervögel, das Fakirduo Rafftan, das Duo Spiral Fire, das Duo Forzarello, der Gaukler Bagatelli und der Gaukler Alf. Danach ist es möglich, den Abend an vielen Lagerfeuern ausklingen zu lassen.

Wie das Redaktionsteam am Sonntag erwachte und erneut den Markt besuchte

Nach dem sehr festivallastigen Samstag haben wir nun Zeit, uns die anderen Attraktionen des MPS genauer anzusehen, zum Beispiel das Lagerleben. Ungefähr 1.000 Heerlager (eine ganz schöne Menge) waren dieses Jahr bei allen Märkten angemeldet. Doch was machen diese Menschen eigentlich die ganze Zeit? 

Das Lager TR Kimminus, dessen Mitglieder aus Münster und dem Kreis Coesfeld kommen, hat sein Lager ebenfalls auf der Planwiese aufgeschlagen.Eine Suppe kocht gerade über einem lodernden Feuer, aufgehangene Kräuter und Ledersäckchen sind ebenfalls zu sehen. „Wir kochen, gehen in Gruppen über den Markt und beantworten die Fragen der Besucher“, sagt Lagermitglied Jonas. Auch der Kampf mit echten Metallwaffen gehört zu dem Geschäft der Gruppe. „Wir kämpfen in Vollkontakt mit Beilen, Säbeln, Schwertern, Äxten und vielen anderen Waffen“, sagt er. Doch nicht nur das Kriegshandwerk, sondern auch die Kräuterkunde kommt im Lager nicht zu kurz. Der Rinder-Kartoffel-Eintopf wird nur mit selbst angebauten Kräutern gekocht. „Ich habe Bärlauch, Selleriewurzel, Schnittlauch, Petersilie und Maggiekraut verwendet“, sagt Lagermitglied Anita. Ist alles im Lager authentisch? „Wir legen Wert auf Authentizität, allerdings nur bis einem gewissen Grad“, erklärt Anita. Das Lagerleben macht einen gemütlichen Eindruck, aber die tapferen Maiden und Recken von Wuppermond reisen weiter, denn wir haben eine Verabredung mit dem Marktvogt.

Wir wollen wisssen, wie die Telgter zu dem großen Ereignis stehen. „Wir haben einen großen Zulauf, da das MPS ein Traditionsfest ist. Wir sind mittlerweile das 19. Mal hier“, sagt Ede Ball. Es gebe ein paar Kritiker, doch insgesamt komme man gut zurecht. Auch der Lichter-Weihnachtsmarkt werde im Dezember wieder stattfinden. Wie war die Saison? Der Start in die Saison sei etwas holprig verlaufen. „Die ersten sechs Wochen waren komplett verregnet, der zweite Teil der Saison aber fast optimal“, sagt Ball. Das Wetter sei oft ein Problem. „Unterstützt uns, indem ihr die Tickets im Vorverkauf kauft“, appelliert Ball an die Besucher. Darüber hinaus bemühe man sich, soziale Eintrittspreise zu erheben. „Der Sonntag ist bei uns der Familientag, für Familien und Menschen mit kleinem Geldbeutel. Rentner ab 66 und Kinder unter 15 Jahren müssen keinen Eintritt zahlen“, erklärt der Marktvogt.

Mit diesen Informationen versorgt, spazieren wir über den Markt und betrachten die Waren der Händler. Zum Beispiel ausgefallene Musikinstrumente, die an einem Stand zu sehen sind. Regenmacher, eine Maultrommel und kleine Eulenflöten aus Holz, die, wenn man hereinpustet, täuschend echte Eulenschreie hervorbringen. Erik arbeitet an dem Stand und demonstriert alle Musikinstrumente. Er beherrscht das Didgeridoo, aber auch die Cajon. Diese Kiste ersetzt ein ganzes Schlagzeug. „Ursprünglich wurde dieses Instrument von afrikanischen Sklaven erfunden, denen man ihre Trommeln weggenommen hat“, erklärt Erik. Wir könnten noch stundenlang an diesem Stand stehen, doch wir reisen ab. Es gibt einfach viel zu viel zu sehen.

Apropos: Unten könnt ihr noch eine Auswahl der schönsten Fotos vom Wochenende bestaunen – und somit die erste Wuppermond-Gallery.

MegaBerlin – Spuk unterm Riesenrad – ein Geocaching-Event in Berlin

Geocaching: Das ist moderne Schnitzeljagd mithilfe eines GPS-Geräts, dem Internet und diversen anderen Hilfsmitteln wie zum Beispiel Taschen- oder UV-Lampen, Kletterausrüstung etc. Man registriert sich auf geocaching.com, sucht sich einen Cache aus, dessen Beschreibung einem zusagt, und macht sich auf die Suche. Mal ist es einfach nur eine Dose unter einem Stein, die gefunden werden will, mal muss man aber auch einen Baum hochklettern oder anspruchsvolle Rätsel unterwegs lösen, um mehrere Stationen zu durchlaufen. In diesem Fall ist es ein Mega-Event-Cache, also ein Treffen sehr vieler Geocacher an einem besonderen Ort.

Als wir am Eingang eintreffen, sind schon dutzende Menschen auf dem Vorplatz versammelt, viele mit Papiertüten in der Hand, andere nur mit einem Zettel, auf der Suche nach dem richtigen Zelt, in dem es das bereits Wochen zuvor gebuchte Paket abzuholen gibt. Ich suche nach dem Zelt für die Nummer 182 und werde sofort fündig, zeige meine Buchungsbestätigung vor und erhalte ebenfalls eine Papiertüte. Der Inhalt: mein bereits im Mai bestelltes „Silber-Paket“ bestehend aus einem bedruckten Shirt, einer Geocoin, zwei Regenponchos und zwei Namensschildern. Man bindet mir noch ein Festivalbändchen ums Handgelenk und gibt mir einen Plan vom Gelände. Vorbei an der Crew an der Einlasskontrolle, und wir sind auf dem Gelände.

Bahnhof und Zugklein

Da sind wir nun also: MegaBerlin 2013 im Spreepark in Berlin. Ein Geocaching-Mega-Event, auf das ich mich schon seit Ende Mai freue.

Es ist Samstag, der 03. August gegen 10 Uhr. Die Sonne brennt und es sind bereits über 30 Grad. Vor uns liegt nun der alte Vergnügungspark in Berlin, der im Jahre 2001 endgültig geschlossen wurde. Für das gemeine Fußvolk normalerweise gesperrt, öffnet der Park im Rahmen dieses Geocaching-Events noch einmal seine Pforten. Ein „Lost Place“, wie er im Buche steht. Lost Place, das bedeutet ein Ort, der verlassen, aufgegeben oder vergessen wurde, ein Ort, der langsam verfällt.

Riesenradklein

So auch der ehemalige Vergnügungspark in Berlins Plänterwald. Das markanteste Überbleibsel ist wohl das alte Riesenrad, das sich über die Baumkronen erhebt und wie von Geisterhand bewegt langsam im Wind dreht. Wir überqueren die Schienen der alten Eisenbahn, die zu Lebzeiten des Parks stündlich Hunderten von Besuchern eine Rundfahrt durch den Park ermöglichte. Wir gehen den Hauptweg entlang, vorbei an eigens für diesen Tag noch einmal aufgebauten Grill- und Getränkeständen. Für das leibliche Wohl ist also gesorgt.

Wir passieren alte Dinosaurierskulpturen in Lebensgröße, ein T-Rex liegt umgekippt auf der Seite, die Zähne heraus- und der Schwanz abgebrochen. Erinnerungen an meine Kindheit werden wach, damals, als ich mit meinen Eltern auch Vergnügungsparks mit Dinosauriern besuchte.

Es geht weiter durch den Wald. Hier und da haben Sponsoren ihr Equipment aufgebaut. Wer Lust hat, kann mit der zur Verfügung gestellten Kletterausrüstung versuchen, einen Baum bis zu 10 Meter zu erklimmen. Da wir darin alle schon geübt sind, sparen wir uns diese Strapazen bei den Temperaturen. Wir kommen auf dem Marktplatz an. Hier gibt es nicht nur die Anlage einer alten Wasserbahn-Attraktion zu bestaunen, es bieten auch viele Händler und Firmen alle erdenklichen Dinge an, die auch nur entfernt etwas mit Geocaching zu tun haben.

Hier ist von Navigationsgeräten über Travelbugs/Geocoins (das sind über das Internet nachverfolgbare Tauschgegenstände) bis hin zu Taschenlampen und Kletterausrüstung (Seile, Gurte, Karabinerhaken etc.) wirklich für jeden etwas dabei. Die akkubetriebene Seilwinde für bis zu 250 kg Nutzlast zum Beispiel ist hier schon für 8.000 € zu haben.

Wir schlendern zwischen den Marktständen umher, immer wieder fällt der Blick auf das alte Riesenrad, ein roter rostiger Stahlkoloss mit verschiedenfarbigen Gondeln, dem wir nun schon so nahe gekommen sind.

Schienen und Bahnhofklein

Wir gehen weiter, denn durch die Bäume kann man die Überreste einer alten Achterbahn erkennen. Als wir den Eingangsbereich der Bahn erreichen, macht sich die Lost-Place-Stimmung so richtig breit. Wir sehen eine komplett erhaltene Achterbahn, im Bahnhof steht sogar noch ein Zug, so als seien eben noch die Fahrgäste ausgestiegen. Doch die Schienen wurden schon seit Jahren nicht mehr benutzt. Sie sind leicht rostig, und die Natur holt sich langsam zurück, was der Mensch ihr genommen hat. Kleine Bäume wachsen zwischen den Gleisen empor, Äste und Ranken ragen über die Schienen. Fast schon gespenstisch wirkt es, wie in diesem Wald hinter dem Bahnhof die Schienen der Achterbahn in dem weit aufgerissenen Schlund einer meterhohen bunten Monstermaske im Dunkeln verschwinden. Schlundklein

Wir verweilen einige Zeit hier und lassen dieses Bild und die Stimmung auf uns wirken. Ich stelle mir vor, dass zur Jahrtausendwende noch reger Betrieb geherrscht hat und der Park vielen Kindern einen schönen Tag beschert haben muss. Ein Gefühl von Wehmut macht sich breit. 

Die Führung, zu der wir angemeldet sind, beginnt gleich, und so schlendern wir langsam zurück zum Versammlungsplatz. Wir haben Glück: Der junge Mann, der uns durch den Park führt, hat hier früher sogar selbst einmal gearbeitet, und so bekommen wir eine Menge interessanter Geschichten und Hintergrundinfos aus erster Hand erzählt. Besondere Erwähnung findet hier die noch zum Teil erhaltene „Französische Hütchenbahn“, die nicht nur aufgrund des lachhaften Namens (Chapeau Claque – die fahrenden Riesenhüte), sondern auch wegen ihres lächerlichen Aussehens für Erheiterung in der Gruppe sorgt. Es handelte sich um an Stromschienen fahrende, begrenzt lenkbare kleine Autos für vier Personen mit Mund und Schnauzbart als Motorhaube und einem Hut als Dach. Leider ist die Führung schon nach knapp einer Stunde wieder vorbei. Schade, ich hätte ihm noch stundenlang zuhören können.

Hutbahnklein

 Wir machen eine kleine Pause, setzen uns auf einen der wenigen und heiß begehrten Schattenplätze, nachdem wir uns in die langen Warteschlangen eingereiht und letztendlich mit Getränken und Bratwurst eingedeckt haben. Es schlendern Leute mit Travelbugs auf T-Shirts an uns vorbei, ich notiere mir die Tracking-Codes, um diese später online zu loggen. Andere Geocacher fotografieren mein Shirt, auf dem ebenfalls ein Tracking-Code abgedruckt ist. Nach der Verschnaufpause statten wir dem Logbuch einen Besuch ab, denn dieses Event ist zugleich auch ein Geocache, der geloggt werden will. Das Logbuch liegt auf einem langen Tisch ausgebreitet und besteht aus unzähligen großen Plastiktafeln, auf denen schon viele andere vor uns ihren Namen mit einem Filzschreiber oder ihrem persönlichen Stempel verewigt haben.

Zum Schluss stellen wir uns noch an der Schlange der Eisenbahn am Parkeingang an. Wir müssen zwei Zugrundfahrten warten, ehe auch wir endlich einsteigen können. Die Fahrt dauert gut 15 Minuten und führt uns noch einmal an allen noch im Park befindlichen Attraktionen bzw. Ruinen vorbei. Wir überqueren das Wasserbecken der alten Wildwasserbahn, fahren durch einen kleinen Tunnel, vorbei an einem alten Zirkuszelt, einem komplett mit Algen bedeckten kleinen Teich und hinter Gebäuden her, die wir bei unserem Spaziergang durch den Park bereits von der Vorderseite bestaunen konnten. Gegen Nachmittag soll noch ein Gruppenfoto gemacht werden. Die Event-Teilnehmer sollen sich dafür auf der großen Wiese versammeln und sich in Form des Geocaching-Logos ausrichten. Da das Ganze in sengender Hitze ohne Schatten geschehen und circa eine Stunde lang dauern soll, entscheiden wir uns dafür, nicht daran teilzunehmen.

Nach gut sechs Stunden Aufenthalt, einer sehr interessanten, informativen und unterhaltsamen Führung, einer kurzen Bahnfahrt über das Gelände und gemütlichem Schlendern durch den Park, etlichen geschossenen Fotos auf der Speicherkarte und unzähligen fantastischen Eindrücken, die dieser Park auf mich hinterlassen hat, verlassen wir wieder den größten Lost Place, den ich jemals (offiziell) besucht habe.

Vernisage „Colour-Slam“ – die Farbe steht im Mittelpunkt

Als Mischung zwischen „Glamour, Fetisch-Fashion und Dark-Style“ bezeichnen der Fotokünstler Blende666 und das Model Sarathustra ihre Werke. Ihr Motto „anders – nicht artig“ setzen sie in ihren Bildern um. Im Zentrum des Bilder steht Sarathustra, die sich immer wieder anders präsentieren kann und durch die Wandelbarkeit besonders hervorsticht.Die beiden Künstler arbeiten seit 2007 zusammen. Ihre Bilder beschreiben sie als „stillos“. Beide lieben es, viele unterschiedliche Stilarten zu bedienen, denn so werde es nie langweilig. 

sara2

Da das Paar eng miteinander arbeitet, fließt auch eine weibliche Perspektive in die vielseitigen Bilder des Künstlerpaares mit ein. „Unsere Bilder haben eine starke feminine Note“, sagt Sarathustra. Da es in ihrer Fotokunst mehr um Schönheit und das subtile Spiel mit erotischen Reizen geht, werden die Bilder auch gern von Frauen gekauft. „Wir machen Bilder für den Kopf und nicht für die Lenden“, stellt Sarathustra klar. Pornografische Anklänge wie bei anderen Fotografen in der Fetish-Szene wird man bei den Bildern von Blende666 und Sarathustra nicht finden. 

Colslam1Die Ausstellung „Colour-Slam“ in der Sold out-Galerie in Bochum setzt auf das verbindende Motiv der Farbe. Die Macht der Farbe zeigt sich am menschlichen Körper, der immer wieder in einem neuen Licht inszeniert wird. 

sara1Im Zentrum der Ausstellung steht ein Triptychon, ein dreiteiliges Bild. „Die Farbe ist das Besondere der Ausstellung“, verrät Sarathustra. Mal ist es ein Farbtupfer in einem dunklen Bild, der das Auge reizt, mal ist es ein Bild, das komplett mit der Farbgebung spielt. Unsere Bilder haben wir so ausgewählt, dass sie zur Location passen“, sagt das Model. Die Bochumer Sold-out-Galerie hat sich auf Street- und Graffti-Art spezialisiert.

 

Die Vernisage beginnt am Samstag, den 17. August um 19 Uhr. Die Ausstellung selbst kann in der Galerie noch bis zum 12. September besucht werden.
Ihr findet die Galerie in der Königsallee 16, 44789 Bochum.

 

 

Eine Wuppertalerin auf Reisen – die Dutch-Steampunk-Convention in Meppel

Eine Expedition zur Dutch-Steampunk-Convention in Meppel (NL) vom 26.07.-28.07.2013

Zum dritten Mal mache ich mich mit meinem Partner, VW Bulli und viel Gepäck auf dem Weg zum gemeinsamen Steampunk-Expeditonslagern. Diesmal geht es in die Niederlande zur Dutch Steampunk Convention in Meppel.

Ein kleiner Exkurs für den Nichtsteampunker:

Dargestellter Steampunk orientiert sich an den literarischen Zukunftsvisionen des Jules Verne (*1828-1905) gepaart mit den Stilen des viktorianischen Zeitalters. Die Steampunker nutzen eine Menge Möglichkeiten sich kreativ auszuleben, Kleidung zu gestalten, Gerätschaften umzubauen und sich so kleiden, sodass sie in die dargestellte Zeit passen. Dampfmaschinen stehen im besonderen Fokus der Beliebtheit. Im Word-Wide-Web findet man eine Menge Bilder und Informationen über das Genre Steampunk. Sehr informativ sind die deutschen Seite www.clockworker.de oder www.steampunk-expeditionen.de.

 

Lola+Dick

Am frühen Freitagnachmittag treffen wir in Meppel ein. Es ist heiß und wir bauen unser Lager im Schweiße unseres Angesichts auf. Sieben weitere Personen unseres Steampunk-Expeditionslagers sind ebenfalls dabei. Es dauert ein paar Stunden, bis endlich alle Saharazelte und Pavillons aufgebaut sind und alle Dekorationen an ihrem Platz hängen, stehen und liegen. Das Ambiente ist sehr stimmungsvoll.  Neben einzelner Lagerdekoration ist unser Teezelt im Stil der damaligen „Opium-Höhlen“ gehalten: Orientalisch-mystisch anheimelnd mit Samowar, hübschen Teegläsern und Shi-Sha, vielen Kissen, Teppichen, Tüchern und hängenden Kerzenhaltern. Genau das Richtige, um hier lange zu verweilen. Hier kann man sich zurücklehnen, Tee trinken und Shi-Sha rauchen und so in eine neo-viktorianische Welt der Phantasie eintauchen.

Unser Bulli wurde derweilen ebenfalls so umgestaltet, dass er als neuzeitliches Fahrgerät nicht mehr erkennbar ist. Mein Partner und ich stellen Luftschiffpiraten dar, die im vorderen Teil des Bullis  die Schreibstube des Navigators eingerichtet haben. Hier gibt es neben Zirkel, Kompass und Kartenmaterial des sagenumwobenen Landes „Schlaraffia“ auch einen Sextanten zu bewundern. Ich selbst ziehe mich nun um und schlüpfe in die Rolle der mittellosen Schauspielerin und Tänzerin Lola Wellington aus Whitechapel des viktorianischen Londons, die sich Dick Dynamit, seines Zeichens Luftschiffpirat und Gentleman-Ganove, angeschlossen hat. Gemeinsam wollen wir die Welt entdecken, Gold und Silberschätze finden und berühmt und berüchtigt werden. Das Expeditionsteam ist daher für solche Aktivitäten eine optimale Gemeinschaft. Hier finden sich Archäologen, Schatzsucher, Abenteuer und Entdecker, die den Besuchern den Geist der Pioniere der viktorianischen Zeit näher bringen möchten. Nachdem wir gemeinschaftlich gegrillt haben, lassen wir den Sommerabend mit einem Konzert der Wuppertaler Steampunk-Newcomer-Band „Argonautica“ ausklingen.

 

KaptainsSchreibstube

 

Am Samstag beginnt der Tag mit gefühlten 38 Grad. Das Festival ist für die Besucher ab 11 Uhr geöffnet. Geschwind frühstücken und einen Kaffee trinken, schnell in die Gewandung schlüpfen, alles wieder an den rechten Platz zurück räumen und schon sind wir bereit für einen langen Tag.

Wir verbringen die Zeit damit, die Besucher zu animieren und ihnen unser Lager und das Genre Steampunk näher zu bringen. Später nehmen wir uns die Zeit, ein wenig das weitere Festivalgeschehen zu erkunden. Schließlich muss die Expedition erfolgreich sein.

Wir entdecken viele weitere Aussteller und Darsteller, die sich nicht nur dem Steampunk verschrieben haben. Es gibt ein Mittelalterlager mit Tunierplane, Pferden und beeindruckenden Waffenlager. Auch die Live-Rollenspieler haben ihren eigenen Bereich, wo sie mit Latexwaffen den Kampf üben und sich um die Kinder der Besucher und Aussteller kümmern. Natürlich gibt es viel für das leibliche Wohl. Speis und Trank sind zu genüge anzutreffen, wobei Eis und Waffeln hoch im Kurs stehen. Ein großer Bereich mit Verkaufsständen lädt zum Bummeln ein. Dort gibt es eine Menge hübscher Dinge von selbst designten Kleidungsstück bis hin zum Blick in die Zukunft durch eine Kartenlegerin zu erwerben. Hinter einem alten rietgedeckten Haus befindet sich eine kleine Bühne unter schattenspendenden großen Bäumen. Aus Strohballen sind halbkreisförmige Sitzreihen für die Besucher vor der Bühne angelegt. Musiker und Künstler unterschiedlicher Bereiche präsentieren dort einen Ohrenschmaus aus verschiedenen Bereichen wie Pagan-Folk, Rock, Singing-Song-Writer und Klassik.

 

Lagebericht

 

Am Nachmittag ereilt uns eine kleine Katastrophe. Ein nahendes Unwetter lässt den Wind auffrischen und die Tücher unseres orientalischen Pavillons auffliegen. Leider wird der Samowar, der mit Petroleum und Feuer Teewasser und Tee warm hält, umgestoßen. FEUER!! Plötzlich steht der Teppich in Flammen! Aus dem Augenwinkel sehe ich die Flammen lodern. Doch schon sind unsere netten Nachbarn und Mitglieder unseres Lagers Vorort und ziehen das brennende Desaster aus dem Pavillon heraus. Schnell wird eine Decke hinüber geworfen und der Brand gelöscht. Gleichzeitig beginnt es in Strömen zu regnen. Ich rette, was noch zu retten ist. Doch die Zerstörung ist nicht so schlimm wie befürchtet. Bis auf drei zerbrochene Teegläser und das Innenleben des Samowars ist nichts weiter kaputt gegangen. Das hätte böse enden können. Es wurde niemand verletzt, das ist die Hauptsache. Wir lernen: Wir werden vorsichtiger sein!

Nach Feuer kommt Wasser. Das Unwetter ergießt sich förmlich über das Festival. Schnell packen wir alle Dinge, die nicht nass werden dürfen in Bulli und Zelte und suchen uns ebenfalls ein trockenes Plätzchen. Nachdem sich der Wettergott über uns ausgelassen hat, wird wieder hinaus geräumt und dekoriert. Das Leid eines Expeditionsteams. Wir öffnen eine Flasche Met und stoßen auf den Schock an und freuen uns, dass alles so glimpflich abgelaufen ist. Daraufhin wird gemeinsam gekocht. Wir nennen es Ambiente-Kochen, da alles an einer Feuerstelle geschieht. Doch diesmal haben wir gemogelt: Es ist ein Gaskocher dabei. Doch das aufwendige Menu benötigt eine solche Modernität. Es gibt Rollbraten mit Wokgemüse und Reis. Lecker! Queen Viktoria und der alte Kaiser Wilhelm hätten uns beneidet.

Wieder beruhigt vom Schock der Geschehnisse essen wir gemütlich alle zusammen und stehen den Besuchern noch bis 23 Uhr zur Verfügung. Danach klingt der Abend aus und wir sind total K.O..

Am Sonntag hat es sich abgekühlt und die Temperaturen klettern nur noch auf 25 Grad. Wir freuen uns, nicht wieder so sehr in unserer Gewandung zu schwitzen. Heute stehen wir den Besuchern noch bis 19 Uhr zur Verfügung, werden dann abbauen und Richtung Heimat verschwinden.

Die Besucher sind sehr interessiert an unserer Auslage. Mein Partner Dick Dynamit und ich haben einige Sache selbst gebastelt und sie zum Verkauf ausgestellt. Sonntags ist immer ein guter Tag für den Verkauf. Wir hoffen, somit unser Spritgeld wieder herein zu bekommen. Dick Dynamit hat Deko-Steinschuß-Pistolen mit Zahnrädern, kleinen Rohren usw. umgestaltet und lässt somit Männer und Jungenherzen höher schlagen. Die Deko-Waffen sind sehr begehrt. Doch der Verkauf läuft schleppend, aber die Leute sind lustig und lassen sich auf unser Charakterspiel ein. Auf holprigen mit Händen und Füßen unterstützen Englisch bringen wir auch unsere niederländischen Nachbarn zum Lachen.

 

Am Abend sind wir trotz eines wundervollen Wochenendes glücklich, die Segel zu streichen, das Lager abzubauen und die Expedition als erfolgreich im Logbuch einzutragen! Ich kann jedem nur empfehlen, ein Festival dieser Art zu besuchen. Besonders die Niederländer sind herrlich verrückt und lassen sich auf jeden Spaß ein. Diese kann man nicht nur an ihren ausgefallen Kostümen bewundern!

Wir fahren nun nach Hause, tauschen die Sachen aus, schlafen den Schlaf der Gerechten im eigenen Bett. Und – eine weitere Reise steht an. In Kürze reisen wir nach Brokeoloh in Niedersachsen ins ferne Mythodea!

Ausstellung: Die Hure vom Nil oder – Kleopatra nach 2000 Jahren

Der Museumsbetrieb dieser Tage ist in der Kritik, vor allem in den Bastionen des Bildungsbürgertums, also im Feuilleton. Der Event-Charakter von Ausstellungen wird verdammt, das unverantwortliche Hin und Her der Artefakte und Ausstellungsstücke angemahnt. Diese Kritik ist müßig. Museen sind Teil der öffentlichen Hand und müssen daher für alle Teile des Staates öffnen. Auch der typische Museumsgänger hat das zu lernen.

Und ehrlich: Wenn Kinder durch Kunstmuseen flitzen und einfach dreist danach fragen, was das eigentlich alles soll, dann erst ist doch der wahre Kontakt zur Kunst hergestellt. Die Frage nach dem Wieso ist es doch, was die Kunst und ihre Ausstellung ausmacht. Kunst wird es erst, wenn der Betrachter Teil der Kunst wird.

Moderne Ausstellungsgestaltung hat das zu berücksichtigen. Die Zeiten, in denen Kunstwerke nicht mehr berührt werden sollten, sind vorbei es sei denn, es wird erklärt, warum man es nicht soll. Eine mittelalterliche Handschrift, ein antikes Papyros oder eine verwittertes Blatt Papier aus der Hand van Goghs sind zu zerbrechlich, um sie zu berühren. Alles andere aber muss so gestaltet sein, dass Interaktion möglich ist. Der White Cube hat ausgedient.

Theda-bara-cleopatra

Weiß sind die Wände des Bundeskunsthalle in Bonn nicht. Für die neue Ausstellung Kleopatra – Die ewige Diva wurden sie blau und rot gestrichen. Ansonsten aber hat man es mit einer traditionellen Ausstellung zu tun. Das ist recht schade, zeichnet sich doch die Kulturwissenschaftlerin und bekannte Intellektuelle Elisabeth Bronfen (Zürich) als Kuratorin verantwortlich, die als Expertin für den Kult um Diven gelten kann. Und so verwundert es nicht, dass schon am Hauptbahnhof in Köln Liz Taylor die Menschen anschaut und nach Bonn locken will. Liz Taylor, die großartige Schauspielerin, die eben auch die Kleopatra spielte. Sie wurde auserkoren, um das Plakat zur Ausstellung zu schmücken. Mehr Diva geht nicht. Allein die Behauptung, warum Kleopatra eine Diva gewesen sein soll, leuchtet nicht so recht ein. Dass sie eine gebildete Frau war, die geschickt um ihre Macht taktierte, bis hin dazu, dass sie sich selbst prostituierte, um zu überleben, ist keine Frage. Ist das aber divenhaft? Eine Antwort erhält man nicht.

Kleopatra selber ist auch eigentlich gar nicht Mittelpunkt der Ausstellung. Vielmehr ist es das Bild, dass die Nachwelt von ihr zeichnete. Dabei ist interessant, dass dieses Bild in der Ausstellung erst in der Renaissance beginnt. Wo sind die abfälligen Bemerkungen der Römer über die Ägypterin, wo sind die Auszüge aus Textquellen der Spätantike? Und im gesamten byzantinsichen Reich des Mittelalters scheint sich für Kleopatra niemand interessiert zu haben. Erst in der Renaissance taucht sie wieder auf. Meistens halbnackt, eine Brust aus dem Kleid fallend, auf die sich eine Schlange stürzt. Diese Schlange wird dann auch zum Attribut der äyptischen Königin, ohne diese erkennt man sie gar nicht, so dass ihr Tod ist in sechzig Prozent der Fälle das ist, was die Künstler zeichneten.

Kaum hat man die Renaissance hinter sich gelassen, ist man schon im Barock, der sich auch für die Königin interessierte. Riesige Wandteppiche, die –Überraschung!– ihren Tod zeigen, aber auch die von Plinius überlieferte Episode, in der sie eine unendlich teure Perle in Essig auflöste und trank und natürlich ihre größte Niederlage: Die Schlacht von Actium, in der Ägypten seine Eigenständigkeit an das römische Reich unter Augustus verlor. Dann wechselt man in die roten Räume und steht den Filmdiven gegenüber. Ein Stummfilm aus dem Jahre 1919 zeigt Kleopatra. Liz Taylor ist zu sehen und auch Vivien Leigh, die Kleopatra des Theaters aus Shakespeares Stück.

Alles ein riesiges Sammelsurium an Bildern, Filmen, Videoclips und Büsten. Warum ist eine Statue von Kleopatra II. zu sehen? Warum die Darstellungen zahlreicher ptolmäischer Kriege? Als die Photographie noch neu war, verkleideten sich die Menschen und ließen sich abbilden, als Kleopatra, aber auch als Kaiser von China, Casanova oder Madame de Pompadour. Alle diese Bilder kann man sehen, ein Kontext aber entsteht nicht. Die Flut der Eindrücke wird nicht zu einer Erkenntnis. Es ergibt sich kein Bild im Kopf, der Besucher bleibt weder erstaunt noch ratlos zurück, der Besuch wird egal das schlimmste, was einer Ausstellung passieren kann.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte über die Ausstellung berichtet. Lobend wurde alles hervorgehoben, und man ist dann doch enttäuscht, dass der Artikel und die Ausstellung so wenig miteinander zu tun haben, bis man an der Kasse sieht, dass die FAZ wohl eine Kooperation mit dem Museum eingegangen ist.

Gelangweilt und abgeklärt verlässt man das Museum und macht sich auf zum Dach in den Orientalischen Garten, der in Verbindung mit der Ausstellung entstanden ist. Blühende Pflanzen, die bedingt durch die Hitze zwar schon die Köpfe hängen lassen, aber dennoch wunderbaren Duft verbreiten. In kleinen Pyramidenzelten, kann man sich Kalif Storch erzählen lassen, die Samen sehen, die ausgestreut wurden und an Gewürzen riechen. Die Aussicht auf Bonn bildet ein wunderbares Panorama und auch die großformatigen Bilder im Kunstmuseum nebenan sind einsehbar. Der Garten entschädigt für die Ausstellung enorm und lohnt auf jeden Fall. Ihn kann man sogar besuchen, ohne die Ausstellung zu sehen, was organisatorisch ein großes Plus darstellt.

Die Ausstellung zur ewigen Diva, fragt nichts, erklärt nicht und beantwortet schon gar nichts. Wer Filme liebt, der wird ein paar wunderbare Bilder von den Filmsets ansehen können, in denen Kleopatra Mark Anton eine Zigarette anbietet. Abonnenten von Theater heute werden sich über die Darstellungen der Schauspieler der Kleopatra austauschen können, Kunstfreunde werden sich sattsehen an Renaissance- und Barockkünstlern und sogar an den Historienmalern des 19. Jahrhunderts, von denen Hans Markats Bild von der Jagd am Nil ein absolutes Highlight darstellt. Der an Geschichte Interessierte aber geht leer aus. Da ist nichts.

Die Ausstellung wird ein Genuss sein für die Museumsgänger, ein Event, wie es angekündigt wurde, ist es nicht. Die Ausstellung zeigt kein ausgereiftes Konzept. Eine Führung kann eventuell Licht ins Dunkel bringen, ein Gang alleine leider nicht.

Kleopatra. Die ewige Diva und Der orientalische Garten (bis zum 6. Oktober 2013) in der Bundeskunst- und Ausstellungshalle Bonn. Der Katalog zu Ausstellung kostet im Museum 32 \, in Handel 45 \. Eintritt zur Ausstellung 10 \, zum Garten alleine 6 \, im Kombiticket 12,50 \. 

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